The Evpatoria Report - Golevka

Review

Im ukrainischen Eupatoria (oder Yevpatoria) befinden sich die Kontrollzentren der zivilen Weltraumbehörde. Ich würde ja jetzt gerne mit einer netten Anekdote ankommen, irgendeine obskure Verschwörungstheorie aus dem Hut zaubern, von Abhörstationen die genau mitschneiden, wenn irgend ein Alphornbläser aus Kuhfladen Rohrbomben basteln will, oder von einer bevorstehenden Invasion kommunistischer Aliens, die sich aber aufgrund zu hoher Spritpreise das Ganze mit dem Weltumsturz nochmal überlegen. Nix da. Der genaue Hintergrund des Namens bleibt mir, wie wohl den meisten Leuten verborgen, und trotzdem klingt er irgendwie cool. Die NSAU hat Russland mit Militärsatelliten versorgt, also muss da irgendwas geheimnisvolles dran sein.

Vielleicht ein Spionagebericht über diese Schweizer Band, die mir vor etwa zwei Jahren zum ersten Mal im Ohr auftauchte. Das kleine Label Shayo hat damals einen MP3-Sampler auf seiner Webseite veröffentlicht, und während mich der größte Teil davon nicht sonderlich begeistern konnte, erwischte es mich mit einer einzigen Band umso mehr: THE EVPATORIA REPORT.

Zwei Songs, die mehr als zwanzig Minuten auf dem Sampler verbuchten. Und die so viel mehr Wirkung hatten. „Taijin Kyofusho“ und „Dipole Experiment“ waren zwei dermaßen mächtige Songs, wie ich sie nur selten zuvor erlebt hatte. Instrumentaler Post-Rock ohne Gesang (dafür in „Dipole Experiment“ mit einem wahrhaft hinreißendem Chor) mit starken, akustischen Gitarrenlinien, warmen Keyboardflächen und zerbrechlichen Violinenklängen. Unglaublich.

Dass das Album ziemlich schwer zu bekommen war (und derzeit leider ausverkauft ist), steigerte meinen Drang nach dieser Musik umso mehr. Ich musste dieses Album, „Golevka“, einfach haben! Nach einiger Zeit des Suchens fand ich dann endlich einen Mailorder, ließ mir die CD per Post liefern – und hatte damit einen unscheinbaren, aber hochintensiven Edelstein erhalten.
Die fünf Schweizer haben sechs derart packende Kompositionen erschaffen, dass man eine Gänsehaut nach der anderen bekommt, so sehr geht die Musik ins Herz, direkt ins Zentrum. Man merkt gar nicht, dass der Gesang fehlt — weil er eben nicht fehlt. Wie bei den genialen THE CANCER CONSPIRACY sprechen und singen hier die Instrumente, scheinbar wie losgelöst von den Musikern, die sie bedienen.
Und was sie da spielen, ist eigentlich mit nichts zu vergleichen. Hier und da ein paar Reminiszenzen an den zweiten Teil von „How To Measure A Planet?“, aber sonst? Mir fällt dazu nichts weiter ein, sondern ich verharre in tiefer Bewunderung vor diesem Meisterwerk. Sechs Gefühlsepen, sechs Dramen, sechs Tragödien, sechsmal das Paradies auf Erden. Eine Stunde, um die Augen zu schließen und auf Traumwellen hinwegzuschweben.

‚Golevka‘ ist im Übrigen der Name eines erdnahen Asteroiden. Und wenn ich den Vergleich wage, dass eine Kollision mit der Erde in etwa das widerspiegelt, was einem gefühlsmäßig beim Hören dieses Albums passiert, dann klingt das nur wie eine Übertreibung.

05.03.2008

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