Slayer - Hell Awaits

Review

Unter "Blast From The Past" erscheinen jeden Mittwoch Reviews zu Alben, die wir bislang nicht ausreichend gewürdigt haben. Hier gibt es alle bisher erschienenen Blast-From-The-Past-Reviews.

Galerie mit 23 Bildern: Slayer - Wacken Open Air 2019

Ob es für euch die lange Fahrt ins Heimatdorf war, der kommerzielle Terror, der alle Beschäftigten in Gastronomie, Handel und Co. widerfährt oder die rassistischen Narrative, die Onkel Volker am Weihnachtstisch von sich gibt – gebt es einfach zu. Ihr alle hattet in den vergangenen Tagen den einen oder anderen Moment, der euch vor Zorn hätte platzen lassen, wenn nicht das innerliche Anstimmen eines Songs von SLAYER die folgenreiche Transformation zum Hulk unterbunden hätte. Es ist keine Schande. Die Vorweihnachtszeit macht uns alle fertig und welches Album wäre da für eine retrospektive Betrachtung allein vom Titel her schon besser geeignet als “Hell Awaits”, die zweite Platte der inzwischen in Rente gegangenen Band?

Schneller, härter, SLAYER – auf “Hell Awaits” wollen sie’s wissen

Mit ihrem 1983er-Debüt “Show No Mercy” waren SLAYER in aller Munde. Mit ihrem pfeilschnellen Mix aus VENOM, MERCYFUL FATE, IRON MAIDEN sowie eine ordentlichen Portion Straßenköter-Punk schuf das Quartett aus L. A. eine Nische im Thrash Metal, die dunkler und böser war als alles bisher bekannte. Konnte man auf dem Erstlingswerk die klassischen Heavy-Metal-Einflüsse noch deutlich vernehmen, ist das zwei Jahre später veröffentlichte “Hell Awaits” bereits eine ganz andere Liga. Einerseits wurden die Songs länger und komplexer, andererseits war dies kein Selbstzweck, sondern erhöht die teuflische Suggestionskraft der vielleicht dynamischsten SLAYER-Platte.

Perfektes Beispiel ist bereits der eröffnende Titelsong. Langsam baut er sich auf, die Bedrohung wächst und wächst und nach dem düster-dramatischen Intro entfaltet sich ein Riff-Inferno, das wie vom Leibhaftigen höchstselbst gejagt klingt und ohne Unterlass wie Giftpfeile auf einen eindrischt. Sänger und Bassist Tom Araya hat deutlich an Charisma gewonnen, die gesamte Band spielt wesentlich tighter und die Produktion (Labelchef Brian Slagel und die Band selbst werden dafür in den Credits genannt, aber wahrscheinlich dürfte ein Großteil dem legendären Engineer Bill Metoyer zu verantworten sein) tönt druckvoll und klar, lässt aber genügend Raum für die rohe Wut, die SLAYER auszeichnet.

Exzellentes Thrash-Songwriting

Man kann natürlich diskutieren, welches Album aus dem fast konkurrenzlosen SLAYER-Frühwerk favorisiert wird, doch “Hell Awaits” sticht im Schläger-Kosmos hervor, weil es eine Magie hat, die kaum ein anderes Werk von ihnen besitzt. Es ist die Tatsache, dass es neben der infernalischen Hysterie von weiteren Perlen wie “Kill Again” oder “Praise Of Death” Platz für eher schleichendes Unheil in Form von “At Dawn They Sleep” oder “Crypts Of Eternity” bietet. Diese Facetten wurden auf der nachfolgenden Prügelorgie “Reign In Blood” von 1986 absichtlich fast vollständig unterbunden, bereicherten den Sound der Band aber enorm.

Darüber hinaus bietet “Hell Awaits” einfach das, worauf es im Thrash Metal ankommt: Exquisite Riffs, die zu großartigen Songs zusammengeführt werden. Das Songwriting bleibt auch auf Album Nummer 2 sicher in den Händen der Gitarristen Jeff Hanneman und Kerry King, die wahlweise gemeinsam oder individuell Musik und Texte schrieben. Erstmals wird auch Tom Araya in den Credits aufgeführt: Er steuerte zumindest Titel und Textteile für “At Dawn They Sleep” und “Crypts Of Eternity” bei. “Hell Awaits” ist dabei eine Platte, die insgesamt eher vom Songwriting Hannemans dominiert wird. Bekanntermaßen konnte das Verhältnis von Album zu Album bei SLAYER ja sehr schwanken.

Meilenstein. Punkt.

