1
Soundcheck September 2026# 14
Vor 10 Jahren feierte Kai Hansen „XXX – Three Decades In Metal“ mit seinem Projekt HANSEN & FRIENDS. Nun folgt pünktlich nach einer weiteren Dekade „Born With A Hammer“, nunmehr nur noch unter dem Banner HANSEN.
Nur noch Hansen?
Neben Kai, Gesang, Gitarre und Songwriting, sind wie auf dem Debütalbum wieder Bassist Alexander Dietz (HEAVEN SHALL BURN), Schlagzeuger Daniel Wilding (CARCASS) und Gitarrist Eike Freese (DARK AGE) dabei. Dazu Sohn Tim (INDUCTION) an der Gitarre, also mehr Hansen, dafür fehlen die Gäste. Dietz und Freese kümmerten sich neben Kai auch um die Produktion. Ganz schön beschäftigt, der Haneseate.
Ganz schön beschäftigt
Aktuell feiert Mitbegründer Kai mit den reunierten HELLOWEEN ausgiebig deren 40jähriges Jubiläum, letztes Jahr erschien deren aktuelles Album „Giants & Monsters“. Darunter leiden GAMMA RAY, deren letztes Studioalbum „Empire Of The Undead“ bereits 2014 veröffentlicht wurde. Auch seine Beteiligung an IRON SAVIOR und UNISONIC gehören lange der Vergangenheit an. Dafür hat Hansen hier und jetzt die volle künstlerische Freiheit, sich auf „Born With A Hammer“ ohne Kompromisse auszutoben. Oder anders gesagt – Hansen spielt Hansen.
Hansen spielt Hansen
So klingt schon einmal der flotte, kräftig zupackende Power-Metal-Opener „Feading The Beast“ deutlich nach GAMMA RAY und auch ein wenig UNISONIC. Schnelle Gitarren, ordentlich Druck, die charismatische Stimme, das Händchen für griffige Melodien. Alles da! Interessanterweise schafft es das Stück, vertraut und gleichzeitig frisch zu klingen.
Ähnlich gelagert sind die Metal-Nummern „End Of The Road“, eine düstere und zugleich melodische Hymne, der klassische Midtempo-Banger „Invaders“ mit großem Refrain sowie das wuchtig harte „Wonderland“. Alles drei Stücke einprägsam, kraftvoll und kompakt, etwas weniger detailverliebt wie bei GAMMA RAY.
Spätestens seit dem Titelsong von „Heading For Tomorrow“ wissen wir um sein Faible für QUEEN, dieser ebenso epische, achtminütige Titelsong „Born With A Hammer“ trägt dieselbe DNA in sich. Hymnisch, dramatisch, dezent progressiv, viel Raum für Gitarren, Melodien und Dynamiken, „Bohemian Rhapsody“ stand Pate. Einer der Schwer- wie Höhepunkte der Platte.
Aber bei allen melodischen Twin-Leads, messerscharfen Riffs, kraftvollen Rhythmen, „Born With A Hammer“ trägt zwar größtenteils Heavy und Power Metal in sich, aber eben nicht nur. Kai Hansen muss niemandem mehr etwas beweisen und tobt sich hier aus. Frei von irgendwelchen Konzeptfiltern, frei von der Erwartungshaltung, einem Meilenstein seiner eigenen Vergangenheit nachzueifern. Diese Geschichte ist geschrieben. Hansen macht, auf was Kai Bock hat, und das schließt auch Hard Rock wie Punk mit ein. Gitarrenlastig, unverkrampft direkt, ja auch mal kantig und eigenwillig, und dadurch auch sympathisch.
Auf was Kai Bock hat
Das lockere „Welcome To Life“ bspw. mischt Rock‘n’Roll mit Punk inklusive Ska-Einlage. Oder „Don’t Care“ mit Elektro-Sounds und synthetischen Drum-Beats aber auch Gitarren und klassischem Refrain. Auch das rotzige „I.D.G.A.F.“ zählt zur Kategorie Überraschung, in dem platten Fall aber eine eher weniger gelungene.
Kai Hansen nutzt die sich selbst gegebene Freiheit konsequent. Die Spielfreude ist greifbar, die Rotzigkeit ein gewichtiger Charakter. Kein unnötiger Ballast, kein Hochglanz, auch nicht beim Gesang. Hier will ein Musiker nicht verkrampft am eigenen musikalischen Erbe anknüpfen, sondern einfach Spaß haben und die Sau rauslassen, und das spürt man.
Die Sau rauslassen
Dieser Seitensprung zeigt die verschiedenen Seiten der musikalischen Identität von Kai Hansen. „Born With A Hammer“ ist weder GAMMA RAY noch HELLOWEEN. Stattdessen gefällt sich Hansen darin, mit dominanter Gitarre viele Elemente seiner Bands aufzugreifen, seine Handschrift ist unverkennbar. Und bewusst bunt mit einer kleinen Portion Übermut die Hörer mit Genre-untypischen Ideen zu fordern.

Markus Endres



























Hat immerhin seinen Platz in den Listen zum Ende des Jahres sicher: Kategorie hässlichstes Cover. Ein ganz heißer Anwärter aufs Treppchen.