Universum25 - Universum25

Review

Alle bekloppt geworden. 

Der Witzbildmaler Ralph Ruthe beschrieb es einst in einem seiner Cartoons äußerst treffend: “Und hier die Nachrichten: Alle bekloppt geworden. […]“

Ähnliches dürfte sich auch die Band UNIVERSUM25 bei Bandgründung und Fertigstellung des selbstbetiteltem Debüts gedacht haben. Die Welt geht vor die Hunde, die Menschen schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein und der Begriff “Weltschmerz“ bekommt einen ganz neuen Stellenwert bei der Betrachtung dieser Zustände. Daraus resultiert allerdings auf künstlerischer Ebene enormes Potential, was besagte Band offenbar mit Leichtigkeit ausschöpft. Denn “Universum25“ ist bereits im März 2023 einer der heißesten Kandidaten für das beste Album des Jahres.

Stilistisch kreieren UNIVERSUM25 einen ansprechenden Mix aus kompromisslosem Punk und groovigem Electro-Metal. Treibende Gitarren, dezente und gut platzierte Synthies und eine einmalige Gesangsleistung überzeugen von der ersten Sekunde an. Die fünf Herren, die für dieses spannende Potpourri verantwortlich sind, sind im Übrigen keine Unbekannten: Michael Robert Rhein (Gesang, IN EXTREMO), Rupert Keplinger (Bass, u.a. EISBRECHER), Pat Prziwara (Gitarre, FIDDLER’S GREEN), Gunnar Schroeder (Gitarre, DRITTE WAHL) und Alex Schwers (Schlagzeug, SLIME) bilden UNIVERSUM25. Doch eine hohe Qualität folgt nicht zwangsläufig aus einer Liste namhafter Persönlichkeiten – vom schaurig dystopischen “Am Morgen Danach“ bist zum leicht optimistischen “Horizont In Flammen“ sind die Songs selbst allesamt kleine Perlen.

Musik muss bewegen!

Musik ist genau dann gut, wenn sie etwas in der Hörerschaft bewegt. Auf diesem Album schafft es ausnahmslos jeder Song ein Gefühl auszulösen: Bei “Genug“ ist es Wut, bei “Die Leichen Der Zeit“ vermischt sich dies mit Ekel und “Vor Deiner Tür“ hinterlässt nach jedem Hördurchgang eine Spur aus verträumter Melancholie. Zu der Bandbreite an Emotionen, die UNIVERSUM25 gekonnt durch ihre Musik auslösen, gesellt sich stets ein Text, der nicht etwa abgedroschene Phrasen aneinanderreiht, sondern vielmehr durch intelligente Wortwahl und ausdrucksstarke Bilder auffällt.

Der inhaltliche Schwerpunkt der Texte liegt indes auf gesellschaftskritischen Themen, wie der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich (“Wir Warten“), Fremdenfeindlichkeit (“Die Leichen Der Zeit“) und Fake News und Verschwörungsideologien, wie sie im Albumhighlight “Harte Kost“ besungen wird. Brachial, episch und direkt wird mit verlogenen und manipulierenden Menschen abgerechnet. Wem diese kritischen Töne immer noch nicht reichen, bekommt mit “Der Traum Ist Aus“ ein TON STEINE SCHERBEN Cover serviert, das nichts an seiner Aktualität verloren hat. Der mittlerweile 50 Jahre alte Song zeichnet damals wie heute ein tragisches Bild der vom Menschen geschundenen Welt – thematisch düster, künstlerisch einmalig.

UNIVERSUM25 – All Killer, No Filler!

Zugegeben, wer mit Micha Rheins Stimme aus welchem Grund auch immer bereits bei IN EXTREMO Berührungsschwierigkeiten hat, wird sie wohl auch bei UNIVSERUM25 nicht ablegen können. Doch diesem Mann nimmt man jedes Wort ab, was er singt, egal ob er wütend oder tieftraurig ist. Zusammen mit einem fetten Gesamtsound, erstklassigen Texten und einer überzeugenden Botschaft wird hiermit eine Platte veröffentlicht, die ihres Gleichen sucht. Die Menschheit ist vielleicht bekloppt, aber UNIVERSUM25 machen das Beste daraus: ein bärenstarkes Debüt-Album!

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02.03.2023

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22 Kommentare zu Universum25 - Universum25

  1. doktor von pain sagt:

    Die zwei hier verlinkten Songs entlocken mir nicht mehr als ein Schulterzucken. Zehn Punkte? Man kann das Album sicher gut finden, wenn man mit dieser Musik was anfangen kann, aber man muss es ja nicht gleich völlig übertreiben.

  2. hevn sagt:

    Als ich die 10/10 gelesen hab, macht plötzlich auch die Überschrift Sinn.

