Spell - Wretched Heart

Review

Galerie mit 15 Bildern: Spell - Headbangers Open Air 2024

Die kanadische Band SPELL stellt mehr als ein halbes Jahrhundert nach seinem Bestehen eine wichtige Frage: Was genau ist Heavy Metal? Ist es eine Art Glaubenssystem? Ist es etwas, das als Museumsstück betrachtet werden sollte oder als Ausstellung in einem Museum? Oder ist es, um Christopher Lees Due de Richeleau in „The Devil Rides Out“ zu paraphrasieren: „Eine lebendige Kraft, die jederzeit in der Nacht zuschlagen kann„? Passend zu der Fragestellung veröffentlicht das Quartett „Wretched Heart“, dass mittlerweile fünfte Studioalbum der Truppe.

Was genau ist Heavy Metal?

Wer sich auf den bekannten Festivals für klassischen Metal rumtreibt, der bekommt in einem gewissen Rhythmus immer die gleichen oder ähnlichen Headliner serviert. Was kommt aber nach IRON MAIDEN, SAXON oder auch AMON AMARTH? SPELL haben darauf ihre eigene Antwort, die Heavy Metal als ein regressives Genre per Definition ansehen. Die Kanadier vermischen verschiedenste Einflüsse auf „Wretched Heart“ zu einem sehr speziellen und eigenen Sound.

„Dark Inertia“ eröffnet die neue Platte und kommt mit einer Hard-Rock-Schlagseite daher, ist aber im Gegensatz zum Nachfolger relativ gradlinig. Wie SPELL Heavy Metal 2026 interpretieren haben die Herren bei „Lilac“ verewigt. Synthesizer, eingängige Melodie und nasaler Gesang, der nur bedingt die Erwartungshaltung bezüglich Metal-Musik entspricht. Der Mix liegt irgendwo zwischen AOR, Melodic Rock und Hard Rock mit metallischen Akzenten, aber der gesamte Sound kommt mit einer sehr eigenen Note daher.

Das nachfolgende „Take My Life“ grüßt mit Saitenarbeit, die deutlich mehr metallische Aspekte liefert. Spätestens beim Refrain gibt es einen Spagat zwischen Melodie und Metal, der nicht in jeden Gehörgang passen wird. „Unquiet Graves“ fischt unverhohlen bei Genregrößen des Dark Rocks und Dark Waves, allen voran DEPECHE MODE, und verknüpft die Ansätze mit der NWoBHM. Was auf dem Papier nach einer wilden Mischung klingt, präsentiert sich auf dem Plattenteller absolut gelungen. „Oubliette“ knüpft an seinen Vorgänger an, legt den Hebel in Richtung Saitenarbeit und präsentiert sich als der bisher metallischste Track.

AOR, Gothic und Industrial meets Heavy Metal

Die ersten Töne von „Iron Teeth“ lassen etwas aus Gothic, Industrial oder ähnlicher Richtung erwarten. Die Nummer fängt sich nach einigen Sekunden, trotzdem folgt nach der metallischsten Ausrichtung die große Experimentierfreude und dürfte die Gatekeeper auf den Plan rufen. AOR meets Synthi-Pop? „Exquisite Corpse” klingt anfänglich nach aktueller Hitparade. Wie beim Vorgänger glätten die Protagonisten die Nummer, gewöhnungsbedürftig ist das Ding aber trotzdem.

Der Dark-Rocker „Savage Scourge” geht nach dem vorherigen Stilmix glatt durch, bevor ein Interlude zum Titeltrack überleitet. Wie auf der gesamten Platte setzen SPELL auch zum Abschluss auf ihre eigene metallische Interpretation, wo jede Hookline sitzt, der Synthesizer glüht und der Gesang nicht nur für Beifall sorgen wird.

Sind SPELL und „Wretched Heart” Rock, Metal oder Pop?

Diese Interpretation dürfte unterschiedlich ausfallen. SPELL und „Wretched Heart“ sind kein Material, was es an jeder Straßenecke im Dutzend gibt. Experimentierfreudig, aber eingängig, dazu düster mit einem elektronischen Einschlag. Wer SPELL jetzt in die Schublade Gothic und Elektronik steckt, bekommt Sachen wie „Oubliette“ um die Ohren gehauen, die in diese Schublade nicht hineinpassen.

SPELL haben mit ihrem fünften Studioalbum einen sehr eigenen Sound erschaffen. Damit hebt sich die Platte von der monatlichen Release-Schwämme mehr als nur ab. Mutiges Songwriting, aber trotzdem der Scope auf Eingängigkeit, verschmolzen mit metallischen und elektronischen Elementen. Gatekeeper werden laut aufschreien. Wer open minded ist, sollte die Platte unbedingt antesten.

Shopping

Spell - Wretched Heartbei amazon17,98 €
24.04.2026

Ein Leben ohne Musik ist möglich, jedoch sinnlos

Shopping

Spell - Wretched Heartbei amazon17,98 €

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 38420 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Off Topic
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

Kommentare