Glorior Belli - Meet Vs At The Sovthern Sign

Review

Die Entwicklung eines Albums zu beobachten, kann schon manchmal seltsame Ausmaße annehmen. Im Falle der dritten Veröffentlichung „Meet Vs At The Sovthern Sign“ der französischen Orthodox-Black Metaller GLORIOR BELLI war ich anfangs aufgrund neuer musikalischer Einflüsse sehr angetan. Mit jedem weiteren Hördurchgang jedoch, konnte mich das Album nicht mehr von den Socken hauen und ich bin ehrlich gesagt verwirrt, woran es liegen mag. Liegt es an der leichten Zugänglichkeit des Albums, die sich mitbringende Kühle, die dem Wort „Atmosphäre“ trotzt und das Endresultat irgendwann zu einem Knäuel wird, aus dem kaum noch Details oder Besonderheiten hervorstechen?

Schade, denn „Meet Vs At The Sovthern Sign“ ist alles andere als ein durchschnittliches Album, wenn man es zum ersten Mal hört. Was so besonders ist, im Vergleich zu dem Vorgänger „Manifesting The Raging Beast“, ist der nahestehende Verdacht, dass Infestvvs wohl in den letzten Monaten regelmäßig mit Blake Judd von NACHTMYSTIUM unterwegs war. Ebenso wie bei „Assassins – Black Meddle Part I“ mit Psychedelic-Rock-Arrangements der US-Amerikaner, wurden geschickt Blues- und Southern-Rock-Elemente in das Output der Franzosen integriert, was bisher noch nie im europäischen Black-Metal-Sektor besonderen Anschluss gefunden hat.

Eine abgestimmte Mischung des bisherigen Black Metals mit dem Vintage-Esprit alter Rock-Klassiker zu kreieren, ohne eine Farce in Hinblick auf den lyrischen Inhalt zu bilden, ist ein kompliziertes Unterfangen, dass sicherlich nicht jeder Band glücken würde. Denn lyrisch geht es wie bisher um die Philosophie des Luziferischen Satanismus. Musikalisch jedoch gibt es nur wenige Songs wie „In Every Grief-Stricken Blues“ oder „Fires Of The Sitra Ahra“, die auch noch nach mehreren Hördurchgängen eine besondere Magie mit sich bringen. Der Rest geht trotz der Experimentierfreudigkeit unter und bleibt nicht hängen. Und das obwohl jeder Song für sich gesehen durchdacht ist und eine Abwechslung zu dem gewöhnlichen Black-Metal-Allerlei bietet. Als Ganzes jedoch scheitert es. Dieses gewisse französische Etwas
ist es, dass es mir schwer macht, den eigentlich außergewöhnlichen Stil GLORIOR BELLIs ausführlicher definieren zu können und Vergleiche unangebracht machen. GLORIOR BELLI haben schon mit dem Nachfolger zu „Ô Laudate Dominvs“ – „Manifesting The Raging Beast“ – ihr eigenes Gesicht verfeinert, melodiöse und ausgereifte Riffs statt simple 2-Akkord-Shreddings geboten und auch auf kalkulierte Rohheit verzichtet. Seitdem waren sie schon eine Black-Metal-Band, die schamlos über den Tellerrand blickte, ohne bei anderen Bands abzukupfern.

Was die Geschwindigkeit auf „Meet Vs At The Sovthern Sign“ anbelangt, wurden selten schnelle Nummern aneinander gereiht und mit Instrumentals wie „Swamp That Shame“ oder „My True Essence“ aufgelockert. Im Grunde wird überzeugende Gitarrenarbeit präsentiert und jeder einzelne Song enthält verschiedene, abwechslungsreiche Nuancen, ohne den Stil GLORIOR BELLIs aus den Augen zu verlieren. Dass dabei die Drums nur dem unterstützenden Zweck dienen und der Fokus auf die Gitarrenarbeit gelegt wurde, dürfte nicht wundern. Ist das ein unterschwelliger Hinweis auf die Hierarchie GLORIOR BELLIs, in der Infestvvs neben dem Gesang und der Handhabung der Saiten für die Kompositionen verantwortlich ist? Wie auch immer, stimmlich ist Infestvvs‘ Organ jedenfalls um einiges variabler geworden und bietet neben seinem eindringlich-markanten gutturalen Gesang auch Clean-Vocals, die nicht besser den bluesigen Unterton unterstreichen könnten.

An was es mangelt, ist das fehlende Flair, überzeugende Aggression und Momente, die sich im Gehör festsetzen. Handwerklich kann man da nichts bemängeln, allerdings wird es einfach langweilig trotz oder vielleicht gerade wegen seiner Länge und Fülle an Details, die später ihre Form verlieren. Ich werde den Verdacht nicht los, dass sie sich da ein wenig mit dem roten Faden verzettelt haben. Daher komme ich nicht umhin, diesen abflachenden Spannungsbogen als Kritikpunkt zu betrachten, was „Meet Vs At The Sovthern Sign“ für mich zu einem Einweg-Album macht, was schnell den Reiz verliert. Da hilft auch kein „In Every Grief-Stricken Blues“, was sich als einziges, langlebiges Highlight entpuppt wegen seiner melancholischen Route 66-Attitüde, wo man sich in die texanische Ödnis hineinversetzt fühlt.

Für diejenigen, die GLORIOR BELLI seit „Ô Laudate Dominvs“ kennen, mag „Meet Vs At The Sovthern Sign“ auf den ersten Blick anspruchsvoller, strukturierter und weniger roh wirken. Allerdings wurde, ob beabsichtigt oder nicht, mit zu viel Politur gearbeitet, um das Resultat glänzender darzustellen, als es eigentlich ist.

21.06.2009

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1 Kommentar zu Glorior Belli - Meet Vs At The Sovthern Sign

  1. lord_levithanius sagt:

    Das Album wächst mit jedem Durchlauf und zwar haushoch! Einzig Secrets of the Moons Privilegvm könnte das Album für mich persönlich vom Thron stoßen dieses Jahr.

    5/10