Lysithea - Star-Crossed

Review

Die internationale Atmospheric-(Black-)Metal-Band SOJOURNER startet gerade richtig durch und konnte Ende letzten Jahres sogar einen Deal bei Napalm Records abstauben. Trotzdem hält das die beiden beteiligten Musiker Mike Lamb und Mike Wilson nicht davon ab, sich erst einmal um ihr schon deutlich länger bestehendes Doom-Projekt LYSITHEA zu kümmern. Wurde es deshalb von den beiden Neuseeländern etwas zu stiefmütterlich behandelt, oder kann „Star-Crossed“ trotzdem überzeugen?

LYSITHEA – Todes-Doom mit einer ordentlichen Portion Epik

Während „An Empty Throne“ zunächst mit einem klassischen Death-Doom-Riff beginnt, erinnert die kurz darauf einsetzende mehrstimmige Gitarren-Melodie eher an Epic Doom, hier vor allem an WHILE HEAVEN WEPT. Die zusätzlich eingebauten heulenden Soli und Interludes erzeugen eine spacige Atmosphäre, die ein wenig mit dem, beim selben Label ansässigen, Projekt ENSHINE des Schweden Jari Lindholm (ex-SLUMBER) vergleichbar ist, obwohl das Tempo natürlich deutlich gedrosselt daherkommt. In „Away“ ändert sich das ein Stück weit. Zumindest zeitweise steigt die Geschwindigkeit und die Leads muten fast schon fröhlich an. Schnell wird es aber wieder getragener, immer untermalt von sphärischen Keyboard-Flächen, die sich meistens angenehm im Hintergrund halten und lediglich die Grundstimmung wirkungsvoll unterstützen.

Auch jetzt, auf mittlerweile dem dritten Album nach Einstieg von Mike Wilson, wird noch ab und zu deutlich, dass LYSITHEA als instrumentales Ein-Mann-Projekt starteten, da die Growls eher spärlich eingesetzt werden und immer wieder längere Passagen ohne Gesang auskommen. Ein anderer Grund dafür könnte aber auch sein, dass Wilson oft wenig abwechslungsreich und eher eindimensional vor sich hin röhrt. Die Vocals liegen eher auf der Instrumentierung auf, als dass sie sich in die Songs wirklich einfügen. Sie tragen wenig zur Atmosphäre bei, die praktisch allein von den Gitarren erzeugt wird.

„The Longing“ bildet hier keine Ausnahme, allerdings sorgt das tiefer gestimmte Main-Riff für ein etwas morbideres Ambiente als bisher, bevor fesselnde Melodien den Hörer immer wieder die Augen schließen lassen um in die düstere Welt von LYSITHEA einzutauchen. Das vom Piano und Twin-Gitarren dominierte Instrumental „Celeste“ sorgt hingegen in erster Linie für eins: Gepflegte Langeweile. „Unearthly Burial“ beginnt dann ähnlich, bevor fette Riffs zusammen mit einer geschickt dosierten Double Bass das Publikum vor der heimischen Anlage endlich wieder aufwecken. Insgesamt ein guter Song, der aber vor allem gen Ende auch sein Längen hat und die Klasse der ersten drei Kompositionen nicht ganz halten kann.

Apropos Längen – der Rausschmeißer „Fever Dream“ hat zwar wieder ein paar schöne Melodien in petto, dennoch ist der Zwölfminüter vor allem eines: Zu lang! Die erstmals zum Einsatz kommenden monotonen Parts wirken hier irgendwie wie ein Fremdkörper. Zwar sind sie durchaus genretypisch, wurden von LYSITHEA bislang aber überhaupt nicht verwendet. Die zweite Hälfte des Songs kommt dann aber wieder typischer daher und das Melodic-Black-Metal-Ende kann sogar noch einmal ein Ausrufezeichen setzen.

Melodische Verzweiflung mit schwächelndem Ende – „Star-Crossed“

LYSITHEA bedienen auf „Star-Crossed“ nicht den eingefleischten Death-Doom-Fetischisten, der vor allem auf eine durch eintönige, repetitive Düster-Riffs erzeugte, beklemmende Stimmung steht. Die Neuseeländer benutzen weniger Monotonie, um Gefühle wie Einsamkeit und Verzweiflung zu erzeugen, sondern schaffen dies mit gleichermaßen eingängigen wie traurigen Melodien, die schnell in ihren Bann ziehen können, aber dennoch genügend Tiefgang besitzen, um auch nach mehreren Durchgängen noch neue Nuancen bereitzuhalten.

Die zweite Hälfte des Albums ist allerdings leider die deutlich schwächere. Gemeinsam mit den etwas uninspirierten Growls verhindert sie daher eine noch höhere Wertung, die für die ersten drei Songs allein in jedem Fall fällig geworden wäre. Dennoch ist „Star-Crossed“ eine tolle, im übrigen verdammt gut produzierte, Scheibe für alle Freunde des melodischen Dooms geworden und Genre-Fans unbedingt zu empfehlen.

24.03.2019

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