Weitere Worte braucht man zu diesem Klassiker nicht verlieren. “Hell Awaits” ist pure juvenile Aggression, ein galliger Mittelfinger im konservativ-christlich geprägten Amerika; eine gewollte Terrorattacke gegen jede Form von Spießigkeit oder bürgerlicher Moral. Die Platte ist so finster, dass es sogar egal ist, dass ihr Sänger bekennender Katholik ist. Zurecht als eine der einflussreichsten Metal-Platten des Planeten gefeiert, ist sie zudem eine optimale Wahl, würde man einem Einstiegs-Metal-Fan erklären wollen, worum es bei SLAYER oder im Thrash Metal insgesamt geht.

Shopping

Slayer - Hell Awaitsbei amazon15,99 €
28.12.2022

Redakteur | Koordination Themenplanung & Interviews

Der metal.de Serviervorschlag

Oder auch: "Wer 'Hell Awaits' von Slayer mag, wird auch das hier mögen." Lass andere Leser wissen, welche Platten sie noch anchecken sollten, wenn ihnen "Hell Awaits" gefällt.

Es gibt noch keine Empfehlungen zu diesem Album. Willst du die erste abgeben? Dann registriere dich oder logge dich ein.

Shopping

Slayer - Hell Awaitsbei amazon15,99 €
Slayer - Hell Awaitsbei amazon19,98 €
Slayer - Hell Awaits Backpatchbei amazon9,94 €
SLAYER - Hell Awaits / RR 9795bei amazon38,90 €

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 36538 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Off Topic
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

6 Kommentare zu Slayer - Hell Awaits

  1. doktor von pain sagt:

    Weder war ich über irgendwas wütend an Weihnachten, noch habe ich „Hell Awaits“ in meiner Musiksammlung. Ich hab’s aber auch generell nicht so mit Slayer.

  2. Thanus sagt:

    Sicher ein Meilenstein des Thrash Metals, sofern man ihn zum Zeitpunkt des Erscheinens gehört hat und chronologisch richtig einordnen kann. Hört man das Album allerdings nach späteren Speed-Thrash Klassikern zum ersten Mal, wird man nur schwer einen Zugang finden, geschweige denn Begeisterung verspüren. Vor allem der Sound und auch auch so mache ausgedehnte Gitarrenstelle nerven zunehmend, obwohl alle charakteristischen Merkmale der Band zu hören sind, wenn auch ohne echte Struktur.

  3. Nici67 sagt:

    Hell Awaits ist zwar ein gutes und auch wichtiges Album für Slayer in ihrer frühen Schaffensphase, aber das ganz grosse Meisterwerk ist es nicht. Das haben Slayer dann mit Alben wie Reign in Blood oder Seasons in the Abyss vollbracht.
    Vor allem die Produktion finde ich nicht gut, das nimmt einiges an Hörgenuss weg und abgesehen vom Titeltrack finden sich hier auch keine wirklichen Klassiker wie Angel of Death oder War Ensemble.

    8/10
  4. nili68 sagt:

    Halt eines der frühen extremen Metal-Alben. Wenn man will, kann man da deshalb ’ne Art „Magie“ drin sehen. Aus heutiger Sicht und wegen dem Pionierstatus verzichte ich auf eine Wertung, die rein der Nostalgie geschuldet wäre.

  5. Berthold.Brechteisen sagt:

    Show No Mercy, Hell Awaits, Reign In Blood, South Of Heaven und Seasons In The Abyss sind für mir klare 10/10.
    Der recht Hall lastige Sound ist zwar gewöhnungsbedürftig, davon aber abgesehen find ich nichts dran zu bemängeln.
    Schön Kurzweilig und noch eine spur kerniger als Show No Mercy.
    Hell Awaits höre ich auf jeden Fall immer wieder gern, kann man auch heute mit etwas Eingewöhnung sehr gut hören und hat seinen Kultstatus absolut verdient.

    10/10
  6. MetalGerhardt sagt:

    Es ist gut, aber für meinen Geschmack ist es auch nicht soo gut. Finde es eigentlich schade, dass man die Heavy-Metal-Anteile des Debüts gestrichen hat, denn gerade die melodischen Parts machten die ansonsten eher aggressive Musik doch abwechslungsreich. Mein Problem mit „Hell Awaits“ ist jedoch seine unnötige Sperrigkeit. Besonders die 6-Minüter stehen der Band, meiner Ansicht nach, nicht gut, weil sie nie auf den Punkt kommen und länger sind, als notwendig. Geht es mal etwas kürzer zur Sache, wie in „Necrophiliac“, punktet das bei mir persönlich mehr. Es bleibt natürlich ein gutes und für damalige Verhältnisse extremes Album, aber das Debüt gefiel mir etwas besser!

    7/10