
Zu sagen, MORTEM seien im Prinzip die Vorgängerband von ARCTURUS, käme einer starken Vereinfachung gleich. Denn MORTEM waren auch nach der Gründung des Avantgarde-Ensembles weiterhin in teils wechselnder Besetzung aktiv. Zu einer vollwertigen Albumveröffentlichung kam es aber trotzdem erst 2019 mit dem Debüt „Ravnsvart“; eigentlich also ein ganz normaler Werdegang für eine norwegische Black-Metal-Band. Mit „Mørketid“ folgt nun der zweite Streich.
Die Besetzung ist seit der vollen Reaktivierung im Jahr 2018 stabil geblieben und liest sich trotz des eigentlichen Pioniercharakters von MORTEM natürlich auch weiterhin wie ein Black-Metal-Allstar-Projekt. Steinar Johnsen (ARCTURUS, THE KOVENANT) ist für Gitarre und Keyboards verantwortlich, Marius Vold (Ex-THORNS, Ex-ARCTURUS) keift ins Mikro, Tor Stavenes (1349) zupft den Bass und Hellhammer (gefühlt überall und MAYHEM) verdrischt die Felle.
„Mørketid“ bietet gradlinigen norwegischen Black Metal mit Keyboard-Schuss
Mit den progressiven Tendenzen von ARCTURUS haben MORTEM allerdings auch auf „Mørketid“ nichts am Hut. Hier gibt es zwar teils melodischen aber gradlinigen norwegischen Black Metal, der trotz großflächigen Keyboardeinsatzes und symphonischer Passagen ordentlich aufs Mett gibt. Die Tastenarbeit von Steinar Johnsen bleibt stets songdienlich und dient hier auch mehr dazu, eine schaurige, unwirkliche Stimmung zu erschaffen, statt darauf abzuzielen, neue Rekorde in Sachen orchestralem Bombast aufzustellen. Wie auch schon bei „Ravnsvart“ sind die ganz frühen DIMMU BORGIR und SATYRICON sowie in Teilen das Debüt von ARCTURUS und das originale „In Times Before Light“ von COVENANT (heute THE KOVENANT) gute Anhaltspunkte für das Gemisch aus nordischer Garstigkeit und dichter Atmosphäre, welches MORTEM hier kredenzen.
Der eröffnende Titeltrack etwa legt mit epischen Midtempo-Passagen und außerweltlich schwummerigen Keyboards schon gut vor und sorgt für Gänsehaut, während „The Mighty Odious“ bisweilen ballert wie eine der aktuelleren MAYHEM-Nummern, wäre sie mit hintergründigem Tastenzauber unterlegt. Und der treibende Banger „Skyggeånd“ animiert mit einem Hauch von Black’n’Roll geradezu, das Tanzbein zu schwingen. Grimmig versteht sich.
Allerdings leidet „Mørketid“ unter einem ganz ähnlichen Problem wie sein Vorgänger, denn MORTEM nehmen auf der ersten Albumhälfte im Grunde schon sämtliche Entwicklungen vorweg und variieren daraufhin nur noch, ohne dass sich die ganz großen Momente offenbaren wollen. Gut, im letzten Drittel von „Aftermath“ zieht man mit einem fantastischen klassischen Gitarrensolo vom Leder und auch beim furztrocken groovenden „Den Sanne Gud“ dürfen am Ende nochmal die Saiten glühen. Vieles auf der zweiten Albumhälfte hört sich dann im Vergleich zum starken Einstieg aber eben doch etwas wiedergekäut an.
MORTEM bleiben ihrer Vision (zu) treu
Aber bitte nicht falsch verstehen, nichts auf „Mørketid“ ist schlecht und vieles sogar überdurchschnittlich gut. Jedoch hätte man sich angesichts der Vita der beteiligten Musiker auf Albumlänge vielleicht doch ein paar mehr Twists gewünscht. Dass die Herren aber auch gar nicht auf große Experimente abzielen und es mit MORTEM offensichtlich eher gradlinig angehen wollen, kann man ihnen kaum zum Vorwurf machen. Nun ist es aber auch so, dass in diesem Jahr WORM und STORMKEEP im selben Segment schon derart stark vorgelegt haben, dass die norwegischen Haudegen im Vergleich einfach ein wenig ins Hintertreffen geraten.

Hans Völkel































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