Pop Evil - Up

Review

POP EVIL kommen mit ihrem mittlerweile fünften Album um die Ecke und spielen auch darauf ihren gewohnten, angegrungeten Modern Rock, Überraschungen gibt es also keine. Die Jungs mussten sich im Verlauf ihres Werdegangs einiges an Unflätigkeiten anhören, die Übelste dürfte wohl der Vergleich mit NICKELBACK sein. Autsch!

Aber lassen wir das, was gibt es auf „Up“ zu hören? POP EVIL eröffnen das Album mit der Single „Footsteps“, die leider nicht so wirklich überzeugen will: Der Song beginnt mit Riffs, über die ein Tremolo-Effekt gelegt wurde. Dann setzen nach kurzer Zeit Drums, Bass und Gesang ein, der Song baut Spannung auf und man erwartet einen großen Knall. Doch stattdessen flacht der Refrain dank des einseitigen, fantasielosen Riffings und dessen saft- und kraftloser Darbietung ab, was angesichts der genialen Hookline respektive der guten Gesangsleistung von Leigh Kakaty extrem schade ist. „Core“ überzeugt hingegen mit funkigem Riffing á la AUDIOSLAVE und der kernigen Bridge, endet dann aber etwas zu antiklimatisch für solch einen Hit. „In Disarray“ zeichnet sich durch atonale Melodien und vergleichsweise hartes Riffing aus, leidet aber unter dem schrecklich schleppenden Tempo. Zwar eines der flotteren Stücke des Albums, müsste der Song noch einen Tacken schneller und vielleicht auch punkiger sein – die viel zu tighte Spielweise nimmt dem Stück allen Wind aus den Segeln.

Im Grunde wurschteln sich POP EVIL eigentlich ganz passabel aber eben unspektakulär und poppig durch ihr Album, die Songs haben ihre Schwächen, sind aber weit davon entfernt, Totalausfälle zu sein. Doch dann kommt er, der Song, den ein jeder Rock-Fan fürchtet, und der es auch leider auf „Up“ geschafft hat: der große Schmalzer, hier in Form von „If Only For Now“. Ein furchtbar kitschiges Pop-Ballädchen, das mindestens zehn Jahre zu spät kommt und angehörs dessen sich so ziemlich jeder Rocker und jede Rockerin, der/die etwas auf sich hält, übergeben muss. Immerhin: Der Schmalzvorrat dürfte für dieses Jahr gedeckt sein, endlich wieder Schmalzbrot zum Winter. Hat jemand Salz und Pfeffer?

*ähem* Wo war ich? Ach ja: Die oben erwähnten Songs stehen im Grunde exemplarisch für das, was POP EVIL irgendwie gerne wären, aber nicht sind. Sie möchten kantigen Rock machen, sie möchten sich von ihrem Image befreien. Aber es bleibt fast durchgehend beim Versuch. Jeder Ansatz, „Up“ irgendeine Form von Ecken, Kanten oder Relevanz zu verpassen, wird durch die den Stücken aufgezwungene Radiotauglichkeit zunichte gemacht. „Vendetta“ ist ganz gut und überrascht mit guten, vergleichsweise technischen Riffs, das Album ist hervorragend und druckvoll produziert und die Songs sind alles andere als unhörbar (abgesehen von „If Only For Now“ versteht sich), aber irgendwie ist das Endergebnis recht unspektakulär. „Ways To Get High“ und „Dead In The Water“ klingen durch ihre nicht vorhandene Kantigkeit gar wie der Versuch einer 90er-Boyband, edgy rüber zukommen. Okay das war vielleicht ein bisschen hart, aber beim Musizieren entgleitet POP EVIL der Cheese förmlich aus jeder Pore.

Es ist einfach schade, richtig schade, so viele hoffnungsvolle Ansätze, so viele Momente, aus denen der Fünfer aus Michigan gute Songs hätten basteln können. „Up“ ist ein gutes Rock-Album für Rock-Nichtmöger und die nicht-so-Metal-affinen Herren und Damen unter der Sonne, wer es jedoch etwas heavier und/oder energetischer mag, wird hier nicht fündig. POP? Ja. EVIL? Hm, nö, eher nich‘ so.

22.09.2015

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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