Heel - Evil Days

Review

Irgendwie muss es dort einen Musikgenpool geben oder musikalische Androiden, denn die Bands aus Schweden nehmen einfach kein Ende. HEEL enstand aus Membern von NARNIA, RAMM, WISDOM CALL und anderen Melodic-Acts. Nun gibts mit „Evil Days“ also das Debut des Fünfers. „Heel“ führt uns zunächst zurück in die Dio-Ära von BLACK SABBATH; David Henriksson intoniert ähnlich, die Basisriffs und melodiösen Schlenker erinnern an Toni Iommi, Bill Ward und Geezer Butler, ganz klar. Die schnelle Passage in „Heaven And Hell“ hat es HEEL angetan, denn sie wird barock zitiert. „Blood Sacrifice“ hat dann schon den übermäßig melodischen Unterton, einen nicht gerade selten gehörten Refrain, der zudem einige Wiederholung erfährt.

„Evil Days“ bietet Mainstream-Rock hochmelodischer Art, einhakeln geht hier nicht, alles ist professionell umgesetzt, sehr amerikanisch, JOURNEY-like, Wolken, Pathos, Stadion, Riesenbühne, Publikum einer Großstadt zu Füßen der Band… Hätten sie gerne, nur daraus wird nichts. Denn das Songmaterial ist zu eindimensional, zu plüschig. „Paradise“ hat zwar Gitarren, ist jedoch eher swingender Pop für den Hintergrund der Party. „Turn Your Back On Me“ kontrastiert den hellen Gesang mit Choruslinien alter MÖTLEY CRÜE, ein Spinett trällert munter dazu. Es fogt „No Longer In Darkness“. Ist das jetzt das Cover von „Sign Of The Southern Cross“? Leider nicht. Hier klingts eher wie RAINBOW mit Joe Lynn Turner, man verbleibt immer auf der poppigen Seite; mit „Evil“, „Darkness“ oder „Blood“ ist hier gar nichts, reine Augen- bzw. Ohrenwischerei.

Die Gitarrenläufe sind wie so oft durchaus annehmbar, genauso hatten wirs zwar schon vor 25 Jahren, aber was solls; der KING hält sich schließlich auch nicht lange mit Trends und Experimenten auf. Allerdings ist er inspirierter. Besser. Trotz allem origineller. Denn das kann man von HEEL nicht sagen, dass es hier was besonderes zu hören gäbe, zu lasch wird letztlich vorgegangen. Da sind ORATORIO mit ihrem traditionellen, mit differenzierten Vibes angereichtertem Heavy Metal viel interessanter. HEEL mühen sich nach Kräften (was man leider hört, denn es wirkt angestrengt und anstrengend zugleich) im Melodic-Sektor, gegen die drei mit Dio produzierten Alben von BLACK SABBATH oder die Highlights mit Toni Martin kommen sie naturgemäß nicht an. Das bekannte Solo aus EUROPES „The Final Countdown“ findet in „Stay“ auch schnell noch Verwendung. Und der Gesang wird gegen Mitte/Ende des Albums nicht einfacher zu hören; auch die immer wieder aufgetischte rosa Crème irritiert allmählich die Geschmacksnerven, wir hatten ja schon Nachtisch, und zwar mehr als reichlich.

„Take Your Way“ ist nur noch einfallslos; ab hier beginnt die Phase der B-Seiten. „Northern Light“ wäre von ENSIFERUM, NORTHER oder CHILDREN OF BODOM zu einem richtigen Brecher ausgebaut worden, der Speed ist in Ordnung, der schreiende Gesang wirkt gekünstelt, der Refrain ist ein simpler Singalong. „Can’t Love Anyone“ ist eine schleppende Halbballade, sowas war in den mittleren Achtzigern das Maß aller Dinge, jede Band hatte ein bis zwei Songs dieses Aufbaus im Repertoire. Die Akustikpassage gefällt durchaus, nicht jedoch der Chorus. „Always“ ist ein kitschiger Abschluss, eine echte Ballade, schnipp-schnapp-Haare-ab, kurz gesagt zum Hören beim Friseur. Hier schraubt David seine Stimme in extreme Höhen, ähnlich den Kollegen von CIVILISATION ONE oder IRON FIRE ist der Schlager, vor allem der deutsche, hier ganz nah. Nix für Vati, kann ich nur sagen. Nur für die härtesten bzw. das Gegenteil, Leute mit Muskel- oder Netzhemd sowie keckem Schnauzbart zu empfehlen.

29.06.2007

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