  3. nili68 sagt:

    Persönlich ist es nicht wirklich mein Ding, aber es misst sich ja nicht alles am Maßstab einiger weniger Stile. 10 Punkte? Warum nicht. Unabhängig vom Geschmack höre ich schon eine gewisse Qualität heraus. Es gab schon „schlimmere“ hohe Wertungen.

  4. Watu sagt:

    Ich habe ja keine Ahnung von dem Punk Zeug’s, deshalb sollen die Know How Träger unter sich entscheiden, ob das wirklich so stark ist. Für mich war Punk aber immer zumindest ein Mindestmaß an Rebellion, Provokation, stellte sich gegen alle Konventionen etc. Das hier klingt so dermaßen angepasst, allein schon die Produktion kommt wie ein glattpolierter Doppelwumms daher. Wahrscheinlich bin ich mit meiner romantisierten Verklärtheit auch hier längst überholt worden und nicht mehr up-to-date. Ich bin jedenfalls gespannt, wann wir Universum25 im Duet mit Land of the Lost beim ESC bewundern dürfen. Black Metal ist Krieg! Punk ist Rebellion! Und beides zusammen ist scheinbar schon lange überholt.

  5. nili68 sagt:

    Punk Rebellion, Black Metal Krieg? Wenn man wirklich ’ne Aussage hat, etwas bewegen will, geht man in die Politik, ’ne Widerstandsbewegung oder so und jammert und krakeelt nicht nur aus der Sicherheit eines Aufnahmestudios heraus rum und erreicht nur eine Handvoll Sofarebellen.

  6. Watu sagt:

    Jede Kittelsen Troll Armee benötigt sein Waldschrattunterholzgeschrammel und jede anständige Widerstandsbewegung, einen authentischen Soundtrack für ihren Kampf gegen das System, gegen Marvel und natürlich für ein 9 Euro Ticket. :))

  7. nili68 sagt:

    Ich mein‘, für persönlichen Eskapismus/Katharsis/Allmachtsphantasien mag das ja seine Bedeutung, die ich nicht herunterspielen will, haben, aber man sollte da nicht mehr hinein deuten, als wirklich vorhanden ist. 😉 Oder die Musik gefällt einem einfach, ganz frei von irgendetwas Tiefgründigerem.. ohne jetzt tiefgründigere psychologische Maßstäbe anzulegen. Das führt aber schon wieder zu weit. Ich glaube, ich bin mental einfach nicht ausgelastet durch den stumpfsinnigen Alltag. 😀

  8. Watu sagt:

    „Oder die Musik gefällt einem einfach, ganz frei von irgendetwas Tiefgründigerem..“

    Ja, so etwas läuft dann im Büro, im Supermarkt oder im Paternoster…, da mache ich mir weniger Gedanken über einen tiefgründigen Backround. Wobei Paternoster Sounds ja schon wieder irgendwie kultig und durchaus anbetungswürdig sind! :))

  9. Uninvited Guest sagt:

    Dass das vlt nichts für Metal- Underground- Fans ist, sollte klar sein. Anerkennen kann man aber sicher, dass das professionelles Songwriting ist, die Hooks sind auch da. Kann ich wir das auf ner Demo als Song vorstellen, der von nem Wagen dröhnt? Warum nicht, wer in den 2000ern mal auf ner eher linksorientierten Demo war, weiß, dass da Punk musikalisch eher keine Rolle spielt. Wobei vlt auch zu erwähnen wäre, dass das musikalisch auch einfach kein Punk ist 😀 Hier mit den Maßstäben zu kommen, die mit einer persönlichen Vorstellungswelt aber nichts mit der Realität zu tun haben, halte ich für überzogen. Vor allem wenn man sieht aus welchen Menschen die Band besteht.
    Also lasst Leute Spaß damit haben, vlt finden einige jüngere sogar darüber Zugang zu Musik mit lauten Gitarren.

  10. ArtBeck sagt:

    Zum Review: das ist tendenziöser Müll. Kompromissloser Punk? Treibende Gitarren? Keine Ahnung, was Herr Weise sonst so hört, ist auch okay wenn ihn das bewegt (und dafür 10 Punkte verteilt) – nur hat es mit den zitierten Musikrichtungen imho nicht viel zu tun.
    Zur Musik: ähnlich wie DER GRAF es mit der Schlagerisierung des Goth-Rock zur Perfektion geschafft hat, kochen UNIVERSUM25 eine seichte, gefällige, wohlklingende Suppe aus Elektro, Rock und bravem Folk-Metal. Das ist bekömmlich und tut nicht weh, kann jedem schmecken und ist ja wirklich gut gemacht. Es ist nur soo beliebeig.

