Hangman's Chair - Banlieue Triste

Review

Die Pariser Vororte – im Volksmund „Banlieues“ genannt – erfreuen sich wahrlich keines guten Rufes. Die mit hässlichen Betonbauten zugepflasterten Wohnsiedlungen sind Sinnbild für Frankreichs gescheiterte Integrationspolitik und die soziale Ungleichheit im Land. Gewalt, Kriminalität, Armut und Perspektivlosigkeit stehen in diesen Problemvierteln an der Tagesordung. Doch dort, wo der Staat einst versagte, entsteht auch Großes, immerhin gelten die Banlieues unter anderem als Geburtsstätte des französischen Hip-Hops, einem Genre, das andere Künstler europaweit inspirierte.

Dass Frankreichs soziale Brennpunkte auch Musiker anderer Genres hervorbringen, beweist das Doom-Quartett HANGMAN’S CHAIR. Auf ihrem mittlerweile fünften Studioalbum „Banlieue Triste“ widmen sich die vier Musiker um Frontmann Cédric Toufouti genau diesem harten und oftmals aussichtslosen Leben in den Randvierteln der Stadt. Doom Metal aus dem Plattenbau – ob das klappt?

HANGMAN’S CHAIR – Melancholie par excellence

Nein, einen treffenderen Namen als „Banlieue Triste“ kann es für dieses gut einstündige Werk wahrscheinlich gar nicht geben. Selbst Hörer, die des Französischen nicht mächtig sein sollten, dürften sich die Bedeutung des Albumtitels herleiten können – und der hält fraglos, was er verspricht! HANGMAN’S CHAIR gelingt es, aus der eigenen Misere schöpferische Kraft zu ziehen und dem Hörer dadurch einen authentischen Einblick in die eingangs erwähnte alltägliche Tristesse zu gewähren.

„Banlieue Triste“ ist somit eines jener Alben, auf denen Sound und Thematik eng miteinander verwoben sind. Der schleppende, melancholisch-atmosphärische Mix aus bedrückend-nihilistischem Doom Metal und einschlägigem Sludge-Sound macht schnell deutlich, dass HANGMAN’S CHAIR hier definitiv keine Platte zum Wohlfühlen aufgenommen haben. So behandeln beispielsweise „Naïve“ oder „04/09/16“ die Themen Drogenkonsum, den aus der Sucht resultierenden geistigen und körperlichen Verfall, sowie den inneren Kampf gegen sich selbst. Und Song um Song leidet der Hörer mit!

„Banlieue Triste“ – Grandios glaubwürdig

„Banlieue Triste“ ist rau, schmutzig und düster – und steht damit dem Alltag im Banlieue wohl in Nichts nach. HANGMAN’S CHAIR liefern mit ihrem fünften Album ein wahres Glanzstück ab, das sowohl thematisch als auch musikalisch an den Vorgänger „This Is Not Supposed to Be Positive“ – ein Titel, der ohne weiteres das bandeigene Motto sein könnte – anküpft.

Zwar ist „Banlieue Triste“ kein perfektes Album und hat durchaus Ecken und Kanten, tatsächlich ist es jedoch genau dieser grobe, ungeschliffene Sound, der den zehn Songs ihre ganz eigene Ästhetik verleiht. Letztendlich schaffen es die vier Franzosen, ein Gesamtwerk vorzulegen, das dem Genrebegriff Doom Metal mehr als würdig wird – und den Hörer dabei gleichermaßen berührt, verstört und anspricht.

20.10.2018

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