Seven Spires - Gods Of Debauchery

Review

Da schau einer an, SEVEN SPIRES waren während der Pandemie wirklich nicht faul. Zwar hat Corona vielen Bands einen saftigen Strich durch die Jahresplanung gemacht, die Symphonic Metaller aus Boston haben sich davon aber nicht unterkriegen lassen. Kurzerhand ging es ins Studio und nur eineinhalb Jahre nach dem Zweitwerk „Emerald Seas“ steht nun das dritte Album „Gods Of Debauchery“ in den Startlöchern. Das ist besonders angesichts des schieren Umfangs der Platte überraschend schnell.

SEVEN SPIRES feuern keinen Schnellschuss ab

Doch obwohl das Konzeptalbum, welches die Heldenreise der beiden beachtlichen Vorgänger fortsetzt, in einem recht kurzen Zeitraum entstanden ist, kann von einem übereilten Release keine Rede sein. SEVEN SPIRES haben nämlich in jeder Hinsicht nochmal einen draufgesetzt und die Erfahrung durch das Engagement von Sängerin und Hauptkomponistin Adrienne Cowan bei AVANTASIA und SASHA PAETH’S MASTERS OF CEREMONY sowie die Ausbildung einiger Bandmitglieder am Berklee College of Music machen sich offensichtlich bezahlt.

„Gods Of Debauchery“ bietet auf einer Symphonic-Metal-Basis ein wahres Feuerwerk stilistischer Vielfalt, die von melodischem Power Metal über Black- und Death Metal bis hin zu unverhohlen poppigen Klängen reicht und Zugänglichkeit mit einer oft überraschenden Komplexität verbindet. Das mag auf dem Papier überladen klingen, verliert jedoch nie die innere Kohärenz und wurde von Sammet-Spießgeselle Sascha Paeth bombastisch in Szene gesetzt.

Bombastisch ist auch die Gesangsleistung von Adrienne Cowan, die hier locker zwischen kraftvollem Klargesang, lieblichem Trällern, rotziger Rockröhre und fiesen Growls hin und herwechselt, ohne auch nur annähernd ins Schwitzen zu geraten. Dazu zimmern ihre Mitmusiker ein stabiles Fundament aus zum Teil progressiven Riffs und einer tight aufspielenden Rhythmusfraktion, auf dem sich die Frontfrau so richtig austoben kann.

„Gods Of Debauchery“ entführt auf eine dunkelromantische Reise

Bei einem 16 Songs starken Brocken von einem Album einzelne Songs hervorzuheben kann mitunter etwas schwierig sein, besonders wenn durchgängig auf so hohem Niveau musiziert wird; einige besondere Höhepunkte tun sich dann aber doch hervor. So steht etwa mit dem Titelstück eine der stärksten Nummern gleich am Anfang des Albums. Zu treibendem Bombast-Death-Metal mit epischem Chorus zeigt sich Adrienne Cowan hier von ihrer garstigen Seite, bevor sie diese bei „The Cursed Muse“ um ihren zauberhaften Klargesang erweitert.

„Ghost Of Yesterday“ erinnert mit dezenten orientalischen Elementen ein wenig an MYRATH und „Lightbringer“ tanzt als frecher und extrem eingängiger Popsong etwas aus der Reihe, klingt aber dennoch voll und ganz nach SEVEN SPIRES. Natürlich finden sich auch einige balladeske Töne auf „Gods Of Debauchery“, wobei ein „The Unforgotten Name“ zwar hochgradig theatralisch, aber keineswegs kitschig daherkommt.

Das Herzstück des Albums bildet allerdings zweifelsohne der dramatische Zehnminüter „This God Is Dead“. Mit einem souveränen Gastbeitrag von Roy Khan (Ex-KAMELOT) begibt sich die Band auf einen mitreißenden Achterbahnfahrt, bei der alle Facetten ihres Sounds zum Tragen kommen und auch das Motiv des Intros „Wanderer’s Prayer“ erneut aufgegriffen wird. Großes Tennis!

Einerseits gibt es also eine Vielzahl an Highlights, die man ohne Probleme einzeln genießen kann, andererseits macht es durchaus Sinn, das Album am Stück zu bewältigen. Denn „Gods Of Debauchery“ folgt schließlich einem inhaltlichen Konzept, das sich auch in der Dramaturgie des Werkes widerspiegelt und es so zu einem in sich geschlossenen Gesamterlebnis macht. Wer also so unterschiedlichen Bands wie CRADLE OF FILTH, NIGHTWISH, KAMELOT, DIMMU BORGIR oder SEPTICFLESH etwas abgewinnen kann und neben ein wenig Ausdauer einen ausgeprägten Hang zur Theatralik mitbringt, bekommt mit „Gods Of Debauchery“ ein wahres Festmahl serviert.

 

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11.09.2021

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3 Kommentare zu Seven Spires - Gods Of Debauchery

  1. nili68 sagt:

    Kann man schon mal hören, wenn man keine Angst vor ein bisschen Kitsch hat. Die dramatische Theatralik ist gut und kompetent in Szene gesetzt. Die im Review genannten Vergleiche sind auch passend.
    Wer REVENGE näher ist als (neuen) DIMMU BORGIR hört natürlich weg. 😉

  2. dan360 sagt:

    Doch, gut gemachte Scheibe, hat ihre Momente und ist toll instrumentiert (man kann sich die Arbeit dahinter vorstellen). Die clean Vocals sind jetzt nicht so meins, aber dennoch gut inszenierte Musik. Kein Album das ich oft hören werde, aber manchmal darf es eben etwas Kitsch & Theatralik sein.😉

  3. Huetti sagt:

    Ja, doch, irgendwie cool gemacht!
    Natürlich teilweise Kitsch hoch Zehn, aber phasenweise ballert das Schlagzeug auch wunderbar heftig drauf los und die Gitarren sägen ordentlich… Ich glaube das größte Problem bei der Scheibe besteht darin, dass sie halt so extrem zwischen allen Stühlen hockt und sich dann aber teilweise doch immer wieder mehr als deutlich bei diversesten Vorbildern bedient.

    Da sind Songs drauf, die erinnern Phasenweise extremst an (neue) Dimmu Borgir, an Kamelot, an die aktuelleren Cradle of Filth und natürlich auch immer mal wieder an Arch Enemy mit Alyssa White-Gluz. Und zwischendurch hört man halt auch immer mal Anleihen bei der poppigeren Fraktion in Richtung Amaranthe oder Nightwish zur späten Tarja, bzw. zur Olzon-Zeit raus…

    Ein „Kunterbunter Hund“, der kompetent eingespielt ist, auf den man aber irgendwie auch Lust haben muss und der nicht so ganz einfach zum nebenbei Konsumieren gedacht ist.

    8/10