Nightfell - A Sanity Deranged

Review

Der Herbst steht vor der Tür, und spätestens da führt sich ja auch der eine oder andere Nicht-Doom-Fan gerne mal wieder eine melancholische Scheibe zu Gemüte. Genau denen kann man „A Sanity Deranged“, die dritte Platte von NIGHTFELL, wärmstes ans schwermütige Herz legen, den wahren Fans natürlich sowieso. Also versinkt in tiefer Melancholie und werdet dennoch absolut glücklich damit.

Gleich das bedrückende und düstere „No Life Leaves Here“ macht mächtig Bock darauf, tiefer und immer tiefer in diese Scheibe einzutauchen. Die Mucke von NIGHTFELL ist vom Start weg regelrecht hypnotisch und bedrückt einen mit dem mantraartigen Wiederholen gewisser Klangbilder. Das ist so ein bisschen wie MGŁA auf Doom Death. Dieses leicht angeschwärzte meditative Element zieht sich nicht nur durch das komplette Werk sondern einen auch sofort in seinen Bann.

Melancholie kann glücklich machen

„(As Now) We Must Succumb“ glänzt dann nicht nur mit einer feinen Prise BOLT THROWER, sondern bringt sogar zeitweise die Reduziertheit von WINTER ganz gekonnt ins Spiel. Generell setzen NIGHTFELL Melodien recht sparsam, dafür umso effektiver ein. Hier beispielsweise findet man eine solche von epischer Erhabenheit genau an der Stelle, wo der Song eigentlich schon immer reduzierter wurde, sich dann aber doch nochmal aufbäumt.

Mit „To The Flame“ wird es anschließend noch doomiger, und garniert mit einer Prise herrlich epischer BATHORY-Dramatik. Das ist jetzt richtig groß und erhaben, hier präsentieren sich NIGHTFELL tieftraurig und unglaublich majestätisch zugleich. Dieser Song ist in dieser Nische ein ganz heißer Anwärter auf den Titel „Song des Jahres“. Nur leider gibt es einen entscheidenden Makel, der Titel ist leider viel zu kurz, trotzdem absolut genial!

Bei „The Swallowing Of Flies“ kommt die ausufernde Inszenierung der Stücke, die PRIMORDIAL ja so meisterhaft beherrschen, am besten zur Geltung. Außerdem hat dieser Song auch eine ganze Menge von der Melancholie der derzeit ja ziemlich angesagten isländischen Black Metal Bands. NIGHTFELL fangen dich ein ein, fesseln dich und ziehen dich mehr und mehr in ihren Bann.

NIGHTFELL mit der Verzahnung von tiefer Trauer und zartem Optimismus

Das abschließende „Sanity Deranged“ hat zwar ein paar wenige ganz leichte Längen, weckt aber dennoch herrliche Reminiszenzen an die Frühwerke von MY DYING BRIDE und vor allem ANATHEMA. Auch die beherrschten bekanntlich die große Kunst, trotz aller düsteren Melancholie immer wieder dezente Hoffnungsschimmer in ihre Songs einzubauen.

Doom Death ist bei vielen ja nichts für jeden Tag. Aber wenn man mal darin versinken möchte, dann bitte so richtig tief, immer tiefer, bis zum Grund. NIGHTFELL haben noch nicht ganz das Niveau der Altmeister oder aber der schwarzmetallischen Kollegen aus Island. Aber die Amerikaner sind schon verdammt nah dran und liefern einen beachtlichen Genre-Beitrag ab.

„A Sanity Deranged“ bietet eine ziemlich geniale Verzahnung von tiefer Trauer und vorsichtigem Optimismus. Die Scheibe ist wie ein tief verhangener dunkler Himmel aus dem aber immer mal wieder dezent die Sonne hervor blinzelt. Lediglich beim ersten und letzten Song liegt das Niveau geringfügig tiefer als beim Rest, aber da geht es nur um Kleinigkeiten auf dem steilen Weg zur wahren Perfektion. Musik soll einen ja im Idealfall so richtig berühren. Das gelingt bei weitem nicht jedem, aber NIGHTFELL mit diesem Werk auf jeden Fall. „A Sanity Deranged“ ist eine richtige Perle im Untergrund des Doom Death.

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25.09.2019

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2 Kommentare zu Nightfell - A Sanity Deranged

  1. ClutchNixon sagt:

    Reduzieren um der Stimmung willen en gros gelungen, aber warum irgendjemand möchte, dass ’ne Bass aus Pappmaché nebst Hall ohne Mountain King Vocals die eigene Platte‘ veredeln‘ will sich mir einfach nicht erschließen. Die großen Referenzen, die hier bemüht werden, haben in ihrer Frühphase geklungen wie es damalige, für sie erschwingliche Produktionsstandards ermöglichten – es ging schlichtweg nicht besser. So bleibt eine wahrscheinlich tolle Platte mit wahrscheinlich tollen Songs wie ‚to the flame‘ wahrscheinlich nicht in meiner Erinnerung. Unwahrscheinlich schade.

    6/10
  2. der holgi sagt:

    Ja, das ist wirklich nicht so einfach hier, ich mag die Zutaten, als da wäre der Bolt Thrower Gedächtnis Gittensound, sogar der eindimensionale KellerHall Gesang weiss zu gefallen, die kargen Melodiebögen machen angenehme Untergangs-Stimmung, und das Drumkit ist…naja, auch ganz passend.

    Ob man damit in 2019 noch was reissen kann? Glaube nicht, aber eigentlich ist mir das persönlich recht egal, der Markt platzt geradezu vor amtlichen Produktionen, das heisst meist nicht viel. Ich erwarte ne gute Atmosphäre die nicht allzu grottig klingen sollte, und diese Gefahr höre ich hier nicht.

    Fazit: Stimmungsvolle Musik, Produktion passt, nix mit modern, Kids werden es wohl hassen, Leute um die 50 mögen sich erinnert fühlen an die seligen Früh90er, das will was heissen 🙂

    8/10