Parkway Drive - Ire

Review

Galerie mit 53 Bildern: Parkway Drive auf dem Summer Breeze Open Air 2016

Dass PARKWAY DRIVE keine Experimente scheuen, haben sie mit dem starken 2012er Werk „Atlas“ bereits eindrucksvoll gezeigt. Und auch das neue Album „Ire“ – die Spatzen pfiffen es bereits seit einiger Zeit von den Dächern – erweist sich als handfeste Überraschung. „Alles – nur keinen Stillstand“ scheint die Maßgabe der Australier gewesen zu sein. Ein Umstand, welcher das mittlerweile fünfte Studiowerk des Quintetts zu einer äußerst spannenden Angelegenheit macht – was allerdings auch Probleme mit sich bringt, die viele (neue) Kritiker auf den Plan rufen dürften.

Die kompromisslose Härte der Frühwerke ist in vielen Momenten aus dem Sound des Fünfers gewichen, während sich PARKWAY DRIVE gleichzeitig stilistisch geöffnet haben: So zeigen sich die Australier in Tracks wie dem melodisch rockenden Opener „Destroyer“ und dem mit klassischen Heavy-Metal-Anleihen versehenen „Vice Grip“ von einer gänzlich neuen Seite. Nicht minder überraschend kommt der Industrial-Stampfer „Crushed“ mit sakralen Chören und rhythmischen Djent-Einsprengseln daher. Dem gegenüber stehen geradlinigere, „traditionell australische“ Abrissbirnen wie das rasende „Dying To Believe“ sowie die nahezu ausschließlich im Core-Segment angesiedelten „Vicious“ und „Dedicated“.

Die Krux ist: „Ire“ vermag es letztendlich nicht, aus den jeweiligen Stilistiken ein stimmiges Gesamtbild zu zeichnen. Insbesondere die ersten beiden Albumdrittel bieten viel Stückwerk, manche der zurückhaltenderen Passagen funktionieren bestens mit den ruppigen Doublebass-Attacken, andere rauschen wirkungslos vorbei. Zudem klingt der in diversen Songs eingesetzte angeraute Flüstergesang Winston McCalls gelegentlich etwas hölzern („Writings On The Wall“), im abschließenden „A Deathless Song“ auf zartem Akustikgitarren-Fundament fast schon unbeholfen. Weiterhin haben sich auf „Ire“ durchaus auch diverse Standard-Riffs eingeschlichen – so belanglos und stereotyp (platte Kraftausdrücke inklusive) wie in „Bottom Feeder“ klangen PARKWAY DRIVE beispielsweise in ihrer gesamten Karriere noch nicht.

Natürlich besitzen die Australier genügend Klasse, um auch auf „Ire“ den einen oder anderen Über-Refrain abzufeuern, zwischendurch sind PARKWAY DRIVE aber immer wieder mit angezogener Handbremse unterwegs. Das an sich ist natürlich kein Kritikpunkt – die Tatsache, dass der Fünfer dabei nur selten überzeugt, hingegen schon. Sicher werden sich viele Mängel im Live-Kontext als weniger schwerwiegend herausstellen. Und die bislang höchsten Chart-Einstiege der Bandgeschichte zeigen, dass die Australier mit ihrem „neuen Sound“ offensichtlich den Nerv vieler Hörer treffen. Allerdings: Auch wenn zahlreiche alte und neue Fans bereit sind, die Band auf ihrem neuen Weg zu begleiten, wird „Ire“ für viele andere vor allem eines sein: eine große Enttäuschung.

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05.10.2015

"Am Ende isses immer Arbeit."

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9 Kommentare zu Parkway Drive - Ire

  1. Doktor von Pain sagt:

    Von einer Enttäuschung würde ich überhaupt nicht sprechen. Im Gegenteil: „Ire“ ist eine positive Überraschung für mich und stellt eine absolut positive Weiterentwicklung von Parkway Drive dar. Acht Punkte sind aus meiner Sicht dafür mindestens drin.

  2. antiWelt sagt:

    Ich habe mit so einer ähnlichen Bewertung gerechnet. Ich hab nichts gegen Experimente, aber das Album lässt mich dann doch eher gelangweilt zurück. Meine Zeit als Metalcore-Fan ist schon länger vorbei, doch von Atlas war ich recht angetan. Ire hingegen hat sicher gute Momente, aber vieles klingt auch einfach soo „Standard“.

