Sentient Horror - Morbid Realms

Review

Soundcheck November 2019# 8

Kann ganz denn nicht endlich mal jemand diese Retro-Death-Metal-Welle stoppen, die der ursprünglichen Mucke im Prinzip aufs Haar gleicht? Diese Forderung hört man immer öfters mal und sie ist bis zum einem gewissen Grad sogar irgendwie nachvollziehbar. Aber frag doch mal uns alte verbohrte Sturköpfe, da schaut die Geschichte schon wieder ganz anders aus. Und solange die Qualität so hoch wie hier bei SENTIENT HORROR ist, dann gerne „Weiter, immer weiter!“

Auch auf „Morbid Realms“ regiert trotzig ein Dogma irgendwo zwischen „Früher war eh alles besser“ und „Schuster bleib bei deinen Leisten“. SENTIENT HORROR verbraten ganz einfach herrlich alte Ideen. Die Jungs beherrschen diese nostalgische Art von Mucke wirklich von A bis Z. Und da man auch die Leidenschaft aus jeder Note triefen spürt, spricht doch überhaupt nichts dagegen, eine weitere Messe der alten Schule zu zelebrieren.

Den Status als Gründerväter eines Genres werden die Alten natürlich auf ewig exklusiv inne haben. Aber rein von der Qualität her brauchen sich Bands wie SENTIENT HORROR absolut nicht vor dem übermächtigen Erbe zu verstecken, man verneigt sich eher in Ehrfurcht und führt diese Tradition in Würde fort. Manchmal meint man sogar, ein verschollenes Kleinod aus den frühen 90ern gefunden zu haben. Dazu passt auch das geniale Cover, welches wir früher abendelang ausgiebig studiert hätten.

Schädel spalten, Keule schwingen, und dabei Death Metal singen

Die ganze Scheibe pendelt beharrlich irgendwo zwischen Midtempo und Raserei. Egal, Hauptsache immer mittendrin und bis zum Scheitel im alten Morast steckend, alles andere ist zweitrangig. SENTIENT HORROR agieren mit beeindruckender Effektivität, immer kurz vor dem dreisten Diebstahl. Aber warum soll man auch etwas krampfhaft versuchen zu verändern, was doch seit rund 30 Jahren bestens funktioniert? Eben!

Die Unterschiede zur letzten Langrille „Ungodly Forms“ sind nur marginaler Natur. So wird die ASPHYX-Schiene diesmal etwas konsequenter gefahren, siehe beispielsweise „Bound To Madness“. Ansonsten dominieren auch auf „Morbid Realms“ wieder überwiegend die guten alten schwedischen Tre Kronors. Es ist ganz sicher nicht der Anspruch von SENTIENT HORROR, irgendetwas neues zu erschaffen, die wollen einfach nur Spaß mit ihrer Mucke haben.

Einziges Manko, ein echter Hit im Stile unserer Jugend-Smasher fehlt leider irgendwie. Aber seien wir mal ehrlich, wir würden den auch gar nicht als solchen akzeptieren, wenn da in Klammern 2019 steht. Bei aller Toleranz und Offenheit, aber ohne Nostalgie-Faktor geht in der Beziehung natürlich gar nichts. Oder vielleicht irgendwie doch? Denn sowohl der Titelsong als auch „Cemetery Slaughter“ haben absolut das Zeug zum Klassiker, lasst uns einfach in zehn Jahren nochmal über diese beiden Songs reden.

SENTIENT HORROR sind Old School Death Metal überwiegend schwedischer Prägung, Punkt

Vielleicht ist der vorletzte Track „Morbid Realms“ eines Tages eine Art „Left Hand Path“ von SENTIENT HORROR, wer weiß? Der hat eigentlich alles, was wir an dieser Musik so lieben. Schnelles Geknüppel, langsame Schlepp-Parts, Atmosphäre, Harmonien, Solo, alles bestens. Und „Cemetery Slaughter“ glänzt nicht nur mit einem genialen DISMEMBER-Einstieg, sondern versprüht auch noch jede Menge „Open Casket“-Feeling, Hossa!

SENTIENT HORROR brettern mit dieser Scheibe einmal über dich hinweg. Du willst es, du liebst es, du bist wieder jung! Nun ja, zumindest bis dich dein knüppelharter schmerzender Nacken wieder in die harte Realität zurück holt. Aber egal, dir bleiben ja immer noch die lauschigen Abende am Kamin, stilecht mit Pils und Bands wie SENTIENT HORROR. Und die kann dir auch als alter Sack keiner nehmen.

Frisst also die Evolution so langsam ihre Eltern? Klares Nein, solange ENTOMBED A.D., ASPHYX und GRAVE weiter so stark abliefern wie gewohnt. Und wer weiß, vielleicht beschenken uns DISMEMBER ja auch nochmal mit neuem Liedgut. Aber einfacher wird die Aufgabe auch für diese Legenden nicht, angesichts dieser aufmüpfigen Jugend. Und wenn irgendwann die nächste Mode-Welle den Old School Death wieder auf Normalmaß stutzt, dann werden SENTIENT HORROR mit Sicherheit immer noch am Start sein.

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20.11.2019

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1 Kommentar zu Sentient Horror - Morbid Realms

  1. Vlad_the_Impala sagt:

    1 nicer Schwedensound! 🙂
    Ich denke, die 8/10 gehen hier mehr als in Ordnung.
    Mäandert stilistich zwar irgendwo recht deutlich zwischen Dismember und Entombed hin und her, aber überzeugt (mich) insgesamt aber doch ziemlich durch die gebotene Spielfreude und Abwechslung.
    Keine Langeweile. Hohe Qualitätsdichte. Gutes Energielevel. Gitarrensoli machen Laune. Yay!
    Was soll der Geiz, ich erhöh‘ auf 9. 😀

    9/10