Krayenzeit - Staub und Tränen, Teil 1: Aus der Asche

Review

Galerie mit 20 Bildern: Krayenzeit - In Castellis 2019 auf Burg Wertheim

Hat das vorliegende Werk eigentlich etwas mit Metal zu tun? Die Diskussion erübrigt sich, wenn Mensch einmal ein MPS (Mittelalterlich Phantasie Spectaculum) besucht hat. Der Freund folkloristischer und mittelalterlicher Töne trifft auf den Metalhead und so tummelt sich die AMON AMARTH-Kutte neben dem Drachenkostüm. Der andere Weg findet genauso statt. Die Konzerte von SCHANDMAUL auf Wacken, Rockharz und Co. gehören regelmäßig zu den abgefeierten Acts. Somit hat der Folk- und Mittelalter Sektor auf jeden Fall eine Bedeutung im Metal-Universum.

Zu den weniger bekannten Bands des Genres gehören KRAYENZEIT aus Ludwigsburg, welche in diesem Jahr ihr zehnjähriges Dienstjubiläum feiern. Zum Dienstjubiläum gibt es einen Zweiteiler mit dem Namen „Staub Und Tränen“. Der erste Teil erhält die Ergänzung „Aus Der Asche“. Der zweite Teil ist für das kommende Jahr angekündigt.

AMON AMARTH-Kutte neben Drachenkostüm

Der Anfang der Scheibe macht die Tendenz der Truppe um Mastermind Markus Engel klar. Einen Spagat zwischen Folk-, Mittelalter- und Deutsch-Rock zuzüglich einer Prise metallischer Härte gibt es als Mix. Spätestens mit dem 2019er Release „Saitentänzer“ verließ man den eher folkloristisch, mittelalterlich orientierten Pfad der ersten Langeisen wie „Tenebra“ oder „Auf Dunklen Schwingen“ und lieferte eine stärkere kommerzielle Orientierung, wie es auch SALTATIO MORTIS in der Vergangenheit getan hat. Im Gegensatz zu der Truppe um Alea gelingen KRAYENZEIT leider nur schwammige Stories und Songs, welche durch den musikalischen Orbit wabern, ohne größeren Eindruck zu hinterlassen.

Exemplarisch wären „Wir Sind Geschichte“ oder „Neue Helden“ zu nennen. Ein Double Bass kann Spaß machen – leider nur nicht in dem Gesamtkontext der beiden Tracks. Eine deutlich angenehmere Atmosphäre entwickeln Nummern, welche minimalistisch konzipiert worden sind. Hier hinterlässt die Ballade „Unsterblich“ einen positiven Eindruck. Etwas weniger minimalistisch, aber immer noch mit einer starken Tendenz zum Folk Rock, bewegt sich „Mein Bruder“. Das Rad ist definitiv nicht neu erfunden und als Referenz wären VERSENGOLD zu nennen.

„Die Rabenfänger“, „Durch Den Sturm“ oder „Willkommen Im Nichts“ zeigen den Spagat und das Problem von KRAYENZEIT sehr gut. Eine angenehme Melodie, gesanglich gut dargeboten inklusiv folkloristischer Elemente, werden durch den überzogenen Härtegrad in den Hintergrund gedrückt. So verlieren die Songs ihren Charme und Atmosphäre und hängen zwischen den Stühlen. „Staub Und Tränen“ wird mit Chören anfänglich überfrachtet, gehört aber insgesamt zu den etwas besseren Nummern auf dem Longplayer.

Auch hier sind die teilweise zu sehr in den Vordergrund drängenden Gitarren negativ zu erwähnen. Recht rund kommen „Im Bund Der Krähe“ oder „Je Länger Umso Lauter“ rüber und könnten in der Form auch aus der Feder von SALTATIO MORTIS beziehungsweise VERSENGOLD stammen. Einen Totalausfall hat der Spielmannshaufen mit „Küss Den Frosch“ dem Hörer zugemutet. Neue Deutsche Härte und EBM meets Folk? Der Versuch geht kräftig nach hinten los. Deutlich gelungener ist der Schlusspunkt mit Namen „Schwerelos“. Markus wird hier primär vom Klavier begleitet und zeigt, das gesanglich reichlich potential in ihm schlummert.

KRAYENZEIT misslingt der Spagat zwischen Mittelalter-, Folk- und Deutsch Rock

Die Masse des Materials auf dem Longplayer hat man von anderen Genregrößen schon besser, prägnanter und intensiver gehört. Dazu kommen einige überfrachtet und verkrampft rüberkommende Nummern, welche den Finger des Öfteren zur Skip Taste wandern lassen. Die positiven Aspekte liegen bei den Tracks, welche ihre Orientierung in Richtung Folk haben und eher minimalistisch dargeboten werden. KRAYENZEIT keine Zeit mehr zu geben wäre verfrüht. Wenn es gelingt, sich mehr auf die Stärken des Gesangs und der damit verbundenen Atmosphäre zu fokussieren, sollte Hopfen und Malz noch nicht verloren sein.

Für Fans von folkloristischen und mittelalterlichen Klängen dürfte das Gehörte insgesamt zu stark in Richtung Deutsch Rock tendieren. Mit den biederen, leicht folkloristisch angehauchten, Deutsch-Rock-Nummern schafft man es jedoch kaum auf die Ersatzbänke der bekannten Genregrößen. So laufen KRAYENZEIT Gefahr, trotz hörbarem Potential, den musikalischen Klassenerhalt im Jubiläumsjahr zu verspielen. Es bleibt ein eher unbefriedigender Gesamteindruck des ersten Teils von „Staub Und Tränen“ mit wenigen Höhen, einem großen Schwung Durchschnitt und einem kräftigen Tiefschlag.

Text von Jürgen Fenske

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02.02.2021

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1 Kommentar zu Krayenzeit - Staub und Tränen, Teil 1: Aus der Asche

  1. doktor von pain sagt:

    Bitte nicht verwechseln: Der Double Bass ist ein Kontrabass, während die Doublebass die Zweifußtechnik beim Schlagzeug ist.