Slime - Zwei

Review

Galerie mit 13 Bildern: Slime - Metal Frenzy Open Air 2022

Deutschpunk und SLIME sind zwei nahezu untrennbare Begriffe. Kaum eine Band hat das Genre derart beeinflusst. Diverse Veränderungen gab es in mehr als vier Jahrzehnten Bandgeschichte. 2020 verabschiedete sich der langjährige Frontman Dirk Jora und mit Tex Brasket gibt es eine neue Stimme am Mikrofon. Die ansonsten stabil gebliebene Besetzung fügt mit „Zwei“ ein neues Werk der Diskografie hinzu.

SLIME zwei oder SLIME „Zwei“?

Die Scheibe anno 2022 nennt sich „Zwei“. Wer die Band kennt, der wird sich eventuell an das Debüt Anfang der 80er erinnern. Der Name war „Slime I“. So stellt sich die Frage, ob „Zwei“ in Richtung des 80er Debüts geht oder ob Bandname und Titel als eine Message verstanden werden soll. Ist „Zwei“ als ein Neustart mit Brasket, sozusagen die zweite Version von SLIME mit neuem Sänger, anzusehen?

Wer Anarcho-Punk mit schrägen Gitarrentönen und simplen Drums im Style der 80er Jahre erwartet, der wird auf „Zwei“ nicht fündig. Ebenso ist Brasket keine Kopie oder Interpretation von Jora. Brasket interpretiert die Songs anders und gibt SLIME einen moderneren Touch, welcher sich an anderen Genrevertretern orientiert. Es gibt Punk Rock, dass bedeutet das die Gitarren die Töne treffen und die Songs nicht nur geschrien werden.

„Komm Schon Klar“ wurde bereits als Single veröffentlicht, Punk Rock mit typischen Themen über das Leben auf der Straße. „Nix Von Punkrock“ beschreibt das Gefühl, was primär der Antrieb für die Art von Musik ist. Es geht um das Spüren der Musik, auch wenn es an der ein oder anderen Stelle unrund ist. Das SLIME 2022 auch ganz anderes können zeigt „Taschenlampe“. SLIME mit Akustikgitarre klingt spannend, textlich wird der Bogen zu einem Track wie „A.C.A.B.“ und dem nach wie vor aktuellen Thema des bezahlbaren Wohnraums geschlagen. Der Song ist mehr Alternative Rock als Punk Rock, welchen SLIME stark interpretieren.

Direkt anschließend gibt es mitten in die Fresse. „Mea Culpa“ würde sich von der Aggressivität auch gut auf einer Scheibe wie „Schweineherbst“ machen. Brasket rotzt den Text über den sexuellen Missbrauch in den Kirchen raus und gibt der Hörerschaft das Gefühl, dass sein Mageninhalt gleich auf dem Boden liegt.

Andere Nummern zünden textlich weniger. „Outlaw“ dürfte live bezüglich der Melodie gut funktionieren, ansonsten verwundert ein Refrain über Ehre, Freundschaft, Bluten, Kämpfen und Anschaffen gehen, welches ein Outlaw-Leben eher glorifizierend rüberkommen lässt. „Sein Wie Die“ holt erneut die akustischer Gitarre raus. Der erhobene Zeigefinger mit dem Refrain „Lass uns niemals sein wie Die“ klingt mehr nach Phrasendrescherei als Inhalten. Melodischer, eingängiger Punk Rock mit den typischen Punk-Rock-Themen wird der Hörerschaft bei „Weil Fickt Euch Alle“, „Weggefegt“, „Wut Im Bauch“ oder „Auf Die Jagd“ auf die Ohren gehauen. Die Neuaufnahme von „Ebbe Und Flut“ zum Abschluss könnte auch auf einer Scheibe von MASSENDEFEKT oder SONDASCHULE zu finden sein.

„Zwei“ ist mehr SLIME 2.0 als SLIME „Zwei“

„Zwei“ zeigt SLIME als modernisierte Punk-Rock-Band, bei der gesellschaftskritisch der Blick auf verschiedene Themen gewagt wird. SLIME anno 2022 klingen nicht wie SLIME aus den 80ern. Der moderne Anstrich tut SLIME gut, wird die Fangemeinde der 80er Jahre jedoch spalten. SLIME anno 2022 wollen von der heutigen Gesellschaft gehört werden und liefern die passende Musik dazu. SLIME und „Zwei“ sollte vielmehr als SLIME 2.0 interpretiert werden. Die Band klingt anders, frischer und moderner als mit Jora am Mikrofon auf zum Beispiel „Wem Gehört Die Angst“ und legt einen vielversprechenden Neustart hin. Wer mit Punk Rock etwas anfangen kann, sollte „Zwei“ unvoreingenommen sein Gehör schenken.

