Pure Reason Revolution - Terrifying Angels

Review

Schwermetallische Trüffelschweine auf der Suche nach neuer Härte dürften sich von Jon Courtney in die Irre geführt fühlen, wenn sie „Terrifying Angels“ von PURE REASON REVOLUTION hören. Nachdem das vorangegangene Album „eher chillig“ gewesen sei, habe es sich „einfach unglaublich natürlich“ angefühlt, „etwas Raueres, Schwereres und Aggressiveres zu machen“, so der Sänger, Gitarrist, Keyboarder und Songwriter. Aus Sicht von Death-Metal-Aficionados dürfte das siebte Studioalbum der englischen Progressive-Rock-Band trotzdem noch unter Kuschelrock laufen. Die Frage ist nur: Ist das der richtige Maßstab – oder hat das Album andere Qualitäten?

PURE REASON REVOLUTION beherrschen kurz und lang

Was auffällt: Mit gerade einmal sieben Liedern bringen es PRR auf ziemlich genau 50 Minuten Spielzeit. Dabei liegen mehr als zwölf Minuten zwischen dem kürzesten und dem längsten Stück. Dennoch wirkt alles perfekt abgestimmt und wie aus einem Guss: Weder scheinen die einen Nummern frühzeitig abgebrochen noch die anderen unnötig in die Länge gezogen.

Zum Auftakt krallt sich die Vorab-Single „Spin Like Fire“ mit grungig angehauchten Riffs und düsterem Gesang fest. Ein dezenter Sample-Einsatz, ein poppiger Beat und der softe, gemeinsame Refrain von Courtney und Sängerin Annicke Shireen durchbrechen jedoch schnell und immer wieder die Düsternis. Dieses Wechselspiel zieht sich durch die gesamte Platte.

„Terrifying Angels“ braucht kein Bleigewicht

Zwischenschläge wie das riffgeladene „Haywire Heart“ mit weniger als drei Minuten Spielzeit setzen kompakte Kontrapunkte. Hoffnung auf durchgehendes Bleigewicht sollte man sich trotzdem nicht machen. Im mehr als zwölfminütigen Titelstück treiben Bass und Schlagzeug die Spannung voran, während die Gitarren zwischen Druck und Zurückhaltung wechseln. Das Etikett lautet dabei weiterhin „Progressive Rock“ statt „Progressive Metal“. PURE REASON REVOLUTION erlauben sich Luft, Ecken und fast zarte Passagen. Erfreulich: Trotz seiner Länge wirkt „Terrifying Angels“ nie ausgewalzt.

Auch „Hold Your Wrath“ nimmt sich knapp 15 Minuten Zeit für sphärische Flächen, eingängige Gesangslinien und einzelne härtere Ausbrüche, bevor das Album ruhig ausklingt. Dazwischen loten PURE REASON REVOLUTION das Spektrum weiter aus: „Rumination Ruin“ verbindet Stoner-Rock-Anleihen mit poppigen Melodien, „Below Radiance“ sorgt für eine emotionale Ruhephase. Keyboards besonders wirkungsvoll.

Die leichte Grundhärte überzeugt

Verpackt ist das alles in ein glasklares, sorgfältig austariertes Klangbild von Bruce Soord. Wer eine leichte Grundhärte mag und Eingängigkeit schätzt, kann nach dem ersten Durchlauf guten Gewissens den Repeat-Button drücken. Und für die Harten aus dem Garten taugt „Terrifying Angels“ als Kompromiss, um eine neue, nichtmetallische Bekanntschaft nicht gleich beim ersten gemeinsamen Abend zu verschrecken.

23.09.2026

From the Underground and Below

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 38788 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Off Topic
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

Kommentare