Glamour - The Mood

Review

Gibt es hier noch Jünger, die sich an die alten Großtaten von SWEET, SLADE, GARY GLITTER, KISS, AEROSMITH oder MÖTLEY CRÜE erinnern? Oder welche, die was für BON JOVI, AXEL RUDI PELL oder die SCORPIONS übrig haben? Nun, in genau diese Fußstapfen wollen anscheinend (zumindest dünkt mich das so nach dem ersten Durchlauf der CD) die Buben von GLAMOUR mit ihrem neuen Werk „The Mood“ treten. Sonnenbrillen, Plateauschuhe, Schlaghosen, Hüte, alles gemahnt an die modischen Untaten von SWEET und den eigenwilligen Look des schönen GARY in den farb- und schnittoffensiven Siebzigern. „Nicht tuntig, sondern energiegeladen“, so tönt die Band vollmundig und preist ihren Sound mutig einer breiten Öffentlichkeit an. Einige Gründe also, diese Combo einer gewissenhaften Prüfung zu unterziehen.

Der Opener wird leichtfertig abgeschenkt. Kommentar überflüssig, ganz schlecht, null Punkte, ist von nun an der schlechteste Song meiner Reviewer-Karriere und löst den berüchtigten TRIBAL-Track aus der vorletzten Rezension ab. Fangen wir mit Nummer zwei „In The Night“ an. Der hat ein nettes Gitarrenriff, ist einer der annehmbaren Songs der Scheibe, dabei allerdings keineswegs berauschend, Mötley-Crüe für Arme. Wäre ich sechzehn, wollte zu einem KISS-Konzert und vorher noch im Straßenkreuzer die kleine nette Nachbarin näher begutachten wollen (der Herr behüte), dann würde der Song vielleicht funktionieren. Klar, AC/DC (und nicht nur die) hätten mit „Live Wire“ in derartiger Lage natürlich weitaus besseres zu bieten. Der dritte Song, „Say Yeah“, tönt vor allem gesanglich
und vom Gitarrenarrangement nach AEROSMITH und GUNS N‘ ROSES und soviel vorweg, es ist der mit deutlichem Abstand annehmbarste Song der CD. Richtig gut ist der aber auch nicht.

Danach wirds nämlich strunzlangweilig, die geklauten Einfälle reichen überhaupt nicht, einen Song über drei
Minuten zu tragen. Da gehts den Brüdern von GLAMOUR wie TRIBAL, die sind ähnliche Weichspüler. Hier mal ein SLADE-Zitat, dann kommt ein WHITE LION-kompatibler
Schmachtfetzen (deren Vorgruppe sie waren); die Anbiederungen an Freund AXEL, neuere KROKUS, GOTTHARD
und ähnlich einnehmende belanglose Melodic-Acts wirken mehr als einfallslos. Dabei ist der Gesang bisweilen noch ganz passabel, nölig, rockig, allerdings nicht das Songmaterial, das ist wie so oft unterdurchschnittlich; es kann halt nicht jeder komponieren, wie wir ja zuletzt sehr oft feststellen durften. Ach ja, fast um meine Aussage von eben zu widerlegen ertönt am Ende der Scheibe tatsächlich noch ein wenigstens hörbarer Track: „Rock And Roll“ (einfallsreicher Titel), hier hat die Band es geschafft, einen zumindest kleinen Spannungsbogen zwischen Strophen- und Refrainphase aufzubauen.

Der Leadgitarrist ist an sich nicht zu verachten,
allein er kann die Songs auch nicht retten. Über Cover-Band-Niveau kommt GLAMOUR nicht. Es fehlt ihnen an Riffs, Blues, ROSE-TATTOO-artigen Slide-Gitarren. Auch Staub, Straßen- und Motelflair will sich letztlich nicht einstellen. Seicht, abgenutzt, geglättet, so könnte mans auch nennen. Als Partybeschallung führt GLAMOUR garantiert zum großen Massenschlaf. Da sind dann doch die Skandinavier weitaus flinker, frecher, dreister, man denke an PSYCHOPUNCH, GLUECIFER, THE HELLACOPTERS oder TURBONEGRO. GLAMOURS „untuntige“ Musik könnte allerdings was für unsere über fünfzigjährige PUR-Fraktion sein, also die, die JOE COCKER als sehr hart, laut und rebellisch einstuft. Sonst für niemand. Und auf das KISS-Konzert stimmt man sich, so oder so, auch besser mit „Detroit Rock City“ ein…

23.02.2007

Der metal.de Serviervorschlag

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