Epitaph - Rockpalast: Krautrock Legends Vol.1

Review

Der WDR öffnet seine Archive und veröffentlicht aus der „Rockpalast“-Reihe Aufnahmen von Krautrockbands der Siebziger. Den Anfang in dieser DVD-Reihe machen EPITAPH aus Hannover, wobei jene eigentlich nicht hundertprozentig in die Krautrock-Kategorie fallen: De facto gehörten anfangs zwei waschechte Briten in das Line-Up der Band, und auch deren Musik war „britischer“ als die anderer deutscher Rockgrößen dieser Zeit – so sagen zumindest die Kollegen über EPITAPH. Aber egal, welche Schublade man jetzt für EPITAPH öffnen möchte: Signifikant waren für den Rocksound der Band doch stets die doppelläufigen Gitarrenleads, der häufig mehrstimmige Gesang und der fast durchgängige Verzicht auf Powerchords. Und eigentlich auch der Hang zum gemäßigten Improvisieren, was das Ganze gerade live so reizvoll machte.

Die Band veröffentlichte bis 1974 drei Alben, löste sich 1975 nach dem Konkurs ihres damaligen Plattenlabels kurzfristig auf und kam Ende der siebziger Jahre noch einmal in Fahrt, nahm drei Alben auf und veröffentlichte genauso viele Livealben. Danach herrschte knapp zwei Jahrzehnte Funkstille, bis EPITAPH im neuen Millennium einen weiteren Anlauf wagte und seitdem regelmäßig tourt und sogar neue Studioalben veröffentlicht. Und genau diese Perioden deckt die Doppel-DVD ab.

Da gibt es das erste Rockpalast-Konzert der Band vom Februar 1977, bei dem Drummer Fritz Randow kurzfristig für den gerade abgewanderten Jim McGillivray einspringen musste. Das letzte Album lag fast drei Jahre zurück, das nächste war noch lange nicht in Sicht, und die Band spielte einen Set aus ihren ersten drei Alben – plus den eleganten Opener „She’s Burning“, der es unverständlicherweise nie auf irgendeine Platte geschafft hat. Insgesamt agiert die Band spielfreudig und routiniert zugleich – auch dank des präzisen Drummings (auch wenn Fritz Randow einmal beim Stöckchendrehen seinen Stick ins Weltall schießt). Die Bild- und Tonqualität ist ansprechend, und somit gibt es hier nicht zu kritisieren.

Etwas anders sieht es bei der zweiten Rockpalast-Aufzeichnung mit EPITAPH vom September 1979 aus, und das liegt nicht daran, dass mittlerweile die halbe Mannschaft umgekrempelt wurde. EPITAPH agierten damals als Quintett, inklusive Organist Michael Karch, dem neuen Bassisten Harvey Jansen (diese Brille…) und Gitarrist Heinz Weiss (diese unglaubliche Matte…). Beim Set legte die Band den Schwerpunkt auf die beiden Alben „Return To Reality“ und „See You In Alaska“, und irgendwie kann das Songmaterial nicht ganz so überzeugen wie die alten Songs. Erheblich schwerer wiegt aber die bescheidene Bildqualität des Auftritts: Das Licht kommt zumeist aus farbigen Scheinwerfern, und entsprechend unscharf und schwammig ist die Optik.

Den Hauptteil der zweiten DVD macht ein Konzert vom Dezember 2004 in der Harmonie in Bonn aus, bei dem die beiden Bandgründer Cliff Jackson (Gitarre und Gesang) und Bernie Kolbe (Bass und Gesang) wieder zusammen auf der Bühne standen. Das Set bringt einige der besten Songs von EPITAPH zusammen, und als besonderes Highlight entert Urgitarrist Klaus Walz bei „Going To Chicago“ die Bühne, und die drei Gitarristen wechseln sich beim obligatorischen Solo reihum ab. Nett. Bei Schnitt, Bild- und Soundqualität gibt es nichts zu meckern.

Bleibt noch die Bonussektion, die uralte Beat Club-Aufnahmen von 1972 zeigt: EPITAPH spielen live im Studio von ihrer ersten LP die Tracks „Early Morning“ und „Little Maggie“. Letzterer Track war eigentlich nur eine Testaufnahme, und deshalb agiert die Band lediglich vor einem Bluescreen – der dann auch blau bleibt. Bei dem schicken „Early Morning“ wiederum feuert die Regie alle Effekte ab, die sich mit der damaligen Fernsehtechnik bewerkstelligen lassen konnten. Abgerundet wird das DVD-Set mit einem kurzen Interview mit Bernie Kolbe und Werner Nadolny (von der Hannoveraner Band JANE). Hier fallen in der englischen Untertitelung allerdings zahlreiche Tippfehler ins Auge, genauso wie im ansonsten informativen Booklet, die den ansonsten positiven Gesamteindruck etwas trüben. Ansonsten ist „Rockpalast: Krautrock Legends Vol.1“ aber eine runde Sache, und nicht nur beinharte Fans der Band kommen hier auf ihre Kosten, bietet es doch einen umfassenden und authentischen Einblick in ein Stück deutscher Musikgeschichte.

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18.06.2011

- Dreaming in Red -

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