Goddess - "Ritual Of The Cloven Hoof"

Review

Aus GOATESS werden GODDESS. Und die Schweden verkünden auf „Ritual Of The Cloven Hoof“ einleitend: „God is dead.“ Der vorletzte Song des halben Dutzends der Platte heißt dann „Born Again Heathen“ und damit ist klar, wie die göttliche Ex-Ziegin inhaltlich ihre Ländereien markiert. Lyrisch wird grimmig mit dem (!) da oben abgerechnet. Die Diagnose ist düster, das Cover lässt zwar ein paar Feuerchen und einen Hoffnungsschimmer am Horizont zu, geht insgesamt aber in Richtung Eiswüsten-Mordor und ist damit in seiner Metaphorik klar.

„Ritual Of The Cloven Hoof“ verhandelt große Fragen

Ob man das Christentum nun persönlich als das Hauptproblem betrachtet oder nicht: Die Verhandlung von Gut und Böse ist im Doom – und von solchem reden wir bei GODDESS – zweifelsohne angemessener, als mit großem Pathos zur noch größeren vokalischen Geste auszuholen und dann bei irgendeinem Elbenschwert zu landen (und sei es auch noch so meisterhaft unterm Vollmond geschmiedet) oder bei der Verflossenen (und sei sie noch so toll und es ganz objektiv himmelschreiend ungerecht, dass das nichts geworden bzw. geblieben ist).
Karl-Martin Buhre transportiert sowohl das Anklagende als auch das Kämpferische auf „Ritual Of The Cloven Hoof“ überzeugend, singt melodisch, mit kräftiger Intonation und bisweilen rau-aggressiv. Ihm fehlt etwas das Besondere, das Ergreifende eines Christian Linderson (LORD VICAR, punktuell COUNT RAVEN, SAINT VITUS und weitere Wissende), der bei GOATESS anfangs dabei war. Aber seine Stimme passt exzellent zur Musik der GODDESS.

GODDESS machen geschmackvolle Genre-Musik

Diese ist nämlich klassischer, getragener Doom, der nur punktuell das Tempo verschärft und trotz aller Kälte des Covers über seinen Groove eine deutliche Blues- bzw. Stoner-Kante aufweist. Letztere zeigt sich zudem in einigen geschmackvollen „Josh Homme in der Schneewehe“-Gitarren wie in „Inquisition“. Oder in zurückgenommenen psychedelischen Passagen, so im genannten Achteinhalbminüter „Born Again Heathen“ – hier könnten sich auch die mächtigen KYUSS gezielt in eine Höhle im Vorgarten Midgards verirrt haben. Insgesamt aber ist „Ritual Of The Cloven Hoof“ eindeutig ein Metal- und kein Rock-Album. Die Gitarren sind schwer Genug und der gesamte Gestus ebenso. Und, deutlich wichtiger: Es ist ein gutes Album, das sich zwischen CHURCH OF MISERY und kompakten SLEEP seinen Platz in den Herzen der Iommi-Gemeinde souverän erriffen dürfte. GODDESS sind eine Genre-Band. Ihre Musik aber ist nicht generisch – sondern geschmackvoll. Und das ist ein großer Unterschied.

09.07.2026

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