Winter of Sin - Violence Reigns Supreme

Review

Willkommen zurück, Henri Sattler und GOD DETHRONED! Ganz so einfach verhält es sich dann aber doch nicht: Zum einen trägt die aktuelle Band Sattlers nicht diesen Namen, sondern heißt WINTER OF SIN. Zum anderen unterscheiden sich eben diese musikalisch doch ein wenig von der 2012 aufgelösten niederländischen Death-Metal-Größe und können somit nicht als bloßer Abklatsch betrachtet werden. Zumal weiterhin erwähnenswert ist, dass WINTER OF SIN bereits seit 1998 existieren und seitdem neben vielen Line-Up-Wechseln zwei Alben sowie zwei Demos veröffentlichten. Ehrlicherweise muss an dieser Stelle jedoch konstatiert werden, dass diese Veröffentlichungen nicht allzu viel Staub aufwirbeln konnten. Klar, dass sich das beim neuen Album allein durch die zwei neuen, in der Szene hinreichend bekannten, Ex-GOD DETHRONED-Charaktere Henri Sattler (Gesang) und Michiel van der Plicht (Drums) schlagartig ändern würde, die für die neue Platte „Violence Reigns Supreme“ an Bord geholt wurden.

Musikalisch schon immer zwischen schwedisch angehauchtem Death, sowie Black Metal angesiedelt, präsentiert sich das neue Material deutlich ausgereifter und aggressiver als die Vorgänger-Alben „Woest“ (2006) und „Razernij“ (2008), tendiert dabei aber stärker Richtung Death Metal, wie der perfekt gewählte Opener „Astral Death Reign Algorithm“ eindrucksvoll verdeutlicht. Die Gründe für die Verschiebung Richtung Tod anstatt Schwarz sind so einfach wie einleuchtend. Wurde der Band auf den vorherigen Veröffentlichungen insbesondere der Gesang und die etwas dünnen, sowie eintönig daherkommenden Drums angekreidet, überzeugen auf „Violence Reigns Supreme“ zwei Meister des Faches, die in ihrer bisherigen Schaffensphase primär dem Death Metal gefrönt haben. Henris Stimme verkörpert Aggression pur, ist dabei aber frappant verständlich, und Michiels Schlagzeugspiel war schon auf der letzten GOD DETHRONED-Scheibe nicht von dieser Welt. Vermutlich ermöglichte auch einer dieser beiden den Besuch im hohen Norden Deutschlands, wo die Platte im Soundlodge Studio (u.a. GOD DETHRONED, OBSCENITY, DEW-SCENTED) eingetrümmert wurde. Doch nun genug der Lobhudelei auf Helden vergangener Tage …

Denn trotz des hohen Tempos und der extremen Aggressivität sind die Songs auf „Violence Reigns Supreme“ mit hohem Melodie-Anteil versehen, ein Aspekt, der auf die beiden Gründungsmitglieder/Gitarristen Ricardo und Dirk zurückzuführen ist und als eine Art Trademark WINTER OF SINs betrachtet werden darf. Was den Einsatz von Keyboards angeht, halten sich die Niederländer speziell im Vergleich zu den früheren Alben erfreulich stark zurück. Neben all dem musikalischen Sperrfeuer, welches durchaus mit einigen technischen Finessen („Maelstrom“) gespickt ist, haben sich auch immer wieder ruhigere, im Kontext der Band also midtempo-lastige, Passagen („Inheritors Of Pain“) und gar ein melancholisches Instrumental („Virus“)  eingeschlichen, wodurch das Album an Dynamik gewinnt. Lyrisch dreht es sich in den zehn Songs um die Vernichtung der Menschheit durch eine unbekannte außerirdische Lebensform. Wem das zu viel Science-Fiction ist – geschenkt. Denn „Violence Reigns Supreme“ überzeugt allein schon musikalisch auf ganzer Linie. Sowohl lyrisch als auch musikalisch (im positiven Sinne) gibt’s definitiv kein Happy End, wie allein der Titel des vorletzten Stückes „Unleash Mayhem“ deutlich macht. Ohne Rücksicht auf Verluste wird das Gaspedal zum Ende nochmals voll durchgetreten, ehe nach „Biomechanoid“ die Messe gelesen ist und man einen extremen, aber eben extrem guten, rund 42-minütigen Ritt voller Blastbeat-Attacken und  brutalen Riffings erlebt hat, der zuweilen auch an melodische GOD DETHRONED erinnert.

Mit „Violence Reigns Supreme“ liefern WINTER OF SIN messerscharf und erstmals über die gesamte Albumlänge in jeglicher Hinsicht qualitativ ab. Das Album strotzt neben all der Brutalität nur so vor mitreißenden, zwar nicht immer übermäßig originellen Gitarrenmelodien (zumal mit „Abschiedsbrief des Prometheus“-Gedächtnismelodie (NARGAROTH) in „Infection Of Infinity“). Speziell ohne das in der Mitte des Albums platzierte Instrumental „Virus“ würde die Platte vermutlich etwas eintönig wirken, da die Songs vorwiegend nach ein und derselben Art gestrickt sind. Insgesamt ist so allerdings eine mehr als runde Sache herausgekommen, die vor allem etwas für Anhänger von UNANIMATED, NAGLFAR und eben GOD DETHRONED sein dürfte. Man darf gespannt sein, was in Zukunft von den Niederländern, ob live oder aus dem Studio, zu hören bzw. sehen ist.

19.03.2014

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