Thorondir - Wächter Des Waldes

Review

Galerie mit 21 Bildern: Thorondir - Skaldenfest Open Air 2019

Es gab Zeiten, da war Pagan Metal noch kein peinlicher Schunkel-Blödsinn mit Plastik-Humpen, Humppa-Gehopse und aufgesetzter Lagerfeuerlaune. Genau an diese Phase erinnern THORONDIR auf ihrem vierten Album „Wächter des Waldes“ erstaunlich deutlich. Die Oberpfälzer klingen hier nicht wie eine Band, die auf dem nächsten Mittelalterfest den Metstand beschallen will, sondern wie eine Truppe, die wieder weiß, dass Wälder, Sagen und Mythen in erster Linie bedrohlich, rau und dunkel sein sollten.

Thorondir steht für Pagan Metal ohne Klamauk

Schon das Intro „In der Tiefe des Waldes“ macht die Richtung klar: Klavier, Trommeln, orchestrale Schatten, ein bisschen Nebel zwischen den Bäumen. Danach fährt „Drudenfluch“ aber nicht gemütlich weiter, sondern knallt direkt los. THORONDIR wirken härter, fokussierter und schwärzer als den Vorgängern „Des Wandrers Mär“ oder „Aus Jenen Tagen“. Die Gitarren drücken, die Drums treiben, Kevin Wienerl keift und growlt sich mit hörbarer Überzeugung durch die Stücke. Besonders stark ist, dass die Band nicht nur auf Raserei setzt, sondern immer wieder Tempo herausnimmt, flüstert, stampft oder melodische Passagen einbaut.

Überhaupt lebt das Album stark von seinem Wechselspiel. „Blut und Ruhm“ galoppiert mit ordentlich Melodie nach vorne, „Rübezahl“ bringt diese leicht kantige, alte Keyboard-Epik mit, und „Bruder Hain“ gehört zu den Stücken, bei denen die Mischung aus Schwärze, Pathos und Eingängigkeit besonders gut aufgeht. Die Atmosphäre liegt dabei gar nicht so weit weg von MENHIR oder XIV DARK CENTURIES, also von jener Phase, in der Pagan Metal noch ernsthaft nach Wald, Schlacht und Sage klang und nicht nach Festival-Klamauk. Hier und da blitzen auch ENSIFERUM oder frühe AMON AMARTH auf, aber THORONDIR kopieren nicht bloß, sondern setzen ihre oberpfälzische Waldkante dagegen.

„Wächter des Waldes“ ist finsterer als erwartet

Thematisch greifen sie tief in Mythen, Sagen und Naturbilder: Druden, Rübezahl, Wilder Jäger, Bruder Hain, Perchta, Baldur. Das wirkt nicht bloß wie eine Liste aus Wikipedia-Folklore, weil die Songs dazu den passenden Ton treffen. „Morast“ stampft schwer und finster, „Perchtas Schatten“ zeigt die variablere Seite des Gesangs, und „Geisterheer vom Fichtelwald“ verbindet Druck mit melodischem Nebel. Nicht jeder Keyboardmoment klingt edel, und manches Pathos kratzt knapp an der Grenze, aber gerade diese Ecken geben dem Album Charakter.

„Wächter des Waldes“ ist sicher kein makelloser Genreklassiker, aber ein überraschend starkes, ehrliches Pagan-Black-Metal-Album. Rau, melodisch, düster und mit genug Druck, um nicht nur in Nostalgie zu versacken.

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25.05.2026

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