



Knapp ein Jahr nach ihrem letzten Album „Dark & Dangerous“ tun sich SAVAGE MASTER mit den russischen MSYTIC STORM für eine Split zusammen. Beide Bands sind auf „The Power/Wandering Time“ mit je drei neuen Songs vertreten.
SAVAGE MASTER spielen SAVAGE MASTER
Die Stücke von SAVAGE MASTER knüpfen im Grunde an die Marschrichtung der letzten beiden Alben an. Sprich, man ist etwas weniger rumpelig und schief als auf früheren Veröffentlichungen unterwegs, hat sich aber eine gewisse Kauzigkeit und den allgegenwärtigen Geist der 80er erhalten. Dabei geht der flotte, mit Synthesizern unterfütterte Rocker „One Step Closer“ mit einem dezent melancholischen Schmachtfaktor einher, der auch einige Stücke auf „Dark & Dangerous“ auszeichnete und empfindlich an die 80er-Alben von OZZY erinnert.
Selbiger trifft bei „The Last Kiss“ auf eine ordentliche JUDAS PRIEST-Schlagseite, im Hause SAVAGE MASTER ein nicht unbedingt selten zitierter Einfluss, der sich auch im resoluten Fistraiser „The Power“ niederschlägt. Überraschungen gibt es eigentlich keine und man bekommt hier im Grunde genau das, was man von SAVAGE MASTER inzwischen erwartet. Gut so!
MSYTIC STORM stellen sich stilistisch neu auf
MYSTIC STORM wiederum sind in unseren Breitengraden wohl nur einigen wenigen Maniacs ein Begriff. Die 2019 gegründete Band aus Sankt Petersburg hat außer ein paar kleineren Veröffentlichungen (ein Demo, eine Split mit ICE WAR und ein Beitrag zu einem BATHORY-Tribut) bisher nur das 2021er Debüt-Album „Из хаоса древних времён / From The Ancient Chaos“ in petto. Darauf orientierten sich MYSTIC STORM stark am Sound der kurzlebigen L.A.-Thrash-Legende DÉTENTE, was nicht zuletzt auch an der Stimme der damaligen Frontfrau Anya lag, und ergänzten dies um eine großzügige Kelle Teutonen Thrash à la frühe KREATOR sowie russischsprachige Sword-&-Sorcery-Lyrics.
Nun hat es seither allerdings diverse Besetzungswechsel gegeben und Neusängerin Svetlana klingt nicht mehr so sehr nach der leider viel zu früh verstorbenen Dawn Crosby. Ihr Gesang ist zwar ebenfalls recht rau und bisweilen im Hochtonsektor angesiedelt, erinnert aber viel eher an eine blutjunge Doro, die sich ein bisschen was von Schmier abgeschaut hat. Entsprechend ist auch der Gesamtsound der neuen Stücke von MYSTIC STORM deutlich melodischer und näher am klassischen Heavy Metal ausgerichtet, wenngleich sich die russische Truppe eine latente Thrash-Kante nicht verkneift.
Das mit schaurigen Keyboards unterfütterte „Тень Грядущего (The Shadow Of Things To Come)“ tönt trotzdem über weite Strecken mehr nach einer Mischung aus MERCYFUL FATE und MANILLA ROAD, denn nach 80er Ostküsten-Gekloppe. Bei „Блуждающее время (Wandering Time)“ treten die WARLOCK-Einflüsse noch deutlicher zu Tage, werden aber um eine vernebelte, okkulte Atmosphäre ergänzt, die auch das mit melodischen Bill-Tsamis-Gedächtnis-Leads veredelte „В Бездны (Into The Abyss)“ umgibt. Die Texte werden übrigens weiterhin durchweg auf Russisch vorgetragen.
Eine lohnende Anschaffung für 80s-Fans und Kauz-Metal-Maniacs
Insgesamt stellt „The Power/ Wandering Time“ eine lohnende Anschaffung für Fans von dezent kauzigem Oldschool Heavy Metal dar. Wer SAVAGE MASTER liebt, kriegt hier einfach mehr SAVAGE MASTER, ohne dass man das Gefühl bekommt, die Kentucky-Gang hätte B-Ware ausgegraben. Und MYSTIC STORM, die für viele vermutlich eh noch ein unbeschriebenes Blatt sind, unterziehen sich hier einer gelungenen Neuorientierung in Richtung okkult angehauchtem Heavy- und Epic Metal, mit der sie sich nicht nur dem Publikum ihrer Split-Partner empfehlen. Wer sich trotz des stilistischen Wandels für das durchaus hörenswerte Debüt der russischen Band interessiert, kann dieses übrigens grade für sehr kleines Geld bei High Roller Records abgreifen.

Hans Völkel






























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