Gamma Ray - Heading For Tomorrow

Review

Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.

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Bei HELLOWEEN versammeln sich viele Alphatiere und das nicht nur in der Band, sondern auch noch im Bandmanagement. Kai Hansen ist eins der Alphatiere und damit er schalten und walten kann wie er möchte, verlässt Hansen 1989 HELLOWEEN und widmet sich seinem neuen Projekt mit Namen GAMMA RAY. Zu der neuen Band gesellt sich der Sänger Ralf Scheepers (später PRIMAL FEAR), der Bassist Uwe Wessel und an den Drums Mathias Burchardt. Der erste Output nennt sich „Heading For Tomorrow“ und steht am 26.Februar 1990 in den Regalen der Platten- und CD-Läden.

“Heading For Tomorrow” – Kai Hansen setzt seine Ideen um

Als Tontechniker arbeitet der mit Hansen befreundete Piet Sielck (später IRON SAVIOR) am Erstling mit. Sielck und Hansen waren bereits bei dem HELLOWEEN Vorgänger GENTRY gemeinsam aktiv, ehe sich Sielck für eine Ausbildung zum Tontechniker in den USA entschied. Nebenbei steuert Sielck auch noch Keyboardtöne und Backing Vocals zu der Scheibe bei.

HELLOWEEN lieferten gerade den zweiten Part von „Keepers Of The Seven Keys“ als Hansen seine Sachen packt. Die Differenzen mit dem Management sind unüberbrückbar und Roland Grapow rückt an Hansens Stelle bei HELLOWEEN. Hansen selbst will vor allem seine eigenen Ideen umsetzen. Der Sänger von GAMMA RAY, Ralf Schepers, war bisher bei TYRAN‘ PACE aktiv und kommt aus Baden-Württemberg zur Zusammenarbeit mit den anderen drei Bandkollegen nach Hamburg.

„Welcome“ als Opener ist nicht sonderlich kreativ vom Titel, ist aber nicht mehr als ein instrumentales Intro. Was Hansen und Mitstreiter dann auf die Scheibe zaubern, zeigt ein nahezu unglaubliches Gespür für Melodien gepaart mit exzellenter Arbeit an den Saiten. „Lust For Life“ bringt Dynamik, Power und Eingängigkeit auf den Punkt. „Heaven Can Wait” schielt in Richtung Massenkompatibilität und klebt in den Ohren seiner Hörerinnen und Hörer. Der „Space Eater” startet rockig, um in Richtung Refrain mit dem hohen Gesang das Tempo zu forcieren. Erst im letzten Drittel dürfen sich die Gitarren präsentieren, so fällt der Track gegenüber den anderen Songs etwas ab.

„Heading For Tomorrow” überragt alles

Das Gesangsduo Hansen und Schepers drücken bei „Money“ kräftig auf die Tube, kreativer und trotzdem eingängiger Mix aus Speed- und Power Metal, der in den 90ern so nur aus der Feder von Hansen kommen konnte und in Teilen an die Rocky Horror Picture Show erinnert. Die Abwechslung bleibt, „The Silence“ startet als die genretypische Ballade im Axel Rose-Style. Das Teil aber nur stumpf runterzuspielen wäre für GAMMA RAY zu einfach. So gibt es eine Art Interlude in der Mitte des Songs, um im hinteren Teil Hansen mit seiner Gitarre entsprechenden Freiraum einzuräumen. In Richtung Ende wird noch einiges an Bombast draufgesattelt, so dass der Zuckerwatteanteil etwas überdosiert wird. „Hold Your Ground” knüpft an “Money” an, ist jedoch etwas eingängiger und gradliniger.

Melodischer Power Metal mit Ohrwurmrefrain gewünscht? „Free Time“ liefert genau diese Trademarks und dürfte auch heute noch für sich bewegende Köpfe sorgen. All diese guten und sehr guten Tracks werden jedoch von „Heading For Tomorrow” in den Schatten gestellt. In knappen 15 Minuten liefert die Nummer alles, was HELLOWEEN und GAMMA RAY ausmachen. Kreativität, hervorragende Gitarren mit einem Schuss Progressivität, ohne die Eingängigkeit zu verlieren. Wenn es neben den bekannten HELLOWEEN-Tracks einen Übersong des Genres aus den frühen 90ern gibt, dann ist das „Heading For Tomorrow”. Wer wissen möchte, warum Skyfall auf der neuen HELLOWEEN-Scheibe nach einer so speziellen DNA klingt, der sollte unbedingt sich die knapp 15 Minuten „Heading For Tomorrow” gönnen.

Ein überragendes Debüt von Kai Hansen und GAMMA RAY

Die Messlatte setzen Hansen und seine Mitstreiter mit ihrem Debüt knapp unter die beiden „Keepers Of The Seven Keys“. Durch die neu gewonnene Freiheit ist die Handschrift von Hansen an jeder Ecke zu erkennen. Nicht alle Tracks sind Volltreffer, der Schlusspunkt mit „Heading For Tomorrow” gleicht die ein oder andere Schwäche bei der Ballade oder „Space Eater“ aus. Das Debüt von GAMMA RAY ist eine unterbewertete Scheibe und eine Empfehlung für Menschen, welche den neuen Output der Kürbisköpfe zu ihren Favoriten zählen. Bei der CD-Version hat sich das URIAH-HEEP-Cover von „Look At Yourself“ auf den Silberling verirrt und wirkt mehr als nur deplatziert. Kai Hansen schaltet und waltet wie er will, das sorgt nicht immer nur für Jubelstürme, sondern birgt auch einige Risiken in sich.

28.07.2021

Ein Leben ohne Musik ist möglich, jedoch sinnlos

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