    6/10
  11. nili68 sagt:

    Extrem Metal und mittlerweile auch Prog/Avantgarde sind genau so beliebig. Da kann man oftmals auch eine Band durch die andere austauschen. Kein Wunder bei 8 Milliarden Menschen, von denen ein ganzer Schwung auch musiziert. „Euch“ gefällt das nur nicht, nicht hart, true, düster, schräg, was weiß ich genug. That’s it. Kompromisslos und treibend hängen halt auch davon ab, was man sonst so hört. Alles muss man in einem Kontext sehen.
    Ich würde dem persönlich auch keine 10 Punkte geben, aber die ganzen „Musik-Kenner“ die jetzt erklären wollen, was gute/schlechte Musik ist, sind fast noch alberner als eine subjektiv zu hohe Punktzahl.

  12. ArtBeck sagt:

    @nili68: Es nervt schon wieder – dieses Raddrehen und „du weißt doch, dass in China ein Sack Reis umgefallen ist“. Ich lasse dem Rezensenten doch seine 10 Punkte – ist okay. Dass ich es inhaltlich in Teilen aber für falsch halte, hab ich kurz ausgeführt. Was willst du mir sagen, wenn du mich darauf hinweist dass so vieles andere auch beliebig ist? Nennt sich „whataboutism“ und ist vor allem dazu geeignet, Diskussionen ad absurdum zu führen. Wenn jetzt noch Watu einsteigt, ist die Selbstdartstellungs-Polonaise wieder komplett. Es nervt hier ohne Ende. Oh….jetzt hab ich mich doch tatsächlich wiederholt. Ts ts ts….

  13. nili68 sagt:

    Ich finde whataboutism völlig legitim und, ich wiederhole mich auch, es ist doch eh alles nur Unterhaltung. Der Weltfrieden wird durch Onlinegeschwafel nicht herbei geführt und es nervt dich halt nicht genug, um darauf zu reagieren. Taten (oder das Unterlassen derselben) sprechen halt lauter als Worte. Zumindest, wenn man davon ausgehen kann, nichts damit zu erreichen. Forendiskussionen mit unterschiedlichem Standpunkt und ad absurdum sind eine logische Schlussfolgerung.
    So, Klugscheisserquantum für heute (hoffentlich) erfüllt. 😀

  14. onlythewindremembers sagt:

    Zum Glück erschien die Platte nicht bei NB, sonst wäre hier wieder was los. 😀

  15. blackthrash sagt:

    @onlythewindremembers, war mein erster Gedanke 🙂

  16. doktor von pain sagt:

    Hier ist auch so was los. Das ist ja oft so, wenn es volle zehn Punkte für ein Album gibt und nicht jeder diese Ansicht teilt. Wer hat damit überhapt angefangen? Oh…

  17. onlythewindremembers sagt:

    Für mich wären das auch keine 10 Punkte. Nicht mal 5. Aber wenn Herr Weise was damit anfangen kann und findet, dass das Ding 10 Punkte verdient, dann ist es eben so. Gibt hier sicher auch Dinger, die er schlechter bewerten würde als du, ich oder sonst wer, obwohl sie für unsereins eine 10/10 sind. Also naja, du weißt sicher, was ich damit sagen will.

  18. doktor von pain sagt:

    Dass Musikgeschmack subjektiv ist? Ja, das ist auch für mich keine neue Erkenntnis.

  19. Undzerfallenselbst sagt:

    Sorry, natürlich ist Musik Geschmackssache aber für eine Höchstwertung sollte doch schon etwas mehr dahinter stecken, als das es den Rezensent persönlich bewegt hat.
    Für mich taugt das nicht.

    5/10
  20. nili68 sagt:

    Was soll denn dahinter stecken? Soll der an ’ne Uni gehen und ’nen Musikprofessor fragen, welche Note gerechtfertigt ist, ’ne Volksbefragung machen oder gar dich fragen?

  21. Watu sagt:

    Also mit einer Sache darf sich jeder jetzt schon anfreunden. Dieses Projekt wird man in den nächsten paar Jahren beim ESC wiedersehen. Das war schon bei LOTL klar und ist auch hier mehr als eindeutig, wo die Reise hingeht.

  22. ubischubi sagt:

    Starkes Album. Ich muss zugeben, dass ich nach den ersten Single skeptisch war. Es klang so nach 08/15 Deutschrock Einheitsbrei. Gezündet haben die Nummern bei mir jedenfalls nicht. Lag aber auch daran, dass ich sie nur einmal gehört habe. Auf dem Album sind dazwischen allerdings so viele Nummern, die bei mir auch nach dem ersten Mal Hören direkt ins Ohr gingen, dass ich die Singles mittlerweile auch lieb gewonnen habe. Das Teil macht richtig Spaß.

    9/10