Fyrnask - VII - Kenoma

Review

Nahezu fünf Jahre sind ins Land gezogen, seit FYRNASK mit ihrem Album „Fórn“ die geneigte Zuhörerschaft in finstere, aus Dark Ambient, Drone und Black Metal bestehende Klangwelten entführten. Mit „VII – Kenoma“ bietet die Truppe rund um Mastermind und Gründungsvater Fyrnd nun erneut die Möglichkeit, dem irdischen Dasein zu entfliehen und in besagte Sphären zurückzukehren.

FYRNASK  und die Tiefen vom Buch des Leidens

Das nunmehr vierte Album setzt sich konzeptionell mit den Tiefen vom Buch des Leidens, genannt „Musibatname“, auseinander, das vom persischen Dichter und Mystiker Fariduddin Attar im 13. Jahrhundert niedergeschrieben wurde. Kompakt zusammengefasst, stellt besagtes Werk die Widersprüchlichkeit der Idee eines allmächtigen, guten Gottes in Koexistenz mit menschlicher Erfahrung von Trauer, Leid und Ungerechtigkeit dar. Die gänzliche inhaltliche Ergreifung des von FYRNASK aufgearbeiteten und neu interpretierten Materials dürfte in einer ähnlich intensiven Auseinandersetzung mit dem Grundstoff enden, wie sie auch „VII – Kenoma“ dem Rezipienten abverlangt, denn zur leicht verdaulichen Kost kann in gewohnter Manier auch die neueste Veröffentlichung gewiss nicht gezählt werden.

Trotz der dem Genre-spezifischen, klanglichen Ursprung nicht allzu fremden Grundausrichtung, gestaltet sich die Beschreibung des Stils von FYRNASK anhand von Gleichnissen äußerst schwierig. Von Beginn an wohnte dem Projekt ein ureigener Sound inne, welcher noch am ehesten einer Mixtur aus isländischem Schwarzstahl, wie in beispielsweise MISÞYRMING zelebrieren, und atmosphärisch über jeden Zweifel erhabenen Künstlern wie ULTHA gleichkommt. Die sogartige Wirkung des von FYRNASK in Klang festgehaltenen Mahlstroms entfesselt sich sodann unweigerlich im Opener „Hraevathefr“. Zunächst noch mit reduzierter Instrumentierung und flüsternden Stimmen Spannung aufbauend, leitet ein markerschütternder Schrei das schwarzmetallische Chaos ein, welches auf „VII – Kenoma“ wieder deutlich mehr zum Tragen kommt, als noch auf dem zu weiten Teilen akustischen Vorgängerwerk.

„VII – Kenoma“ entführt in vielschichtige, rituelle Sphären

Während es sich bei dem auf die Ruhe folgenden Ausbruch in tobsüchtige Gefilde um ein wiederkehrendes Motiv im musikalischen Schaffen von FYRNASK handelt, erweisen sich die weiterführenden Songstrukturen der oftmals sehr langen Tracks als zumeist unvorhersehbar und überaus vielfältig.

So wechselt „Nidhamyrkr“ beispielsweise zwischen geisterhaften, wie aus einer anderen Welt anmutenden Melodien und schleppend-finsterem Stampfen, das darauffolgende „Helreginn“ sucht den Kontrast in wohl akzentuierten, melodischen Gitarrenläufen und einem Zwischenspiel, welches in seinen rituell anmutenden Klängen gar an die Anfangstage von WARDRUNA erinnert. „Daudhvana“ drosselt, sich dem Ende des Albums nähernd, den musikalischen Aufruhr und leitet letztlich in das abschließende, von mehrstimmigem Frauengesang getragene und gänzlich entschleunigte Ambient-Stück „Blotgudh“ über. Ein wirkungsvoller Ausklang für ein dramaturgisch wohl durchdachtes Album.

„VII – Kenoma“ ist für FYRNASK Fortschritt und Rückbesinnung

Die Rückbesinnung auf den der Band inhärenten Black-Metal-Sound und die Reduzierung der Versatzstücke aus Drone und Dark Ambient auf ein adäquates Maß, lassen „VII – Kenoma“ gesamtheitlich weniger zerfahren und in sich kompakter erscheinen, als es auf dem vorhergegangenen Werk der Fall war. Dass diese Neuausrichtung des Fokus keineswegs auf Kosten der Atmosphäre gehen muss, beweisen FYRNASK gekonnt mit der Darbietung von unvorhersehbaren Liedstrukturen und wohl durchdachten Spannungsbögen, deren Effizienz nicht zuletzt dem versierten Songwriting zu verdanken ist. „VII – Kenoma“ fordert den Zuhörenden zur aktiven Auseinandersetzung mit den vielschichtigen Facetten des ausgebreiteten Klangkosmos auf. Wer diesem Appell nachgeht, wird in FYRNASK eine der derzeit wohl interessantesten Bands innerhalb des heimischen Black Metal entdecken.

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21.04.2021

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