Ritchie Blackmore's Rainbow - Black Masquerade

Review

Die Rockpalast-Fernsehreihe des WDR war für mich früher immer ein Pflichtprogramm, schließlich konnte man hier immer wieder tolle Auftritte von Bands wie THIN LIZZY, DEEP PURPLE, ZZ TOP, UFO oder auch TIAMAT erleben. Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, wie ich in jungen Jahren spät abends den Konzertmitschnitt von RITCHIE BLACKMORE’S RAINBOW ansah, und wie viel Spaß mir dieser TV-Beitrag damals bereitete. Der Auftritt wurde am 9. Oktober 1995 in der Düsseldorfer Philipshalle aufgenommen.

RAINBOW! Wer konnte schon Anfang der Neunziger ahnen, dass RAINBOW, unter erweitertem Namen, nochmals wiederbelebt werden? Nach seinem Ausstieg bei DEEP PURPLE 1993 reanimierte Ritchie Blackmore mit neuer Besetzung dem Komapatienten, das Ergebnis war das gute Album „Stranger In Us All“, welches international keinen allzu großen Erfolg einfuhr, sowie die anschließende Tournee, in deren Verlauf eben auch dieses Konzert mitgefilmt wurde. Nun endlich kommt dieser Auftritt als DVD in den Handel.

Ja, ich war damals begeistert, als ich die in bestechender Form aufspielenden RAINBOW im Fernsehen sah. Greg Smith am Bass, Chuck Burgi (spielet auch auf „Bent Out Of Shape“) am Schlagzeug, Paul Morris am Keyboard, Candice Night am Gesang, aber vor allem der damals noch recht unbekannte Sänger Doogie White (später bei YNGWIE MALMSTEEN) mit seiner kräftigen Stimme und Gitarrenhexer Ritchie Blackmore fesselten mich mit ihrem außergewöhnlichen Können und ihrer Bühnenausstrahlung.

Einige Jahre später, der jugendliche Enthusiasmus ist doch ein wenig verflogen, relativiert sich meine damalige Euphorie, wenn ich mir diese DVD jetzt ansehe. Natürlich präsentierten sich RAINBOW bestens aufeinander eingespielt, die musikalische Qualität ihrer Stücke ist und bleibt unbestritten. Und mit Doogie White hatte Ritchie Blackmore ein bisher unbekanntes Talent in den Fokus gestellt, der  tatsächlich die Herausforderung schaffte, dem Vergleich mit den übergroßen Vorgängern Joe Lynn Turner, Ian Gillan, Graham Bonnet, David Coverdale und Ronnie James Dio zu bestehen. Natürlich konnte er nicht die ganz große Aura ausstrahlen, überzeugte aber mit seiner herrlichen Stimme, mit welcher er einigen Klassikern seinen eigenen Stempel aufdrückte, und seinem engagierten Auftreten. Altmeister Blackmore hielt sich zurück, konzentrierte sich meist vor dem Schlagzeug stehend auf perfektes Spiel und wirkte sichtlich gut gelaunt. Nein, das alles stört mich keineswegs, und damals schon erst recht nicht. Schade finde ich nur die Zusammenstellung der Setlist. Es ist logisch, dass RAINBOW damals Wert auf das aktuelle Album „Stranger In Us All“ legten, aber dass insgesamt 6 Stücke von diesem Werk vertreten sind, und damit letztendlich einige Klassiker wie bspw. „Rising“ oder „Stargazer“ leider fehlen. Natürlich ist es immer wieder schön, die DEEP PURPLE Coversongs „Burn“, „Perfect Strangers“ sowie der Rausschmeißer „Smoke On The Water“ zu hören, aber ich hätte mir einfach gerne mehr alte RAINBOW Stücke gewünscht.

Davon abgesehen ist die DVD schon überzeugend. Da wäre beispielsweise das Lied „Ariel“ mit seinem arabesken Touch, in welchem man die Stimme von Candice Night, Blackmores späterer Ehefrau, zu hören bekam. Oder das starke Zusammenspiel der Protagonisten. Hier natürlich die großartigen, virtuosen Soloduelle zwischen Ritchie und Keyboarder Paul Morris, sowie dessen starkes Spiel bei, natürlich, „Perfect Strangers“. Weitere Highlights auf der DVD sind natürlich „Man On The Silver Mountain“, „Long Live Rock’n’Roll“, „Since You’ve Been Gone“ sowie die Grieg-Interpretation „Hall Of The Mountain King“.

Die technische Umsetzung ist gut, vor allem in Anbetracht der Zeit und der damaligen Möglichkeiten. Das Bild entspricht dem damaligen Stand der Technik. Die Kameraführung ist meist ruhig, aber es gibt zwischendurch leider ein paar schnelle Schnitte. Und manchmal überblendet das Licht etwas. Der Sound ist von ordentlicher Qualität, könnte aber mehr Druck vertragen.

Alles in allem ist „Black Masquerade“ für RAINBOW Fans sicherlich essentiell. Es ist ein schönes Zeitdokument, lebt von der Spielfreude der Band und der guten Stimmung im Publikum. Doch gerade die lückenhafte Setlist verhindert für mich klar eine höhere Wertung, was schade ist. Trotzdem, ich hatte wieder verdammt viel Freude, diese Zeitreise anzutreten.

31.10.2013

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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