Sinister - Hate

Review

Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.

Galerie mit 24 Bildern: Sinister - Grand Supreme Blood Court + Sinister

Bevor SINISTER ihr drittes Studioalbum “Hate“ in Angriff nehmen konnten, mussten sie einen weiteren Line-Up-Wechsel verkraften – wobei Wechsel das falsche Wort ist: Denn nach dem Abgang von Gitarrist André Tolhuizen übernahm Bassist Bart van Wallenburg kurzerhand beide Instrumente, Bass und Gitarre. Zusammen mit den beiden verbliebenen Mitgliedern Mike van Mastrigt (Gesang) und Aad Kloosterwaard (Schlagzeug) machte er sich nun daran, den Nachfolger für „Diabolical Summoning“ zu komponieren.

SINISTER schrumpfen auf Triogröße

Eine Entscheidung war klar: Auch wenn ein Großteil der Death-Metal-Bands mittlerweile ihren Sound veränderten, erweiterten und für andere Einflüsse öffneten, sollten SINISTER doch bitte weiterhin für die reine Lehre stehen. Also ist das dritte Album als Statement für den guten, alten (und auch brutalen) Death Metal zu sehen und der Titel „Hate“ durchaus als programmatisch. Also gingen die drei Musiker im Januar 1995 nach Gelsenkirchen ins TNT Studio, um unter der Ägide von Wolfgang Stach eine Handvoll frischer Songs aufzunehmen.

Und die hatten es in sich. Das Intro mit der knarzenden Tür, den wabernden Melodie und der beschwörenden Stimme steht natürlich in Tradition von „Cross The Styx“, das erste Stück „Awaiting The Absu“ auch: Zunächst Geblaste, bis ein flinker Basslauf das folgende Riffing vorgibt und Mike van Mastrigt mit grummeligen Vocals in einer schönen Vermengung sowohl mesopotamische und babylonische Gottheiten als auch den lovecraft’schen Cthulhu anruft. Eine Mischung, die sich auch musikalisch wiederfindet, denn „Hate“ verbindet Mystik mit schierer Brutalität.

Bart van Wallenberg zeigt sich selbstbewusst

Bart van Wallenberg interpretiert seine neue Rolle durchaus selbstbewusst und hastet ohne Unterlass über das Griffbrett. Hier zeigt sich, dass das Gitarrenspiel doch etwas variantenreicher ist als das seines Vorgängers auf „Diabolical Summoning“. Nett ist, wie er und Drummer Aad im Zusammenspiel ständig das Tempo variieren, ohne dass man als Hörer den Kniff sofort bemerkt: Während der eine normal weiterspielt, nimmt der andere bereits das Tempo raus oder umgekehrt. Schön sind auch die eingeflochtenen Melodien, ohne dass man dem Album notwendigerweise große Melodiosität unterstellen müsste. Das kennt man ja bereits von SINISTER. Irgendwie geartete Gitarrensoli sind auch nur in Ansätzen vorhanden, wenn überhaupt.

„Embodiment Of Chaos“ beginnt mit einer kleinen auf der Gitarre gespielten Melodie, die zwischen geblasteten Passagen immer wieder eingefügt wird, während im Mittelteil das Tempo wieder verschleppt wird. Mit „Art Of The Damned“ wiederum rollt der SINISTER-Express an, ein zwischen mächtigem Midtempo und flotteren Passagen pendelndes Stück, das gleichzeitig äußerst einprägsam als auch hakelig schnell gerifft ist. Stärkstes Stück auf „Hate“ und ein schöner Bastard aus „Cross The Styx“ und „Leviathan“ von den Vorgängerwerken.

Wenn es das ständig variierende Tempo schon schwierig macht, in einem Groove zu headbangen, so ist die Griffbrettakrobatik zusätzlich verwirrend: Und jetzt das Ganze bitte noch einmal in halber Geschwindigkeit spielen, damit ich es nachvollziehen kann… Aber das ist auch das Schöne an „Hate“: Diese ständigen Variationen lassen unglaublich viel Raum, um in Songs wie „18th Century Hellfire“ oder „The Bloodfeast“ immer noch neue Details zu entdecken. Andere Songs setzen hingegen auch auf einfache Mittel, wie ein Gitarrenriff, das ständig wiederholt wird („To Mega Therion“) oder eine nachvollziehbar rollende Double-Bass-Drum in „The Cursed Mayhem“.

„Hate“ mäht alles nieder

Insgesamt ist die erste Seite mit den Krachern „Awaiting The Absu“, „Embodiment Of Chaos“, „Art Of The Damned“ und „Unseen Darkness“ etwas stärker als die zweite, was aber dem Hörgenuss von vorne bis hinten keinen Abbruch tut. Wie bereits gesagt: SINISTER weichen kein Jota von ihrem einst eingeschlagenen Weg ab, haben aber die Schrittfolge etwas erhöht und die Machete nachgeschärft, mit der sie vor ihnen alles niedermähen. „Hate“ platziert sich damit vor dem Vorgänger „Diabolical Summoning“ und steht dem auch an dieser Stelle hochgelobten „Cross The Styx“ in kaum etwas nach – wenn überhaupt.

Gut ein Jahr danach stehen die Niederländer mit der EP „Bastard Saints“ wieder auf der Matte – mit zwei nagelneuen Songs und zwei neu aufgenommenen Klassikern sowie verstärkt um den Bassisten Michel Alderliefsten (HOUWITSER). Allerdings sollte die Freude um das erweiterte Line-Up nicht lange währen, verließ doch im Anschluss Frontgrunzer Mike van Mastrigt die Band. Immerhin vereinen SINISTER damit bis heute drei Konstanten: 1. Die ständigen Line-Up-Wechsel mit 2. dem einzigen verbliebenen Originalmitglied Aad Kloosterwaard sowie 3. die Kompromisslosigkeit der musikalischen Ausrichtung – was leider nicht immer für die musikalische Qualität galt, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

09.11.2022

- Dreaming in Red -

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