Mother of Millions - Artifacts

Review

Atmosphärisch, melancholisch, minimalistisch und detailverliebt zugleich kommt das neue Album von MOTHER OF MILLIONS daher. Dabei ist „Artifacts“ nicht zuletzt in dem Sinne ‚progressiv‘, dass die sich die sieben Tracks gleichsam ‚fortschreitend‘ entwickeln und entfalten: Auf äußerst intelligent konstruierten Spannungsbögen entführt die elegisch-desolate Wucht der Scheibe den Hörer in eine Welt von Regen und Nebel, in ein Zwielicht, wie er es bis anhin nur aus OPETHs „Damnation“ gekannt zu haben glaubt.

„MOTHER OF MILLIONS“ – Die griechische Antwort auf OPETH

Es geschieht nicht jeden Tag, zumal dem Verfasser dieser Zeilen nicht, dass man sich veranlasst sieht, eine Prog-Rock-Formation mit Mikael Akerfeldts schwedischer Kult-Truppe zu vergleichen. Und doch: Im Falle des neuen Albums von MOTHER OF MILLIONS kommt man nicht umhin, den Bezug zu OPETH herzustellen. Ins-besondere die erste Hälfte der Scheibe erinnert mit düster-sensiblen Nummern wie „Rite“, „Soma“ und „Cinder“ so stark an das „Damnation“-Album der Schweden, dass man sich bisweilen wirklich zu fragen genötigt sieht, ob man es hier nicht etwa mit unveröffentlichtem OPETH-Material zu tun habe. Ein Eindruck, zu dem nebst der zwischen filigraner Atmosphärik und doomigem Minimalismus schwankenden Gitarrenarbeit mit Sicherheit auch der Akerfeldt zum verwechseln ähnliche Gesang des Frontmanns der Griechen beiträgt.

Nicht so sehr in skandinavische als in angelsächsische Gefilde dürfte hingegen der Opener und mitunter stärkste Track des Albums „Amber“ den Prog-Fan versetzen. STEVEN WILSON ist der Name, den der mehr-stimmige Falsettgesang des Intros sogleich evoziert; erdiges Riffing und verträumte Keyboard-Arrangements tragen ein Übriges dazu bei, Erinnerungen an PORCUPINE TREEs „Deadwing“-Zeiten hochleben zu lassen. Geradewegs aus einem frankophonen Kinofilm scheint das darauf folgende Piano-Interlude „Nema“ zu stammen, das, einfühlsam und dramatisch, den Weg für „Anchor“ bereitet, bei dem nebst abermaligen OPETH-Anklängen auch ein Hauch DARKWATER mitzuschwingen scheint.

Die Quintessenz des Albums fangen die Griechen dann mit dem abschliessenden Longtrack „Artefact“ ein letztes Mal eindrücklich ein: Sphärische Synthie-Klänge münden hier in geradezu überirdische Gesangsmeloien und einen weiteren kinematisch anmutenden Klavier-Abschnitt der, untermalt mit griechischen (?) Spoken-Word-Passagen, sich endlich zum großen Finale der Scheibe steigert: Noch einmal setzen dann die weinenden Post-Rock-Gitarren ein, um sich, gekoppelt mit den episch getragenen Drums, zu einer Eindringlichkeit und Tragik aufzubäumen, die man nur mit SWALLOW THE SUN in Hochform vergleichen kann, und den Hörer nach gerade einmal 41 Minuten wieder in die Realität zu entlassen.

„Artifacts“ – Ein Album wie ein Filmsoundtrack

Insbesondere die Soundtrack-artigen Anklänge tragen dazu bei, dass „Artifacts“ allen Anklängen an stilistische Vorbilder wie OPETH zum Trotz doch eine durchaus authentische Note behält. Die Mischung aus ambient-kinematischen und doomig-metallischen Passagen ist hervorragend in Szene gesetzt und verleiht dem Album eine ganz eigene Dynamik.. Was MOTHER OF MILLIONS auf ihrem neusten Wurf präsentieren, lässt sich da-bei tendenziell eher als Prog-Rock denn -Metal bezeichnen: Nicht technische Fingerfertigkeit, nicht verstörende Akkordfolgen und verwirrende Taktarten, sondern Emotion und Atmosphärik werden hier großgeschrieben.

Die ebenso klare wie organische Produktion macht das Album zu einem wahren Klangerlebnis, reißt mit und weckt Lust auf mehr. Da stört es denn auch nicht allzu sehr, wie konstant die melancholische Grundstimmung sich hier durchzieht – Haben nicht auch OPETH auf „Damnation“ kaum eine andere Facette ihrer musikalischen Identität gezeigt? Ein entscheidender Kritikpunkt muss an dieser Stelle dennoch hervorgehoben werden: Mit 41 Minuten ist „Artifacts“ für eine LP schlichtweg zu kurz. Insbesondere wenn man bedenkt, dass ein ganzer („Nema“) und zumindest ein halber („Artifact“) Track eher Interludes als tatsächliche Songs darstellen. Geschickter wäre es in dieser Hinsicht wohl gewesen, die Scheibe als EP zu vermarkten. Gut klingt es trotzdem.

„Artifacts“ – Zwischen Doom und Prog

Fans des atmosphärisch-melancholischen Prog-Rocks à la OPETH und STEVEN WILSON sollten „Artifacts“ unbedingt eine Chance geben. Die musikalische Eklektizität der stilistischen Vorbilder geht den Griechen indes ein wenig ab, und ähnlich SWALLOW THE SUN bewegen sich MOTHER OF MILLIONS hier mehr oder minder ständig innerhalb derselben doomig-desolaten Kreise. Wer sich damit abfinden kann, wird an dem Album seine Freude finden, wenn es auch mit 41 Minuten doch sehr kurz ist.

Review von Luca Schmid

15.03.2019

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