Lengsel - The Kiss - The Hope

Review

Ich verwette meinen defekten Laptop, dass sich an die avantgardistischen Norweger LENGSEL wirklich fast kein Mensch mehr erinnern kann. Die Jungs brachten im Jahr 2000 ihr erstes und bis dato einziges Album „Solace“ heraus, begeisterten mich damals mit einer wirklich charmanten Avantgarde-Black-Metal-Brühe, die entfernt an ARCTURUS erinnerte, aber weit progigger und sperriger war. In einem Anfall von Fieberwahn (und Geldnot…) habe ich das Album vor ein paar Jahren verkauft, und damit waren LENGSEL vergessen…
… bis zu dem Moment, in dem ich vor drei Wochen einen der vielen Umschläge mit Promo-CDs öffnete und dreimal hinschauen musste, um es zu glauben: die drei Herren haben sich tatsächlich aufgerafft und nach sieben Jahren ein zweites Album rausgehauen. Natürlich hat sich in der Zwischenzeit viel getan: vorm Black Metal sind die Jungs mit Sieben-Meilen-Stiefeln davongelaufen, geradewegs in Richtung Post- und Progrock mit avantgardistischem und alternativem Hinkefuß. Gleich der hypnotisch-schrammelige Opener „An Anonymous Phone Call“ erinnert durchaus an die Experimentierfreudigkeit neuerer MANES, mit Sprachsamples, Schreigesang und strudelnden Gitarrentornados und gibt damit eine ziemlich seltsame Marschrichtung vor.

Leider halten die restlichen Tracks dieses Versprechen nicht ein, weil LENGSEL den Fehler begehen, ihr massig vorhandenes Können (vor allem der Schlagzeuger klingt mir verdächtig nach Jazzausbildung) dazu zu nutzen, sich einmal quer durch die Rockgeschichte zu schlagen. „Hell Calls Hell“ pendelt zwischen der Aggression von DHG und den wilden Klangexperimenten des MALDOROR KOLLEKTIVEs, ohne so recht auf den Punkt zu kommen. „Miss S. C.“ hat klare Anleihen bei us-amerikanischem Radiopunk, allerdings durch die LENGSEL-Mangel gedreht, bei der er auf der anderen Seite als scheppernder Rocker mit äußerst emotionalem Gesang wieder rauskommt. Diese Aufzählung könnte ich ohne Wiederholungen durch alle Tracks fortführen.

Das alles für sich genommen ist wirklich eine nette, anspruchsvolle Veröffentlichung – ich für meinen Teil habe aber einfach Schwierigkeiten mit einer Platte, die als Platte anstrengend zu hören ist, und die zwar grenzgenial, aber nicht wirklich genial ist. Allerdings traue ich diesen Musikern zu, dass sie, wenn in ein paar Jahren das nächste Album kommen könnte, nochmal mächtig dazu gelernt haben werden. Vielleicht schaffen sie, mit noch etwas mehr Reife, dann den Sprung zu einer restlos fantastischen Angelegenheit. In jedem Fall empfehle ich Hörern mit unkonventionellem Geschmack einen Testhördurchgang.

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11.10.2007

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