Pvris - All We Know Of Heaven, All We Need Of Hell

Review

Spätestens seit ihrer Tour mit BRING ME THE HORIZON und BEARTOOTH im November 2015 dürften PVRIS (gesprochen: Paris) auch einigen europäischen Metalfans ein Begriff sein. Mit ihrem aktuellen Album „All We Know Of Heaven, All We Need Of Hell“ versuchen die US-Amerikaner nun an den Überraschungserfolg ihres Erstlings „White Noise“ anzuknüpfen.

Ein Rückschritt gegenüber „White Noise“

Das zweite Album ist ein ganz besonders schwieriges Kunststück – vor allem, wenn man mit seinem Debüt bereits beachtlichen Erfolg erzielen konnte. Die Welt kennt dich, die Welt weiß was du auf dem Kasten hast und vor allem erwartet die neu gewonnene Hörerschaft, dass du ordentlich nachlegst. Mit den im Vorfeld zu „All We Know Of Heaven, All We Need Of Hell“ veröffentlichten Singles „Heaven“ und „What’s Wrong“ haben PVRIS schon angedeutet, in welche Richtung dieses Nachlegen geht: Und das ist leider nicht immer die Richtige.

PVRIS schalten auf „All We Know Of Heaven, All We Need Of Hell“ einen Gang runter und geben ihren Songs mehr Raum für elektronische Spielereien. Waren diese auf „White Noise“ noch wohl portioniert und Teil eines homogenen Klangbildes, wirkt „All We Know Of Heaven, All We Need Of Hell“ aufgrund der schieren Menge an Effekten und Synthie-Gedudel oft extrem gekünstelt und bewusst auf Pop getrimmt. Titel wie „Walk Alone“, „Separate“ oder „Winter“ sind mit Stimmeffekten schlichtweg überladen.

Auf Pop getrimmt – PVRIS liefern Musik für die Masse

Dabei kommt man nicht umhin sich zu fragen, ob der ganze Zinnober in diesem Umfang bei der bombastischen Stimme von Frontfrau Lindsey „Lynn“ Gunnulfsen überhaupt notwendig ist: Denn Abseits dieser schmerzlichen Entgleisungen funktioniert Lynns Stimme nach wie vor hervorragend – wenn auch leider mit viel weniger druckvollen Einlagen, als dies noch auf „White Noise“ der Fall war. Gunnulfsen hat zwar unter anderem mit „Heaven“ oder „No Mercy“ auch Momente, in denen sie ihre Stimmgewalt prägnanter entfaltet darf. Einen Kracher wie etwa „My House“ vom Vorgängerwerk vermisst man auf „All We Know Of Heaven, All We Need Of Hell“  allerdings gänzlich. Dass das neue Werk von PVRIS auch instrumentell  nicht ganz an den Vorgänger „White Noise“ heranreicht, fällt extra ins Gewicht: Einfallslose Loops, eine leichte Schlagzeug-Absenz, aber dafür omnipräsente, auf Gothic getrimmte Pop-Elemente – ein durchwachsenes Soundbild.

Schlussendlich bietet „All We Know Of Heaven, All We Need Of Hell“ zehn solide Songs, die sich allesamt keine richtig groben Schnitzer erlauben. Dabei haben die Titel für Hörer mit Affinität zur Eingänglichkeit durchaus ihren Reiz: Unaufdringliche Musik, die nebenbei auch erfolgreich Mainstream-Charakter mitbringt – um es einmal positiv zu umschreiben. Die Chartplatzierungen (Platz Vier in den UK-Charts, mit dem Debütalbum ging es zuvor „nur“ bis auf Platz 88), beachtliche Verkaufszahlen und Youtube-Klicks suggerieren, dass PVRIS mit ihrem seichteren Sound für eine breitere Masse alles richtig gemacht haben – Freunde von heftigeren Klängen werden dabei aber leider nicht ganz auf ihre Kosten kommen.

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24.09.2017

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1 Kommentar zu Pvris - All We Know Of Heaven, All We Need Of Hell

  1. freakmetal sagt:

    Ich mecker sicherlich nicht, wenn hier mal was dezent Genrefremdes besprochen wird, die Reviews zu Depeche Mode und dem letzten Hosen-Album habe ich z.B. gerne gelesen und kann die Berührungspunkte mit der Rock- und Metalszene nachvollziehen; da hat mich der Aufstand den hier einige gemacht haben schon etwas gewundert.

    Aber PVRIS? Ok, man war mit BMTH und Beartooth unterwegs, die Sängerin versprüht mit feschem Undercut und einem Auftreten auf der Schwelle zwischen kühler Sexyness und Androgynie einen gewissen Rock-Vibe, aber der ist doch bestenfalss modischer Natur.

    Das erste Album fand ich noch ganz ok und das konnte man ja sogar mit seeeeeeeeeeeehr viel gutem Willen noch als Indie/Alternative Rock bezeichnen, aber die neue Platte ist doch nun wirklich glatt produzierter Pop, wie er auch von einer Rihanna oder einer Katy Perry kommen könnte. Sorry, aber da seh ich beim besten Willen nicht, wieso das auf metal.de stattfindet. Und ich meine die Frage tatsächlich ernst, denn ich habe jetzt schon auf mehreren Rock- und Metalseiten Reviews zu der Scheibe gesehen, nur verstehe ich die Genre-Relevanz nicht.