Great White - Back To The Rhythm

Review

Es passiert sommers und zuzeiten wilder Herbststürme regelmäßig, dass ich den Straßenkreuzer aus Vatis Garage steuere, stilecht mit Sonnenbrille bewehrt und in Begleitung einer Kopftuch und Pettycoat tragenden jungen Dame, um eine kleine Überlandfahrt zur Steigerung der Geisteskräfte in nettem Ambiente zu unternehmen. Dazu passt musikalisch erfahrungsgemäß rüpelnder Thrash sowenig wie holzender Todesstahl oder Wald- und Wiesenklänge blackmetallischer Natur. Für solche Fälle u.a. gibt es Bands wie GREAT WHITE: diese Mischung aus Blues, R&R, Südstaaten-Rock, der stets im Straßenstaub verweilt, gasoline at little windy town…

Und wie wir uns schlagartig bei der Nennung des Bandnamens erinnern, waren GREAT WHITE mit einem der größten Desaster der Rock-Konzertgeschichte verbunden. Bei der Feuerkatastrophe von West Warwick im Jahre 2003 kamen über 100 Zuhörer und ein Gitarrist der Band ums Leben, als das Bühnen-Feuerwerk die nicht ganz feuerfeste Decke in Brand setzte. Davon ließ die Band sich jedoch nicht unterkriegen und spielte nun nach acht Jahren ein neues Studioalbum ein, das auf den Titel „Back To The Rhythm“ hört und an alte Glanztaten anschließen soll.

Und mit dem Opener „Back To The Rhythm“ zeigen die Altmeister bewährte Klasse: AC/DC, AEROSMITH und LYNARD SKYNARD können stellvertretend für ähnliche Genregrößen als Vergleichsmaßstab genannt werden. Typisch amerikanischer Blues-Rock mit Country-Vibes und Boogie-Elementen wird uns geboten. Simpel, aber gut; sowas schaffen die Epigonen nicht, mit Ausnahme von D:A:D natürlich. „Here Goes My Head Again“ tönt trauriger, jedoch nicht kitschig-anbiedernd, sondern immer augenzwinkernd; „Take Me Down“ rifft sich heavy durch den Blues-Dschungel, eine GUNS N‘ ROSES-Hymne erklingt, der Lautstärkeregler im Straßenkreuzer wandert wie von Zauberhand nach rechts, dem Geschwindigkeitsmesser ergeht es ähnlich, übrigens.

In „Play On“ lässt die Band den Softie raushängen, SLADE-kompatible Singalongs begleiten uns. Und dann folgt ein absolutes Highlight: „Was It The Night“ erinnert an „Walking In The Shadow Of The Blues“ der Hardrocker WHITESNAKE. Das Timbre von Coverdale hat es GREAT WHITE angetan, das hört man. Dieser Track ist einfach typisch geiler amerikanischer Schwanzrock, Punkt. Müßig zu sagen, dass hier stets für ca. 20 Sekunden klare Rocksoli der alten Schule zum Besten gegeben werden. „Still Hungry“ führt diesen spätpubertären Duktus fort, solider Sex auf dem Rücksitz ist hier nie allzuweit entfernt, ähnlich wie bei Bon Scott, David Lee Roth oder David Coverdale. Über Leute wie Pete Steele und sein peinliches, weil effekthascherisch plaziertes stets hörbares tiefes Atmen bzw. diese permanent-pseudoverführerische dunkle Tonlage kann hier nur gelacht werden. Denn bei GREAT WHITE ist Sex staubig, schmutzig, spontan, allgegenwärtig, und nicht abhängig von barocker Ornamentierung oder ellenlangem inbrünstigem Gehauche. Soll heißen weitaus besser. Das meint auch die augenverdrehende Dame auf dem Beifahrersitz.

„Standin‘ On The Edge“ swingt sich zu einem weiteren Höhepunkt, die ROLLING STONES haben auch Spuren hinterlassen, geil, dieser Rhythmus, das heiser-lässig intonierte „Allright…“. Der Rocker „Neighborhood“ und die abschließende genial geglückte Ballade „Just Yesterday“ (Was für ein Chorus, was könnte das für ein Hit werden!) finden ebenso des Rezensenten Zustimmung. Die unterhaltsame Fahrt mit freundlicher Dame ist nun vorbei. Wie gesagt, das ist Musik für spezielle, feingelaunte Stunden. Und das ist doch schon was, oder?

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08.11.2007

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