Withered (US) - Verloren

Review

Die US-Amerikaner WITHERED sind nicht für leichte Kost bekannt. Seit 2004 gibt es regelmäßig Todesstahl in augeklügelten Konzeptalben, technisch, disharmonisch, gern auch mal abseits ausgetretener Pfade. Auch „Verloren“ liegt wieder einmal ein solches Konzept zu Grunde. Nach persönlichen Verlusten im Leben von unter anderem Hauptsongwriter Mike Thompson (Gitarre, Vocals), nahm sich die Band der Themen Schmerz, Trauer und Verlust musikalisch an, was sich im deutschen „Verloren“ als emotionale Zustandsbeschreibung wohl am besten ausdrückte.

Der Sound ist rau, trocken und basic, aber nicht undifferenziert, es gibt dissonante Anleihen an Bands wie NERO DI MARTE oder ULCERATE, auf der anderen Seite auch Ausbrüche, die ein ums andere Mal an Bands wie HATE ETERNAL erinnern. Allerdings erreichen diese ganzen Elemente in ihrer Wirkung nicht ganz die Stärke der genannten Bands. Stattdessen schleichen sich in Richtung Ambient/Noise gehende Stücke wie „Passing Through…“ (mit Programmierungsunterstützung von PRIMITIVE MANs Ethan McCarthy) oder auf „Verloren“ akustische Klampfen mit in den verkopft-sperrigen Death Metal hinein, neben Doom- und auch Sludge-Einflüssen zur Untermalung. Der Mix ist undurchdringlich, abweisend, böse, aber auch seltsam spannungsarm.

„Verloren“ fühlt sich manchmal auch der Hörer

Die totale Frontaltattacke ist bei WITHERED weniger Standard, eher wird aufgelauert und das Kaninchen nach langer Lauerstellung überraschend am Nacken gepackt. Aber das Gefühl von im Hintergrund lauerndem Unwohlsein schleicht sich bereits bei den ersten atonalen Riffs des Openers „By Tooth In Tongue“ ein. Songstrukturen existieren nicht wirklich, obwohl durchaus wiederkehrende Riffs ausztumachen sind. In die sonst kalte Präzision, unmenschlichen Growls und markerschütternden Schreie gesellen sich zur Mitte des Songs anklagende Clean Vocals hinzu und im letzten Drittel gibt es dann ein wenig Prügel. Auch „The Predation“ bleibt dem treu, zeigt sich in Teilen etwas schwarzmetallisch-rasender, später dann langsamer, melodischer, aber bleibt ebenfalls seltsam entrückt, ohne übergeordnete Form und Struktur.

Das muss grundsätzlich nichts Schlechtes sein, aber ohne große Festhaltepunkte rauscht das Album selbst bei mehrfachem Konsum oft einfach am Ohr vorbei und hinterlässt dabei keinerlei Höhepunkte im Kopf. Das trifft auf das anfangs groß aufspielende „Dissolve“ (MORBID ANGEL grüßen hier, ebenso bei manchen Riffs in „Casting In Wait“) ebenso zu wie auf das verkopftere „From Ashen Shores“ als Rausschmeißer. Auch die Platzierung der Songs ist im Albumkontext problematisch. So wird etwa „Passing Through…“ seltsam abrupt von „… The Long Hurt“ als normaler Death Metal-Track abgelöst, worauf mit dem Interlude „Verloren“ ein weiteres Mal der Flow unterbrochen wird, nur um mit „From Ashen Shores“ wiederum metallisch zu enden. Das hat wenig Hand und Fuß.

WITHERED stoßen vor den Kopf

Wer grundsätzlich auf etwas zerebraleren und eher hintergründig verstörenden denn direkt angreifenden Death Metal kann, könnte mit „Verloren“ durchaus seine Freude haben. Aber in der Summe sind WITHERED in Sachen Abwechslungsreichtum, Songwritingbrillanz oder wirklich abgründiger Atmosphäre bei den oben genannten Platzhirschen einfach nicht mit dabei. ULCERATE sind emotional aufwühlender, GORGUTS technisch versierter und spannender zu hören, HATE ETERNAL erledigen das mit dem Geprügel besser. WITHERED wollen bewusst vor den Kopf stoßen, nicht einfach zugänglich sein und gleichzeitig Abwechslung schaffen. Aber bis auf ein paar interessante Riffs und Einfälle überzeugt „Verloren“ leider als gesamtes Tondokument nicht vollumfänglich. Die grundsätzliche Ausrichtung und die musikalischen Fähigkeiten sind aber definitiv dafür vorhanden. Reinhören angeraten, Eintüten eher weniger.

28.06.2021

"You can't spell Funeral without Fun!"

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