Frailty - Lost Lifeless Lights

Review

Wenn man schon durch das Debüt mit den Death/Doom Metal-Meistern MOURNING BELOVETH oder MY DYING BRIDE verglichen wird, der hat nichts falsch gemacht und darf sich selber auf die Schulter klopfen. Das ist nämlich dem Quartett FRAILTY aus Riga, Lettland gelungen, die wohl schon jetzt den Titel „erste Death/Doom Metal-Band Lettlands“ tragen dürfen. Mag man doch anfangs bei dem unscheinbaren Namen garnicht davon ausgehen, dass so eine talentierte Band dahinter steckt, wird man schon mit den ersten Tönen von „Lost Lifeless Lights“ in einen dreckigen, modrigen Sumpf voller Tristesse, Melancholie und rumorender Härte gezogen.

Schon mit den ersten Tönen wird klar, dass man es hier nicht mit einer weiteren Debüt-Band zu tun hat, sondern ganz viel Potenzial in den Letten steckt. Der einwandfreie Sound, der sofort mit einem Druck auf einen reindrischt, macht „I Know Your Pain“ schon fast zum Highlight von „Lost Lifeless Lights“, obwohl es noch garnicht richtig angefangen hat. Zwar weist der Opener durch die Zusammenarbeit zwischen Gitarren und Drumming, die präzise und fein aufeinander abgestimmt sind, starke Tendenzen zu MOURNING BELOVETH auf, aber das kraftvolle Growling Martins Lazdans‘ und den dezenten Keys, die einzelne Highlights reinbringen, aber nicht die gesamte Melodie tragen, sondern unterstützen, trösten über den anfänglichen Verdacht hinweg, es hier mit einer (aber sehr guten!) Kopie der Iren zu tun zu haben.

Doch, obacht! FRAILTY können noch viel mehr und beweisen schon mit dem nächsten Song, dass sie über Variabilität verfügen. „Ariadne“ ist beschwingter und hat einen Viking Death Metal-Vibe. Auch das Shred-Riffing und die Clean Vocals, die sich aber nicht mit dem Growlen Martins‘ wie bei MOURNING BELOVETH duellieren, tragen dazu bei, dass man gespannt ist, was als Nächstes kommt. Wo sich „I Know Your Pain“ im typischen melancholischen Gewand des Death/Doom-Metals präsentiert, geht es hier technischer voran und wirkt martialischer, da die Gitarren und die Drums wieder eine Einheit bilden. Während ambientale Synthies das minutenlange Gitarren-Soli abrunden, nehmen FRAILTY aber den Fuß vom gehobenen Midtempo-Pedal und gehen fließend wieder in den Death/Doom über. „The River Of Serpents“ könnte auch von den frühen MY DYING BRIDE sein und ist wohl der langsamste Song auf „Lost Lifeless Lights“, der Funeral Doom-, aber auch traditionelles Doom-Blut in sich trägt. „Graphics In Ebony“ geht zur Überraschung in die melodische Black Metal-Schiene und FRAILTY zeigen hier ihre wütendere Seite durch wilde, progressivere Riffs. Der Spannungsbogen geht von Uptempo zu Introversion hinzu Death/Black Metal mit Scream-Vocals, um abschließend wieder zu den Wurzeln zurückzufinden. „The Fall Of Eve“ ist schon durch den zu Anfang gewaltigen Bombast trotz Midtempos einer der stärksten Songs, zeigt den eher verhalteren Dark Metal-Spirit, den die Letten in sich tragen und bricht mit einem schnellen Drumming in Symbiose mit spielerischen Folk-Einflüssen in der Leadgitarre aus. „A Summer To Die“ geht dagegen deutlich rockiger zu Werke und als Abschluss bietet „The Scorn“ mit dem längsten Track, einen Gothic Metal-lastigeren Song, bei dem der exquisite Wechsel der Growl- und Scream-Vocals von Martins erwähnt werden sollte. Als Bonus gibt es noch eine Cover-Version von „Lugshana“ der schon aufgelösten litauischen Band MONRO.

Lange Rede, kurzer Sinn: ich denke, es ist klar, dass man mit FRAILTYs Debüt eine abwechslungsreiche und atmosphärische Scheibe in den Händen hält, die sich zwar schon dem Death/Doom verschrieben haben, aber dennoch genug Platz für Genreüberschreitungen und unterschiedliche Phasen innerhalb eines Songs lassen. Kleine Kritik gibt es zwar im Hinblick auf die nicht so angenehm intonierten Clean Vocals und den zu deutlichen Tendenzen zu oben erwähnten Einflüssen, aber da man so ein starkes Debüt selten hat, sollte dies nicht weiter erwähnenswert sein. Wem also das aktuelle Werk „A Disease For The Ages“ von MOURNING BELOVETH oder „Arcane Rain Fell“ von DRACONIAN schon zu lange her ist und nach Neuem für die kürzer werdenden und dunkleren Tage dürstet, der sollte „Lost Lifeless Lights“ unbedingt eine Chance geben.

25.09.2008

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