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2 Kommentare zu Slime - Zwei

  1. sardine sagt:

    Ich hab beim ersten Song den ich mit dem neuen Sänger gehört hab noch gedacht dass das gar nicht passt und es eben nicht mehr Slime ist.
    Nach dem dann der zweite neue auch draußen war hab ich mir die Platte geholt denn damit hatten sie mich dann doch. Und die ganze Platte enttäuscht nicht, klar, das ist nicht mehr Slime aus den 80’er Jahren aber das wäre eben auch nicht mehr passend. Jeder darf und soll sich entwickeln.
    Aber was ich nach mehrfachem hören nun sagen kann/muss, ist, dass der neue Sänger dem ganzen einen neuen Anstrich gibt und der Musik einen Anstrich verpasst, der den letzten Slime Alben absolut gefehlt hat. Das wirkte alles irgendwie gezwungen, und nun dank Tex irgendwie wieder frisch und mit Freude daran, das wirkt wieder echt und ehrlich so wie wenn alle da richtig Bock drauf hatten.
    Das ging den letzten Alben verloren.
    Meiner Meinung nach hat sich Slime nun wieder als Band gefunden, musikalisch und vor allem textlich waren sie wie ich finde seit der Zeit als noch S. Mahler für die Texte und den Großteil der Musik verantwortlich war nicht mehr. Das ist sicher zum großen Teil der Verdienst von Tex (ohne hier Dirk schlecht machen zu wollen). Es bleibt nur abzuwarten wie nachhaltig das ist, denn viele der Songs auf dem Album hat Tex geschrieben in der Zeit als er noch als obdachloser Straßenmusiker unterwegs war, davon zeugen auch viele der Texte. Wie groß sein Repertoire noch ist von dem sie schöpfen können und ob sie zusammen neue ähnlich gute Ideen haben werden das bleibt abzuwarten.
    Dennoch für mich die beste Slime Scheibe seit „Schweineherbst“.

    8/10
  2. ad-ryan sagt:

    Slime?!
    Neuer Sänger? Kann das noch Slime sein? Welche Berechtigung haben die übrigen Slime-Mitglieder den Namen weiter zu tragen. Ist das nur Marketing oder ist Slime eben mehr als Dicken bzw. die Stammformation? Die Bandmitglieder wechselten ja vorher auch schon, nur Elf und Dicken waren (fast die ganze Zeit) dabei. Klar ist es etwas anderes wenn der Schlagzeuger wechselt, als wenn sich die Stimme ändert.
    Diese Fragen sind natürlich der Kern der Auseinandersetzung mit dieser Platte und ggf. der Zukunft der Band.
    Die Kritik, dass es Etikettenschwindel sei oder nur Rock und kein Punk gespielt wird, halte ich für Quatsch (Etikette tötet ;o). Aber irgendwas ist anders, klingt anders und fühlt sich auch irgendwie anders an.
    Nach dem min.50x Durchhören kann ich dieses „anders“ auch ganz gut beschreiben (denke ich): Slime hat immer unpersönlich, für uns alle geschrieben. „Wo man ist, es ist zu kalt“, „legal, illegal scheißegal“, „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“, „Wir leben in einem Alptraum, der Gewinner wird der Selbstmord sein“, „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ usw. „Wir“ gegen „die“. Es wurde nie aus der Ich-Sicht gesungen. Niemals hat Dirk blicken lassen, wer er selber ist (vielleicht weil die Texte eben auch nicht von ihm waren). Ausnahme bildet vielleicht „ich war dabei“, aber das lässt uns nun auch nicht in seine Seele gucken und genau das ist der Hauptunterschied vom „neuen“ zum „alten“ Slime.
    Nun haben wir einen Sänger, der SEINE Texte schreibt, der seine Geschichte erzählt, der erzählt wie es ihm geht, wie er sich fühlt – natürlich alles mit links-anarchistischer Attitüde. Der Vorteil jetzt, man kann die (meisten) Lieder auf sich selbst beziehen, man sieht sich im Spiegel in einer kranken Welt. Wenn der das darin schafft, dann schaff ich das auch. Gut, er hat auf der Straße gelebt, ich nicht, aber ankotzen kann mich die Ignoranz der Vorbeigehenden genauso. Verzweifeln an der Salonfähigkeit von rechtem Gedankengut, tu ich auch. Ja er ist zurecht wütend auf die arrogante Gesellschaft, sauer auf die leer stehenden Häuser, während Menschen draußen erfrieren, auch ich möchte mich da gerne verpissen, so dass mich keiner mehr findet. All das glaubt man Tex Brasket, glaubt es „Slimes Neuem“ kann es nachfühlen und genau deshalb ist die Platte so gut, so authentisch, so ehrlich (das häufigste Wort, wenn man durch die Rezensionen schweift), man glaubt ihm, weil er es erlebt hat und aus seiner Sicht und Erfahrung erzählt.
    Ist das noch Slime wie früher? Ganz ehrlich? Eigentlich nicht. Slime war immer mehr das Plakat, auf dem die Parole steht, statt eines intimen, gesellschaftskritischen Romans eines Erzählers.
    Aber: Beides soll den Hörer aufrütteln und zum Widerstand gegen Ungerechtigkeiten und Ausbeutung aufrufen! Beide Wege können das theoretisch auch – aber eben auf ganz unterschiedlichen Wegen.
    Ist das noch Slime? Ich weiß es nicht. Es ist sicher anders als das Altbekannte.
    Ist das gut? Auf alle Fälle – so gut wurde auf noch keiner Slime-Platte gesungen und getextet. Die musikalische Reife, die Message alles passt und ist nach wie vor politischer Punk-Rock.
    Ich find’s richtig klasse und hoffe die hauen noch ein paar Platten dieser Qualität raus: 10 von 10

    10/10