Glorior Belli - The Great Southern Darkness

Review

Mit „Meet Us At The Southern Sign“ hatten sich GLORIOR BELLI bereits aus dem eng gesteckten Korsett des Black Metal befreit. Waren die beiden ersten Alben noch geprägt von orthodoxem Black Metal, haben sich die Grenzen ihrer Klanglandschaften um Meilen verschoben. Da verwundert es nicht, dass „The Great Southern Darkness“ diesen Pfad weiterverfolgt und noch ein Stück ausgereifter wirkt als der Vorgänger.

Der Southern Rock/Metal-Anteil wirkt noch besser eingeflochten, der Blues bekommt mehr Raum und auch psychedelisches, wie es bereits NACHTMYSTIUM eindrucksvoll mit Black Metal kombinieren, findet sich im Repertoire der Franzosen. Wer gedacht hätte, mit ihrem Metalblade-Deal könnte etwas von der unbändigen Energie oder der umfassenden Dunkelheit verloren gehen (schließlich ein häufiger Vorwurf bei einem Wechsel zu einem großen Label), der kann sich eines Besseren belehren lassen. Natürlich ist „The Great Southern Darkness“ nicht bei einem Durchgang zu erfassen, dazu passiert bereits oberflächlich zu viel. Das Schlagzeug hämmert, die Riffs wagen teils den Ausflug in dezent dissonante Regionen und die häufigen Tempowechsel und Breaks wirken zunächst erschlagend. Aber bereits hier macht Album Nummer vier eine gute Figur, die weit ab ist von den stumpfen Versuchen, die Frühneunziger wieder heraufzubeschwören.

Nach eingehenderer Beschäftigung wird man feststellen, dass bislang tatsächlich nur am oberen Rand gekratzt wurde. „The Great Southern Darkness“ geht viel tiefer, ist ergreifender und, ja, das darf man so sagen, stärker und reifer als sein Vorgänger. In den Details steckt so viel, die immer wieder bluesigen Riffs, der Desert Rock, all das verleiht einem das Gefühl von unendlichen, staubig trockenen Wüstenlandschaften. Trotzdem ist es verlockend, sich auf die teuflische Reise von GLORIOR BELLI zu begeben, denn reizvoll ist es, wie abwechslungsreich sie diesen Weg beschreiten. Seien es plötzlich hindurchschimmernde rockige Gitarren unter hämmerndem Black Metal oder ein paar verträumtere, weltfremde Leads, die sich durch doomigere Parts ihren Weg zum Licht bahnen, es ist klasse komponiert. Wer bis dahin nicht eh schon überzeugt vom Treiben ist, wird spätestens mit dem Titelstück mitten ins lodernder Höllenfeuer gelockt. Ein ruhiger Beginn mit angenehmen Clean-Vocals und einer einnehmenden, bluesigen Gitarre explodiert unvermittelt in genau das Gegenteil aus Geschrei, sägender Gitarre und wieder zurück. Ein Wechselspiel beider Extreme, die GLORIOR BELLI bis dato so gekonnt mit einander verwoben haben, hier werden sie gegenüber gestellt, und selbst das funktioniert auf beängstigend hohem Niveau.

Hinter den Franzosen stecken definitiv keine engstirnigen Köpfe, sondern wirkliche Künstler, die ihren Hörer fordern und mit jedem Album an sich selbst zu wachsen scheinen. „The Great Southern Darkness“ mag auf den ersten Blick etwas sperrig wirken, offenbart aber mit etwas Geduld einen wirklich starken Schritt dahin, Black Metal wieder wirklich interessant zu gestalten. Dass dabei Grenzen überschritten, völlig ignoriert werden und etwas oberflächlich so Gegensätzliches wie Desert Rock fast gleichwertig auftaucht, kann nur der richtige Schritt sein. Ein Album zum Entdecken, Genießen und vor allem mehrmaligen Hören!

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12.09.2011

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