Nirvana - From The Muddy Banks Of The Wishkah

Review

NIRVANA waren eine Band, die sich, neben all dem Medienrummel damals, auf ihren Alben mit rauen Tönen und einer Menge Dreck und Rotz einen Namen gemacht hat. Live jedoch legten sie sogar noch einen Zahn zu und klangen neben oder gerade wegen all dem „H“-verseuchten Geschrammel völlig authentisch und im Grunde nonkonform. Erstaunlicherweise kam ihre Musik äußerst gut beim Publikum ankam, wobei natürlich auch die super funktionierende Promotion-Maschinerie ihren Teil dazu beigetragen hat, keine Frage.

Mit „From The Muddy Banks Of The Wishkah“ wurde 1996 ein Live-Album veröffentlicht, das eben dieses oben beschriebene Feeling konservieren sollte. Ist man eingefleischter und kompromissloser Fan der Band oder interessiert man sich für die Hintergründe, wird man sich nach wie vor die Finger nach diesem Tonträger lecken; ganz nüchtern betrachtet jedoch ist der eigentliche Sinn dieses Albums, nämlich ein vorzügliches Live-Dokument zu sein, nicht ganz erfüllt.

Gift für ein Live-Album ist nach wie vor, wenn die enthaltenen Tracks nicht aus einem einzigen Konzert stammen, sondern aus verschiedenen Auftritten zusammengeschnitten wurden. So geschehen auf dem von Bassist Krist Novoselic zusammengestellten „From The Muddy Banks Of The Wishkah“. Besonders unglücklich ist dabei, dass man häufig die (logischerweise) unterschiedlichen Sound-Qualitäten der verschiedenen Auftritte deutlich heraushört und somit alles eben nicht wie aus einem Guss klingt. Dieser Aspekt schmälert eindeutig das Hörvergnügen und lässt „From The Muddy Banks Of The Wishkah“ in einem sehr kritischen Licht erscheinen, ganz abgesehen vom ohnehin unendlichen Ausverkauf der Band.

An der Tatsache, dass wir es nicht mit einem echtem Live-Release zu tun haben ändern auch Lieder wie „School“, „Smells Like Teen Spirit“, „Lithium“, „Sliver“, Heart-Shaped Box“ oder „Polly“ rein gar nichts. Man erkennt die Schwankungen im Sound, man hört die unterschiedliche Größe des Publikums anhand des Jubels und man fühlt einfach, dass „From The Muddy Banks Of The Wishkah“ einfach nur eine (wenn auch gezielte) Ansammlung von Live-Aufnahmen ist, die zwischen 1989 und 1994 entstanden.

Natürlich ist es legitim, eine derartige Veröffentlichung dem Konsumenten anzubieten, jedoch dürfte die Machart des vorliegenden Tondokuments bei Genusshörern, denen eine stimmige Atmosphäre wichtig ist, auf Unmut stoßen. Ganz abgesehen davon, dass NIRVANA ohnehin etliche ihrer Gigs haben mitschneiden lassen darf die Frage erlaubt sein, wieso nicht tatsächlich ein „echtes“ Live-Album veröffentlicht wurde?!

Selbst wenn „From The Muddy Banks Of The Wishkah“ trotz aller Kritik wenigstens auszugsweise einen guten Eindruck macht, glaube ich felsenfest daran, dass sich Kurt Cobain im Grabe umdrehen würde, wenn er wahrnehmen könnte, wie das Vermächtnis seiner damaligen Band von den heute verantwortlichen Labels immer noch kaltblütig und mit Dollarzeichen in den Augen ausgeschlachtet wird.

Ich empfehle, trotz höchsten Platzierungen in den Billboard-Charts und anderen weltweiten Erfolgen, äußerst kritisch und mit offenen Agen an dieses Live-Album heranzugehen. So geil und cool einzelne Tracks hier wirken mögen, so mau kann letztendlich der Gesamteindruck trotzdem sein… wenn einem wichtig ist, mit was man es hier tatsächlich zu tun hat.

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01.03.2007

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