Totalschaden - Lecker Eiscreme

Review

Okay, ich gebe zu: meine Erwartungen an die Musik dieser vier humorbelasteten Schwaben verliefen dank geistschwangeren Band- und Albumnamens analog zum bereits leicht desinteressiert abgenickten Niveau des Covers: so etwa in Knöchelhöhe. Aber gerade dieser erste Eindruck nährte ja immerhin auch noch die leise Hoffnung auf eine scham- und sinnlose Nonsens-Offensive a lá KNORKATOR oder J.B.O. – aber leider lautete die erste bittere Erkenntnis: Punkrock. Dieser wird hier den Attributen seiner deutschen Adepten (ganz besonders der der aufstrebenden Anti-Talente aus der politisch linken Protest-Fraktion) voll und ganz gerecht: Zweitklassige Akkord-Zyklen, klassische Blues-Schemata noch und nöcher und talentverschonte Vocals („Okay, wer von uns kann am besten singen?“), die sich aber nahtlos in das übrige Geschehen einpassen. Das einzig wirklich Respekteinflößende ist die Produktion, die mit etwas semi-nostalgischer Sentimentalität eigentlich ausschließlich auf einem 60min-Tape genossen werden will: so schön mittig die Gitarren, so wunderbar detaillos konzentriert sich das Geschehen auf die unaufregenden Kompositionen! Die Möglichkeiten des „geliehenen Studiomaterials“ jedenfalls wurden offensichtlich optimal ausgereizt. Die liebenswürdig blödsinnigen bis dümmlichen Texte behandeln tief ergreifende Materie wie Seitensprünge von Stubentigern in „Nachbars Kätzchen“, nach Eiscreme gierende Höllen-Vorsteher („Böses Lied“), überalkoholisierten Fabelkreaturen („Boozy the Hobbit“) und „Sonnenbrand im Schrittbereich“. So richtig traditionell unüberzeugend wird es zudem dann in „Wenn wir alle sterben“ mit einer resignierten Defätismus-Ballade, die den Zuhörer nach bester Punker-Sitte aufklärerisch mit der „Realität“ zu konfrontieren versucht. Dieser Song gibt allerding eine eindrucksvolle Vorstellung von dem, was von „Totalschaden“ unter Substraktion des verfochtenen Humors bliebe: 8 Jahre musikalischer Entbehrlichkeit. – Fazit: Auch solche Freizeit-Verfechter des Arme-Leute-Schwachsinns haben allemal ihre Existenzberechtigung, denn es gehört schon eine zünftige Portion Rotz & Trotz zur Verteidigung von Schwachsinn nach solch plattem Muster, und den Spaß an der Freud‘ möchte ihnen niemand nehmen – und deshalb sollte sie ein bloßer 3er bei metal.de eigentlich auch nur zum Festhalten am Konzept ermuntern.

19.10.2003

Der metal.de Serviervorschlag

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