Tortuga - Flying Dutchman

Review

Uff. Auf den ersten Hör klingt das, was die Saarländer TORTUGA auf „Flying Dutchman“ fabrizieren, wie Musik zum schmerzerfüllten Zähneknirschen. Die Produktion ist auf Demo-Niveau, die Artikulation des Gesangs stark akzentuiert und die stilistische Windrichtung des Kahns ein bisschen unbeständig. Und Sprüche wie der des auf der Bandwebseite hinterlegten „Kaperbriefs“, die Band „[stamme] aus der Saaribik und [spiele] Heavy‘N‘Roll“ lassen schon Klamauk der Marke MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN befürchten. Aber dem ist tatsächlich nicht so.

TORTUGA spielen überraschend kompetenten, zumeist traditionell gehalten Metal mit Piraten-Thematik und sind damit mehr im wenn auch sehr weiten Umfeld von RUNNING WILD zu verorten. Unterschiede und bereits erwähnte, stilistische Abweichungen gibt es durchaus. Das offensichtlichste Alleinstellungsmerkmal ist der Gesang von Kapitänin Mary Read mit gelegentlichen Anlehnungen an typische Female-Fronted-Vocals, vor allem dann wenn mehrstimmige Gesangslinien ins Spiel kommen. Aber auch die gelegentliche Abzweigung in gerne mal albernes Folk-Metal-Territorium wie in „Code Of Conduct“ hebt die Saarländer von Rock ’n‘ Rolfs Crew prägnant ab.

TORTUGA lassen Klamauk befürchten, aber liefern durchaus kompetenten Freibeuter-Metal

Qualitativ sitzt natürlich nicht alles bei der Dame und den Herren, abgesehen von der Produktion gibt es durchaus Cringe bei den Texten wie „Parley“, sowie die teutonische Akzentuierung bei den englischen Texten, die teilweise so stark durchscheint, dass es vom eigentlichen Song ablenkt. „FSM“, was für „Flying Spaghetti Monster“ steht, ist so ein Beispiel, macht aber immerhin als punkiger Rocker durchaus was her. Daneben gibt es auch durchgängig brauchbare Hits, von denen „Stowaway“ und „Stormriders“ zu den schillernderen Beispielen gehören. „Shark Of The Dark“ geht auch in Ordnung, wenn man sich nicht am „Reim Dich oder ich fress Dich“-Songtitel stört. Gänzlich schenken kann man sich dagegen die Quotenballade „A Place Behind The Sun“.

Eine gemischte Tüte also, was aus dem karibischen Saarland hier aufgetischt wird, allerdings zeigt die qualitative Tendenz hier durchaus nach oben, weshalb TORTUGA durchaus einen Hör wert sind, wenn man sich mit den ungeschliffenen Ecken und Kanten abfinden kann.

27.06.2021

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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