Wayfarer - A Romance with Violence

Review

Soundcheck Oktober 2020# 13

WAYFARER aus Denver widmen sich in ihren Songs dem Alten Westen. Damit ist jedoch nicht – das muss bei einer Black-Metal-Band vielleicht erwähnt werden – die sternenbeschiebene Bundesgartenschau gemeint, in der sich Tolkiens Elben sammeln, sondern der nach Blut und Schießpulver riechende Wilde Westen der USA, den WAYFARER bitter und rau darstellen, aber natürlich auch ein bisschen romantisch verklären.

Die Band aus Colorado hat sich diesem Thema Schritt für Schritt angenähert. Ging es auf dem soliden Debüt im weitesten Sinne um die Natur und die Rolle des Menschen darin, wagten sich WAYFARER auf „Old Souls“ ins alte Grenzland, um mit „World’s Blood“ ganz in die gewaltsame Historie ihrer Heimat einzutauchen. Während die Verbindung von Country und Blues mit Post-Black-Metal auf dem letzten Album noch etwas stockte, gelingt dies auf „A Romance with Violence“ viel stimmiger.

Zwischen Tristesse und Gewalt

Wo skandinavische Black-Metal-Bands nordische Folklore mithilfe von Akustik-Instrumenten und bestimmten Melodien transportieren, greifen WAYFARER auf Western-Gitarren zurück, um eine ähnliche Stimmung zu erzeugen. Die raue Musik des Black Metal bildet mit ihren harschen Riffs und krächzenden Vocals die Grundlage für eine majestätische Atmosphäre, die sich in Klargesang und aufsteigenden, treibenden Melodien manifestiert.

„A Romance with Violence“ schafft es, die Faszination einzufangen, die der Alte Westen trotz seiner Gewalttätigkeit ausstrahlt. Das Spannungsfeld zwischen hoffnungsloser Tristesse und gewalttätigen Ausbrüchen übt eine Anziehungskraft aus, die trotz aller Gefahren Abenteuerlust weckt, was sich auch in der Musik widerspiegelt. In ihren besten Momenten erinnern WAYFARER mit dieser Mischung aus Melancholie und Tatendrang an AGALLOCH.

WAYFARER überzeugen mit frischen Ideen

Die Ansätze für ein richtig gutes Album sind also vorhanden. Leider können WAYFARER nicht jede gute Idee in einen Treffer verwandeln. Die erste Hälfte enthält mit dem Zweiteiler „The Crimson Rider“ und „The Iron Horse“ die besseren Kompositionen, auf der zweiten Hälfte gelingt es, mit „Masquerade of the Gunslingers“ und „Vaudeville“ die Wildwest-Atmosphäre besser einzufangen.

Dennoch ist „A Romance with Violence“ eine ausdrückliche Empfehlung wert. WAYFARER bieten eine gut ausgearbeitete Mischung aus Black Metal und Americana, die es so vorher nicht gegeben hat. Wo andere Black-Metal-Bands und -Musiker höchstens Ausflüge ins Country- oder Blues-Genre wagen, ohne daraus etwas Neues zu schaffen, kann die Band aus Denver mit frischen Ideen überzeugen.

Shopping

WAYFARER - A Romance With Violencebei amazon19,14 €
17.10.2020

Der metal.de Serviervorschlag

Oder auch: "Wer 'A Romance with Violence ' von Wayfarer mag, wird auch das hier mögen." Lass andere Leser wissen, welche Platten sie noch anchecken sollten, wenn ihnen "A Romance with Violence " gefällt.

Shopping

WAYFARER - A Romance With Violencebei amazon19,14 €

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 32714 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

7 Kommentare zu Wayfarer - A Romance with Violence

  1. nili68 sagt:

    Der Vorgänger „World’s Blood“ war auch schon ziemlich geil. Zwar ist diese Mischung auch nicht völlig einzigartig (Panopticon kommen mir da in den Sinn), aber aber frisch genug, um meine Anerkennung zu erlangen, vor allem im Vergleich zu anderen Sachen. Unabhängig davon sind aber auch die Songs selber geil und schlüssig, nicht nur „lass uns mal auf Teufel komm raus anders sein.“
    Dem Lied gebe ich 9 Punkte.. oder auch mehr, mal sehen. Auf sowas hab‘ ich gewartet. Top!!

  2. nili68 sagt:

    Ah, ich sehe gerade PROFOUND LORE RECORDS. Schön, dass auf manche Sachen noch Verlass ist.

  3. Schraluk sagt:

    Sehr schön, freu ich mich drauf. ‚Old Souls‘ und ‚World‘s Blood‘ waren schon ganz schön geile Dinger mit diesem Agalloch/Fen/Cascadian Swag. Den Track hier finde ich ziemlich gut. Order ist raus, neue ‚Of Feather And Bone‘ mit dazu, dann passts mit dem Porto. Wayfarer. Geile Band. Profound Lore. Geiles Label.

  4. Watutinki sagt:

    Klingt wirklich fein.
    Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Americana und Country?

  5. nili68 sagt:

    Puuh, habe ich mich auch schon gefragt. Könnte jetzt natürlich krass recherchieren (Wikipedia und so), aber ich sag‘ mal so aus dem Stegreif, dass das, was man mainstreammäßig unter Country versteht, nichts anderes als die Schlager-Variante von echtem Country ist und dieser evtl. noch andere kulturelle Einflüsse hat, die die ersten Siedler mitgebracht haben und auch indianische. Kann aber auch falsch liegen.. lol

  6. nili68 sagt:

    Das war jetzt etwas konfus, es ging ja nicht nur um Country. Also, Country ist Wildwest-Romantik, gerne auch kitschig und Americana nord(nicht nur)amerikanische Kultur generell.

  7. Watutinki sagt:

    Danke für die Infos!
    Habe es noch Mal nachgelesen, haha…

    Im Prinzip kann man den Americana Stil wohl mit dem True Noewegian BM vergleichen. Musik die sich auf die eigentlichen, puristischen Werte konzentriert und der Kommerzialisierung den Stinkefinger zeigt. Country wäre dann wohl der mittlerweile maximale Ausverkauf dessen. Zumindest liest sich das so:

    „Dieses entstandene Vakuum füllt seit Anfang des neuen Jahrtausends die neu entstandene Musikrichtung Americana – ein musikalisches Auffangbecken, nicht nur für traditionelle Country-Musiker. „Folk-, Rock’n’Roll-, Blues- und Rhythm&Blues-Musiker finden im Americana ihre Heimat“, sagt Jed Hilly, Chef der 1999 gegründeten Americana Music Association (AMA). Musiker, welche demnach die „schöne Kunst“ der „kommerziellen Kunst“ vorziehen und die sich in ihren Songs auf amerikanische Traditionen beziehen.“
    https://www.hna.de/kultur/neue-country-heisst-americana-zr-7209712.html

    Da bspw. auch gern gehörte Musiker wie Bon Ivers dem Americana Stil huldigen, ist das wohl ein Musikgenre, das ich Mal näher inspizieren sollte.