Helangår - [kwIn'tes Sens]

Review

Mit dem Drittling „[kwIn’tes sens]“ legen HELANGÅR aus Mannheim, die mittlerweile auf die Gebrüder Fuß zusammengeschrumpft sind, ein neues Album vor. Wie auch den beiden Vorgängern liegt diesem Werk wieder ein umfangreiches Konzept zugrunde, das sich diesmal vorwiegend um die „reduktionistische Wissenschaft“ und die „atomisierten Massen“ rankt. Davon, dass hier direkt die Stationen Kopernikus, Darwin und Freud auf „die vierte große Demütigung des Menschen“, die Infragestellung des freien Willens und der Einzigartigkeit unseres Universums durch Physik und Neurowissenschaften, hinführen, mag man halten, was man will. Dass man aber mit dem lautschriftlichen Dilettantismus eines „[kwIn’tes sens]“ einen Albumtitel gewählt hat, der mehr an die Werbekampagne einer bekannten schwäbischen Brauerei als an einen ernstzunehmen Begriff erinnert, dürfte schon eher für Befremden sorgen. Aber sei’s drum, Exzentrik haben sich HELANGÅR sowieso auf die Fahnen geschrieben.

Mit reichlich verschachtelten Arrangements und viel avantgardistischem Charme werkeln HELANGÅR sich durch „[kwIn’tes sens]“. Im unbetitelten Intro mit einem Zitat aus Schopenhauers „Die Welt als Wille und Vorstellung“ empfangen, geht es alsbald mit mehr oder minder abgehobenen Texten weiter. Manisch-beschwörend schraubt die Stimme die Spannung immer höher, lässt sie alsbald wieder versickern, um sie erneut in luftige Höhen zu erheben. Hier und da eine unbequeme Dissonanz, im Hintergrund lauern die Rhythmusgitarren, ständig und ohne Vorwarnung zerreißen Tempowechsel und Einsätze neuer Klangfarben und Stimmen den gerade noch mühsam geknüpften atmosphärischen Teppich.
Im Grunde haben HELANGÅR auf „[kwIn’tes sens]“ also alles, was ein gutes und innovatives Musikalbum braucht. Den Sack zuzumachen, in dem so viele gute Ideen untergebracht wurden, haben sie leider verpasst. Mehrstimmiger Gesang in allen Ehren, aber dann bitte auch zueinander passend und nicht so, dass es sich mehr schlecht als recht improvisiert anhört – dass sich viele der Refrains eher wie halbmelodischer Lagerfeuersingsang zu geklimperter Akustikgitarre ausnehmen, soll hier gar nicht weiter ausgeführt werden. Tatsache ist, dass der Gesang wohl eines der größeren Mankos darstellen dürfte. Da fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass „echte“ Melodien, die über seichtes Akustikgitarrengeplänkel hinausgehen, und absolute Überriffs eher durch Abwesenheit glänzen, auch wenn in dieser Hinsicht durchaus solide gearbeitet wurde.

Richtungslos, nicht auf den Punkt gekommen ist „[kwIn’tes sens]“. Leider, denn gute Ideen sind zuhauf vorhanden, aber an der Technik, diese auch angemessen umzusetzen, dürfen HELANGÅR noch ein bisschen feilen. Bis dahin gibt es für vielversprechende Ansätze sechs Punkte mit Tendenz nach oben, eine der interessanteren Bands des deutschen Avantgarde-Untergrunds sind sie allemal.

05.04.2008

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