The Temperance Movement - A Deeper Cut

Review

Der Süden der USA ist schon lange nicht mehr die alleinige Heimat von handgemachtem, ehrlichem Bluesrock. THE TEMPERANCE MOVEMENT aus London sind exzellentes Beispiel dafür. Die Briten, benannt nach der Abstinenzbewegung des frühen 20. Jahrhunderts, haben bereits auf ihrem selbstbetitelten Debüt und dessen Nachfolger „White Bear“ bewiesen, dass sie das nötige Handwerkszeug besitzen, um einen überzeugenden Sound zu kreieren. Mit „A Deeper Cut“ präsentieren die Jungs um Sänger Phil Campbell (Nein, nicht der MOTÖRHEAD-Gitarrist) nun ihr drittes Album.

 „A Deeper Cut“ – es rockt, es kratzt, es kuschelt…

Bereits der Opener „Caught in the Middle“ geht passenderweise voll durch die Mitte. Ein simples, aber vermutlich gerade deswegen so einprägsames Riff, rauchiger Gesang aus voller Kehle und ein kurzes, aber nichtsdestotrotz nach vorne preschendes Gitarrensolo – so geht Rock im Jahr 2018. „Built-In Forgetter“ kombiniert den gewohnt rauen Sound der Band mit dem wundervoll melodischen Chorus, der so ohne weiteres auch aus einer Rockhymne der 70er-Jahre hätte stammen können. Auch „Love and Devotion“ klingt eindeutig nach THE TEMPERANCE MOVEMENT und macht zeitgleich deutlich, wie viel Herzblut Frontman Phil Campbell in dieses Album gesteckt hat. Seinen eigentlichen Höhepunkt erreicht der Song jedoch erst gegen Ende: die harmonischen Southern-Rock-Akkorde à la LYNYRD SKYNYRD drücken dem Lied definitiv nochmal ihren eignen Stempel auf.

Der Titeltrack „A Deeper Cut“ ist die erste von einigen ruhigeren Nummern auf dem Album. Besonders der äußerst gefühlvoll gesungene Chorus verleiht der Rockballade einiges an Authentizität, gleichzeitig kommt sie aber nicht wirklich an die vorherigen Tracks heran. „Backwater Zoo“ beginnt mit ruhigen Klaviertönen, entwickelt sich dann aber relativ schnell zu einem herausragend-mitreißenden Kracher, der danach klingt, als hätten ELTON JOHN und ein schwarzer Gospelchor gemeinsam ein Lied geschrieben. Der Song macht so sehr Laune, dass es einem wirklich schwer fällt, nicht mitzuklatschen.

„The Way It Was and the Way It Is Now“ schaltet einen Gang zurück, rockt trotz allem dennoch ordentlich. Die Jungs aus Großbritannien zeigen eindrucksvoll, dass ihnen jedes Tempo, jedes Tongeschlecht und jede Lautstärke liegt. Mit „Children“ liefern THE TEMPERANCE MOVEMENT den einen wunderbar persönlichen Song. Das sanfte, dahinfließende Klavierspiel, untermalt vom dezenten Beat der Drums, harmoniert perfekt mit den kraftvollen Vocals und sorgt so für den ein oder anderen Gänsehautmoment. „There’s Still Time“ ist wohl fraglos die emotionalste Nummer auf „A Deeper Cut“. Während das Lied anfangs aufgrund des schwermütigen Zusammenspiels von Akustikgitarren und Piano ein wenig an den Sound von Britrock-Größen wie OASIS erinnert, entfaltet es sich im weiteren Verlauf zu einer gefühlvollen, außerordentlich authentischen Ballade. Jeder noch so kleine Ton sitzt perfekt. Hier stimmt wirklich alles.

THE TEMPERANCE MOVEMENT – das Schweizer Taschenmesser des Bluesrocks

Nein, THE TEMPERANCE MOVEMENT liefern mit Album Nummer drei sicher noch keinen frühen Kandidaten für das Album des Jahres, müssen aber dennoch in höchsten Tönen gelobt werden. Kein Song gleicht dem anderen, auch wenn die gefühlvolleren Nummern des Albums sich in ihrer Qualität doch merklich unterscheiden. Während das Album zu Beginn eine Reihe rockender, vor Kraft strotzender Songs beinhaltet, fehlt gegen Ende dann doch noch der ein oder andere Stimmungsmacher. Nichtsdestotrotz glänzt das Gesamtwerk durch sein Facettenreichtum, coole Riffs, unvergleichlich kraftvollen Gesang und einem Haufen Emotionen. „A Deeper Cut“ bietet den bestmöglichen Soundtrack für (fast) jede nur erdenkliche Situation: sei es ein durchzechter Abend in einem verrauchten Pub, ein Roadtrip über staubige Highways, der Moment, in dem man nach einer Trennung weinend einen Becher Eiscreme vertilgt oder eben zum Liebe machen.

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06.03.2018

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