Mortem - Ravnsvart

Review

ARCTURUS, 1349, THORNS und MAYHEM: Da kann man sich als Band schlechtere Referenzen für seine Bandmitglieder rausnehmen. Aber mit Protagonisten aus eben diesen legendären Formationen kann MORTEM aufwarten, das wiederbelebte Vorgängerprojekt zu den virtuosen ARCTURUS (auch wenn man sich streiten kann, ob das genau passt – aber die überwiegende Zahl der Bandmitglieder spricht dafür), das nun mit „Ravnsvart“ frischen Wind in die norwegische Black Metal-Szene bringen möchte.

Die alleinige Auflistung dieser Referenzen garantiert natürlich noch kein überragendes Werk. Es ist aber ein ziemlich guter Indikator dafür, dass man hier mal mindestens ein Ohr riskieren sollte, ohne Gefahr zu laufen, seine Zeit zu vergeuden. Und schon eingangs kann man sagen: MORTEM liefern. Das Erwartbare.

MORTEM: Die 90er haben angerufen…

Die Stärke der mittleren ARCTURUS – nehmen wir mal „La Masquerade Infernale“ und bleiben in diesem Referenzsystem – erreichen MORTEM natürlich nicht. Auch wenn das wahrscheinlich gar nicht der Anspruch gewesen ist. Stellt man „Ravnsvart“ allerdings in eine Reihe mit „Aspera Hiems Symfonia“, dann erhält man ein stimmigeres Bild. „Ravnsvart“ hätte durchaus das Vorspiel zu dem rauen, aber atmosphärische Vorgängeralbum von ARCTURUS‘ Opus Magnum sein können, ist in seiner Grundausrichtung doch deutlich einfacher und gradliniger als die weiteren ARCTURUS-Werke.

Leider kann „Ravnsvart“ den wunderbaren Aha-Effekt und die Dynamik, die den vorab veröffentlichen Titeltrack auszeichnen, nicht über die gesamte Albumlänge halten. Auch die genialen Momente, die beispielsweise ein „Wintry Grey“ von dem genannten ARCTURUS‘ „Aspera Hiems Symfonia“ auffahren, werden leider nur in Nuancen von MORTEM eingestreut – und bleiben weitestgehend dem Opener vorbehalten. Mehr davon hätte „Ravnsvart“ aber nochmal auf ein ganz anderes Level gehoben.

Womit wir wieder beim selbst gesetzten Anspruch sind: Der knurrige Marius Vold leistet zwar ganze Arbeit am Mikrofon und enttäuscht ganz und gar nicht mit seiner gesanglichen Leistung. Wer mit den neueren ARCTURUS vertraut ist, der wartet dennoch stellenweise auf den einsetzenden Klargesang eines Garm oder auch eines ICS Vortex, einfach um ein bisschen Würze in die ganze Angelegenheit zu bringen.

Aber wie klingt MORTEM denn ohne den übermächtigen Vergleich? Das dem Eröffnungstitel folgende „Sjelestlejer“ besticht mit Anleihen von ganz frühen DIMMU BORGIR (oder andersherum). „Blood Horizon“ hingegen fegt mit satyriconesquer Stringenz und Präzision durch das nordische Unterholz. Das nostalgische „Morkets Monolith“ bildet mit dem groovigen „Demon Shadow“ (Achtung: wieder SATYRICON) einen stimmigen Block im Mittelteil von „Ravnsvart“. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere: Gerade die etwas flotteren Nummern wie „Truly Damned“ und „Port Darkness“ sind zwar unterhaltsam, bleiben aber ein wenig eindimensional.

… sie möchten „Ravnsvart“ zurück haben

„Ravnsvart“ ist dennoch nicht nur ein Album für Nostalgiker (aber eben besonders für diese), sondern ein merklich professionelles, vielleicht sogar ein Stück zu berechnendes Werk, das den Geist der 1990er durchaus gekonnt in die heutige Zeit transportiert – und man ihm anmerkt, dass genau dies das Ziel der mittlerweile routinierten und erfahrenenen Musiker gewesen ist.

Damit bleibt letztlich keine uneingeschränkte, aber dennoch eine weitgehende Empfehlung stehen. MORTEM zünden eben besonders gut, wenn die richtigen Knöpfe gedrückt werden können. Ansonsten bleibt ein überdurchschnittliches „Norwegian Black Album“ stehen – und das ist ja an sich schonmal was ziemlich gutes.

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06.10.2019

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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1 Kommentar zu Mortem - Ravnsvart

  1. daniel sagt:

    finde das ist ein bockstarkes black metal album ! steht den kultalben von satyricon und dimmu in nichts nach ! es wächst und wächst und öffnet immer mehr details. bin echt begeistert !! back to the roots !! geile scheibe ! mir gefällts !!! daumen hoch !!!

    9/10