  3. Flo Fibonacci sagt:

    Wow, das sehe ich gar nicht so! Die Klasse von Parkway Drive offenbart sich auf „IRE“ meiner Meinung nach perfekt. Zumal sie dieses Mal die ideale Balance zwischen Metal und Core liefern. Für mich entwickeln sich die Australier stets weiter, auch auf „Ire“, was sicherlich wie immer Geschmackssache ist, doch von einer Enttäuschung zu sprechen, sehe ich bei Weitem nicht. Für mich klar wieder eine 8/10.

  4. Johan sagt:

    Wenn man Ire nicht mit den letzten Alben vergleicht (sollte man sowieso nicht machen), hat Parkway Drive hier ein richtig geiles Album rausgehauen, was auch langfristig anhält. Was bringt es denn, wenn sie eine Mischung aus den älteren Cds machen und sich selber kopieren, das machen schon zuviele Bands.
    Z.B .Black Dahlia Murder „Abysmal“:geile Scheibe, keine Frage, aber nach drei Hördurchgängen ist die Cds dann auch schon wieder ausgelutscht, weil sie sich immer gleich anhören.
    Alles in allem: Für mich, auch als „Core“freak ein positiv überaschenden Album mit hohem Sucht- und Ohrwurmfaktor und Songs, die überzeugen. Also ein Popalbum ist das für mich noch lange nicht, weil viele meinen, dass die Härte verloren gegangen ist.
    Übrigens: „Writings on the wall“ -> selten sowas geiles gehört!

    9/10
  5. mikethespike sagt:

    die scheibe klingt, als ob die Jungs keine „Ire“ mehr hätten.

  6. The Bleak sagt:

    Gratuliere, für den haste bestimmt verdammt lange gebraucht. Ärgerlich, dass so Scheuklappenhelden wie du niemals verstehen werden (wollen), warum eine Band einen solchen Schritt wagt. Eben weil sie Eier haben, aus einer völlig stagnierenden Szene herauszutreten und so ein Album wie „Ire“ vorzulegen, welches vielen Menschen vor den Kopf stößt. Man muss es nicht mögen, aber man sollte lernen, es akzeptieren und gutheißen zu können, dass eine Band aus ihrem eigenen künstlerischen Anspruch raus einen solchen Schritt wagt, auf Konventionen scheißt und sich entwickelt, um eben den eigenen Anspruch gerecht zu bleiben. Deswegen macht man Musik. Und nicht, um’s möglichst vielen rechtzumachen.

  7. shinjiiii sagt:

    für mich ganz klar die beste scheibe , dich ich zuletzt gehört habe.
    In diesem Album sind halt erneut Bretter wie Dying to Believe , Bottom Feeder und Dedicated vorhanden.
    Aber zeigt die Band auch andere Seiten mit Writtings on the wall und Crushed (intro).

    Für mich ein perfekter Mix aus der alten brachialen spielweise und neuen Elementen die in den Songs eingebracht werden. Amazing …

  8. Oskar sagt:

    Parkway Drive ist es gelungen, mich für den Metalcore zu begeistern und das ist doch schon einmal was!
    Insgesamt ein echt energetisches Album. Vor allem die ersten 4 Songs verpassen dem Material ein ordentliches Suchtpotential („Destroyer“, „Dying to Believe“, „Vice Grip“, „Crushed“)! „Fractures“, „Writings on the Wall“, „Sound of Violence“ können auch durch und durch überzeugen, nur wenige Songs kommen schwach daher. „A Deathless Song“ lässt einen eher verwirrt zurück, aber abgesehen davon ist das Material sehr stark – nichts überwältigend gutes, aber unheimlich stark ist es trotzdem. Klare Kaufempfehlung, gerade für Leute, die mit dem Metalcore liebäugeln!

    8/10
  9. Oliver Stapelfeldt sagt:

    Leider ist IRE für mich eine derbe Enttäuschung. Beim ersten hören war ich begeistert, fand aber einpaar lieder wie VICE GRIP und WRITINGS ON THE WALL beim ersten hören schon schwach. Kein anderes Parkway Drive Album ist so schnell langweilig geworden. Live sind viele der Lieder besser als auf dem Album z.B DEDICATED. Parkway Drive ist und bleibt eine wahnsinnig gute Band, aber ich hoffe auf tiefgründigeren Nachfolger mit komplexeren Liedern und hoffe das dies nicht der erste Schritt in Richtung komerziellen Radio Metal war.
    Fazit: schnell langweiliges Album
    Mein Lieblingslied: Crushed

    5/10