Heartscore - Straight To The Brain

Review

Früher war es nichts besonderes wenn sich berühmte (und unberühmte) Komponisten an der Poesie vergriffen haben und auf die Verse und Strophen sorgsame Melodien legten. Schubert schnappte sich Goethe, Schumann trieb es mit Eichendorff, Hinz mit Kunz und sowieso alles drunter und drüber. Heutzutage veranstalten ‚Leichenwetter‘ Gruppensex mit allen Gedichten die ihnen in die Quere kommen, Despairation inspirieren sich mal schnell an James Joyce und jedwede Gothicband hat schonmal ein Gedicht von Edgar Ellen Poe in der Hand gehabt. Dirk Radloff auch. Und dennoch klingt er völlig anders als die Musikergenerationen vor ihm.
Warum? Ganz einfach: Wo andere perfekt geformte Verse in einen lockeren 4/4 Takt packen, vermischt er einfach nach Lust und Laune die Musik mit dem Metrum des Textes. Metrum? In Deutsch nicht aufgepasst? Analysieren wir mal den letzten Satz: „In [unbetont] Deutsch [betont] nicht [unbetont] auf- [betont] -ge- [unbetont] -passt? [betont]“ Was sich hier in einem schönen dreihebigen Jambus offenbart, kann aber auch völlig andere Formen nehmen und bei musikalisch genauer Umsetzung den Rhythmus in jedem betonten oder unbetonten Schlag von vorne bis hinten verkrüppeln – und damit kommen wir der Sache schon näher.
Also: Progressive Rock heißt die Devise! Ganz so schlimm wie eben angedroht ist es zwar nicht, aber um sich mit ‚Straight to the Brain‘ anfreunden zu können sollte man entweder ein begeisterter Gedichtleser sein, oder man kommt nicht drumherum sich in die Tausend Breaks, Stilwechsel und verformten Takte einzuarbeiten. Wiederholen tut sich Kollege Radloff nämlich so gut wie nie; und wo der Opener leicht episch daher kommt, in ‚Long John Brown and little Mary Bell‘ ansatzweise gerockt wird, sind so Stücke wie ‚The Schoolboy‘ ein einziges vertontes Chaos aus Klassik und sämtlichen Ären des Jazz (inklusive musikalischer Unterstützung von Piano, Violine und Trompete). Und das Überraschende daran ist: Die Melodien bleiben (nach gewisser Eingewöhnungszeit) tatsächlich im Ohr hängen.
Damit ist die Kaufempfehlung also ausgesprochen und auf Mephistopheles persönlich versiegelt. Zwar hört man ab und zu technische Schwierigkeiten bei Gitarre und Gesang heraus, aber allein das ungewöhnliche Konzept ist schon 8 Punkte wert. Man sollte nur nicht den Fehler machen und die Scheibe aufgrund des quietschbunten Thrashcovers für eine Punkscheibe halten…

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09.05.2005

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