Oryad - Sacred & Profane

Review

Ein Debütalbum ist für jede junge Band zweifellos etwas Besonderes. In der Historie gab es schon wegweisende oder gar stilprägende Erstlingswerke; das Sortiment ist voll von einschlägigen Beispielen. Nun stellt das 2018 in Denver/USA gegründete Symphonic-Metal-Projekt ORYAD ihren Debüt-Longplayer „Sacred & Profane“ in die Regale. Die Band mag international noch nicht im elitären Kreis der Etablierten angekommen sein, wenngleich die Debüt-EP „Hymns Of Exile & Decay“ (2021) mit düster angehauchten, atmosphärischen Stücken wie „Immersion“, „Doxology“ oder „Black Is The Color Of My True Love’s Hair“ zumindest zu einem Achtungserfolg avancierte.

ORYAD zelebrieren eine Melange aus mystischem Prog-Metal mit Elementen aus Oper, Doom und Jazz

So beschreibt die Band ihren Stil und ihre Einflüsse jedenfalls selbst. Auf der offiziellen Homepage der Band heißt es: „Metal, classical, doom, and jazz meet. All with a gothic outlook steeped in ancient ritual. Shredding riffs, hypnotic drums, and soaring vocals.“ Als Mastermind lässt sich die ausgebildete Sopranistin, Opernsängerin und Pianistin Moira Murphy identifizieren, die sich zudem um die Orchestrierung und die Lyrics kümmert. Weiterhin gehört Schlagzeuger Matt Gotlin-Sheehan offiziell zur Band. Komplettiert wird das Line-Up mit den Sessionmusikern Andres Sobral (Gitarre) und Nina Anto (Streichinstrumente). Auch ex-Bandmitglied Luca Grieman steuerte einige Gitarrenparts bei. Geprägt ist das Projekt von einer mystischen und naturverbundenen Atmosphäre, die von griechischer und nordischer Mythologie inspiriert ist.

Das Debütalbum „Sacred & Profane“ beinhaltet zehn Tracks (inklusive „The Path“ als Intro und Outro), die musikalisch insgesamt etwas breiter aufgestellt sind, als dies bei der bemerkenswerten EP „Hymns Of Exile & Decay“ der Fall war. Eine Art von künstlerischer Evolution ist der Band demnach nicht abzusprechen, wobei es mithin schwierig ist, eine Genre-Schublade für ORYAD zu ermitteln – sofern das überhaupt Sinn macht. Jedenfalls fällt „Sacred & Profane“ eine Prise kreativer und progressiver aus, ohne die charismatische Ästhetik einzubüßen, die schon die EP empfehlenswert machte.

Alles, nur nicht anspruchslos

Mit der breitgefächerten und authentischen Musik von ORYAD muss man sich schon ein wenig beschäftigen – zum „Nebenbeihören“ eignet sie sich weniger. Als Appetizer wurde im Februar die Single „Scorched Earth“ veröffentlicht, ein dynamischer Symphonic-Metal-Song, der von drastischen Veränderungen und einem Neuanfang aus den Trümmern der Vergangenheit erzählt. Die zweite Auskopplung „Eve“ folgte im April.

Besonders empfehlenswert sind neben „Scorched Earth“ auch „Blood“, das mit einem fröhlichen Piano-Solo beginnt, danach aber zu einem atmosphärischen Ohrwürmchen mutiert, sowie die dramatische und mit geschickten Tempowechseln garnierte, sechseinhalbminütige Bombastnummer „Slice Of Time“: Wer Zweifel an den gesangstechnischen Fähigkeiten von Lady Murphy hat, dem sei dieser Song besonders empfohlen. Auch das jazzige „Alchemy“ offenbart das multiple Spektrum der Band sowie die stimmliche Wandlungsfähigkeit der Sängerin.

Ein weiterer Volltreffer ist zweifellos die melancholische, schaurig-schöne Ballade „Lilith“. Nicht weniger schwermütig ist das gänsehautverdächtige „Wayfaring Stranger“. Schade, dass der Song nur dreieinhalb Minuten misst – da hätte man ein wenig mehr draus machen können. Auch „Through The Veil“ funktioniert mit schweren Cello-Klängen und einer schönen Melodie, während das stimmungsvolle „Eve“ mit brodelnden Gitarren und einer – logo! – grandiosen Gesangsleistung überzeugt. Filler oder gar Nieten sind Fehlanzeige: Jede Komposition wurde sorgfältig mit viel Liebe zum Detail und komplexer Emotionalität zurechtgeschliffen.

Ein Paraderitt durch düstere Klangwelten

Das vorliegende Werk der engagierten und talentierten Musiker glänzt mit einer sauberen (Eigen-)Produktion, wuchtigem Riffing, kompositorischer Finesse, tiefgründigen Lyrics, ambitioniert ausgefeilten Arrangements und dem wahrhaft opernhaften Gesang von Moira Murphy. Dennoch ist die melodisch-atmosphärische Musik von ORYAD bei Weitem nicht nur über die kraftvolle stimmliche Performance definierbar. Vielmehr greifen diverse Zahnräder ineinander, die das Gesamtpaket zu einem nicht alltäglichen, vielseitig inspirierten Hörerlebnis abrunden. Eine einschlägige Zielgruppe zu selektieren fällt schwer; stattdessen dürfte hier für viele etwas dabei sein, die mit trüber Grundstimmung, modernen Elementen und genreübergreifendem Songmaterial etwas anzufangen wissen.

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08.05.2023

Redakteur | Schwerpunkte: Classic Metal, Female Fronted Metal, Hard Rock

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2 Kommentare zu Oryad - Sacred & Profane

  1. nili68 sagt:

    Der Gesang ist bei mir stimmungsabhängig, mal dezent formuliert, aber das Songwriting gefällt mir. Etwas weniger Pomp wäre auch (zumindest von mir) wünschenswert. Overall aber genug, um das im Auge zu behalten.

  2. Thefrogger sagt:

    wo kann man das Album Höhren ohne es als cd zu kaufen ?