Otakusuite - Eggs

Review

Instrumental Rock hat einen schwierigen Stand in Zeiten der Generation Instagram, wenn man nicht gerade z. B. TOUNDRA heißt und sich rechtzeitig eine große, leidenschaftliche Fanbase erspielen konnte – das italienische Trio OTAKUSUITE wagt sich seinem Full-Length-Debüt „Eggs“ dennoch an dieses schwierige Unterfangen heran. Zuvor unter dem Namen THE QUESTIONMARKS bekannt, unter dem sie die EP „La Danze Del Sole“ veröffentlicht haben, haben sich die drei Herren um 2017 herum nach einigen Live-Erfahrungen, die sie musikalisch geformt haben, in ihren heutigen Namen umgetauft und liefern – um mal Oliver Kahn zu paraphrasieren – Eier.

Hat jemand „Eier“ gesagt?

Jetzt reden wir hier natürlich von Instrumental Rock und nicht von einem Klang gewordenem Bartwuchsmittel aus der Stoner-Kiste, bei dem die Eier durch breitbeinige Riffs wie feststehende Tatsachen auf den Tisch geklatscht werden. Und auch wenn die Italiener gerne mal mit kräftig Distortion auf der Klampfe durch den Äther wummern, so bleibt der Sound der „Eggs“ doch ein Abwechslungsreicher, Luftiger und ein stets mit angenehm farbenfroher Textur Versehener. Wenn man so möchte, gibt es statt hart gekochter Eier also Omelette. Dieses ist mit erfrischend roher Garage-Rock-Note gewürzt, kommt aber dennoch mit einer lebhaften Verspieltheit daher, der man gefühlt stundenlang zuhören kann.

Die kulinarische Vielseitigkeit, die ein Omelette zulässt, ach was: einfordert, wird auch direkt deutlich, wenn „Chicken Caravan Deluxe“ funky loslegt und die Jamfreudigkeit der Italiener schamlos offenlegt. Hier offenbart sich auch die unglaubliche Lockerheit hinter der Musik, mit der die Band zu Werke geht, besonders wenn der Song im letzten Drittel leicht jazzige Züge annimmt. Dazu schnürt Schlagzeuger Elia Petrosino das rhythmische Korsett zu keinem Zeitpunkt zu straff, sondern klopft einen lässigen Groove nach dem anderen aus den Fellen und Kesseln, während Dario Donati am Bass zumeist fuzzige Tieftönerarbeit leistet und Petrosinos Schlägen etwas mehr Schwung verleiht.

OTAKUSUITE sind instrumentale Eiermänner

Diese eingespielte Lockerheit zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veröffentlichung, selbst wenn die Band wie oben erwähnt dann doch mal etwas beherzter lärmt. Das tut sie zum Beispiel im folgenden „Manannan Mac Lir“. Nach einsteigendem Vorlauf mit atmosphärischer Schlagseite, der sich so sicher auch bei psychedelisch bekifften Klanggenossen wie COLOUR HAZE oder ROTOR wiederfinden würde, verpassen OTAKUSUITE ihren Hörern eine amtliche Breitseite der heavy groovenden Art. Statt die Gitarre aber nur fett braten zu lassen, schaltet Marcos Rovini den Offroad-Modus seine Klampfe ein und nimmt dabei ordentlich Erde mit.

Schön lebhaft und expressiv gestaltet sich die Gitarrenarbeit bei „Country Cousins Meet The Wolf“. Der Song erweist sich tatsächlich als ein Tanz mit dem Wolf, wobei die Rhythmik erfreulich viel Abwechslung erfährt. Zu Beginn gestaltet sich der Song noch vergleichsweise rockig, während Rovini seine Gitarre ausgelassen aufglucksen lässt. Gelungen ist hier auch die Dur-lastige Melodieführung, die eine willkommene Wärme ausstrahlt. Nach etwas treibenderem Blues-Rock-Einschub geht der Song dann in eine atmosphärisch-psychedelische Rumba über. Erst zum Ende hin bricht der Track dann wieder in wilderen Rock aus. Es ist fast so, als wollten die Italiener wortlos eine Geschichte durch pure Musik erzählen.

„Eggs“ mit Speck

Während all dem kontrollieren OTAKUSUITE die Intensität ihrer Musik stets mit dem richtigen Händchen für die richtige Melodie, wichtiger aber noch: für die richtige Lautstärke. Die Italiener halten die Balance zwischen verspielter Zurückhaltung, rotziger Rockigkeit und sogar dem ein oder anderen Schlenker in etwas progressivere Gefilde. Und trotz dieser Kaltschnäuzigkeit fühlt sich „Eggs“ jederzeit leidenschaftlich und inspiriert an. Der sporadische Jam-Charakter zieht sich durch die Platte wie ein roter Faden hindurch. Und dank der relativ rohen aber nicht ungeschliffenen Produktion kommt der Sound einer Live-Aufnahme gleich, die sich just im Moment ereignet.

Erwähnte ich TOUNDRA weiter oben, so ist der Sound von OTAKUSUITE möglicherweise mit der etwas offroadigeren DNA ihres nicht mehr ganz so aktuellen Albums „Vortex“ vewandt, wenn auch nur um ein paar Ecken. Immerhin pesen die Italiener hier ohne Post-Rock-Sand im Getriebe, dafür mindestens genauso abseits der bepflasterten Wege durch die Wallachei. Hier ist also definitiv eine Band, die Hunger auf „Eier“ hat und der man den farbenfrohen, abwechslungsreichen Instrumental-Sound definitiv abkauft.

07.03.2020

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

Der metal.de Serviervorschlag

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