Voivod - Forgotten In Space

Review

Galerie mit 14 Bildern: Voivod - Leafmeal Festival 2016

Meister aller Klassen – von vielen verkannt. So könnte man die Kanadier von VOIVOD beschreiben. Die Band ist ein sich stetig wandelndes Chamäleon. Die Anfangstage sind geprägt von wütendem Metal, der eine ordentliche Portion Punk abbekommen hat und damit schon einmal aus dem Raster fällt. Später werden die Songs strukturierter und es kommen Einflüsse von u.a. PINK FLOYD zum Tragen. Alles in völlig eigenständiger Manier natürlich. Mit „Forgotten In Space“ gibt es nun ein schönes Boxset, welches die Alben der Band „Rrröööaaarrrr“ (inklusive der Live-CD „No Speed Limit Weekend“ von 1986), „Killing Technology“, sowie „Dimension Hatröss“ enthält. Dazu noch die längst vergriffene „Chaosmöngers“-DVD und ein Schmankerl für Fans in Form von den „Dimension Hatröss“-Demos. Value for money also.

Die Klassiker von VOIVOD

Die drei enthaltenen Alben sollten bekannt sein, wobei wohl gerade die vierte Scheibe der Band („Dimension Hatröss“) am geläufigsten ist. „Rrröööaaarrr“ zeigt eine noch wütende Band, die chaotische Stücke erstellt, wenn sie auch schon strukturierter sind als noch auf dem Debüt. Songs wie „Korgüll The Exterminator“ oder „Slaughter In A Grave“ zeigen die ersten Versuche, die berühmten Jazz-Akkorde des verstorbenen Gitarristen Piggy in den Sound einzubinden, sind aber noch recht roh und ungezügelt. Dagegen stehen Abrissbirnen der Marke „Ripping Headaches“, „Thrashing Rage“ oder „Fuck Off And Die“, die das Aggressionslevel sehr hoch halten und ohne Kompromisse daher kommen.

Das ändert sich auch auf „Killing Technology“ nicht wirklich. Abgesehen davon, dass das Gitarrenspiel von Piggy klarer in den Vordergrund rückt, was auch an der differenzierten Produktion liegt, die kaum Wünsche offen lässt. Nicht, dass die Band dadurch an Härte eingebüßt hätte. Nein, VOIVOD spalten noch immer Schädel. Nur eben mit einem besseren Sound. Klassiker wie „Killing Technology“, „Forgotten In Space“ oder „To Scared To Scream“ sprechen da eine deutliche Sprache.

Das vierte Album „Dimension Hatröss“ war dann irgendwie anders. Klar, die Thrash-Metal-Elemente standen noch immer im Vordergrund, aber ein wirklich guter Sound ließ dann auch Platz für Experimente. Zudem entdeckten VOIVOD Melodien für sich. Songs wie „Tribal Convictions“, „Chaosmöngers“ oder auch „Cosmic Drama“ sind für VOIVOD-Verhältnisse schon fast kommerziell, ohne dabei Zugeständnisse an irgendwelche Trends oder ähnliches zu machen. Das würde auch nicht zu der Band passen. An dieser Stelle kann man auf die CD mit den Demos verweisen, denn hier kann man gut hören, welche Melodien und Riffs Produzent Harris Johns im Nachgang noch verfeinert hat. Insgesamt ist die CD eigentlich nur etwas für Alles-Sammler, da der Sound der Demos schon sehr speziell ist. Demos aus den Achtzigern halt. Wie auch immer: Harris Johns hat den Sound der Jungs schön gerade gerückt, sodass eines der besten Alben von VOIVOD entstanden ist.

Das Bonusmaterial von „Forgotten In Space“

Das ist jetzt nur ein kurzer Abriss über die ersten Alben. Da es sich hier um ein Boxset handelt, werde ich nun auf das Bonusmaterial eingehen. Da wäre zunächst die vergriffene „Chaosmöngers“-DVD, die zum Teil als Doku über die Band gewertet werden kann, zum Teil aber auch als eine chronologische Abhandlung in Form von Videoclips, die soundmäßig nach hinten raus (der letzte Clip ist das PINK FLOYD-Cover „Astronomy Domine“ von „Nothingface“) natürlich besser werden. Als Zeitdokument ist das eine schöne Sache. Dazu bietet die DVD noch zwei weitere Konzerte, die aus den Jahren 1985 (Audio only) und 1988 stammen. Diese zeigen vor allem eines: Was VOIVOD in ihrer Jugend ‚für Noise-Terroristen‘ waren. Aber auch eher was für Sammler. Bleibt noch die „Rrröööaaarr“-Zugabe „No Speed Limit Weekend“ von 1986, die sich soundmäßig noch am besten macht, da man die Instrumente hier fast differenziert wahrnehmen kann.

Klasse Sache

Alles im allem ist „Forgotten In Space“ für Fans empfehlenswert, da hier echte Raritäten dargeboten werden. Zudem gibt es die CD-Version bei verschiedenen Online-Anbietern für ungefähr 30 Euro. Was eigentlich ziemlich fair ist, wenn man bedenkt, was man alles für sein Geld bekommt. Gut, um Lücken in der Sammlung zu schließen. Wer sich nun fragt, warum das Debüt „War And Pain“ nicht im Set enthalten ist, dem sei gesagt, dass das Debüt damals bei Metal Blade erschienen ist. Das ist aber eine andere Geschichte …

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02.08.2022

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