Wolvespirit - Blue Eyes

Review

WOLVESPIRIT funkeln dich mit „Blue Eyes“ derart verführerisch an, dass sich das geblümte Phrasenschwein kapitulierend auf den Rücken dreht und einen bunten Strauß an Plattitüden erlöst. Bei WOLVESPIRITs viertem Album gerät jedes vermeintliche Klischee zum Qualitätsmerkmal, darf jeder einschlägige Superlativ für bare Münze genommen werden.
Mit „Blue Eyes“ auf den Ohren dürfen sich auch geerdete Menschen als Sixties- bzw. Seventies-Sterntaler ohne Reue das Batik-Hemd mit psychedelisch-ausufernden Space-Rock-Jams und Solo-Abfahrten der zum führenden Instrument erkorenen Hammond-Orgel vollmachen. Einer Orgel, auf die nicht nur John Lord und Ken Hensley stolz wären, sondern bisweilen gar der olle Ray Manzarek.

WOLVESPIRIT stopfen sich die Bong mit HEEP, PURPLE und den DOORS

Die Würzburger Band um Sängerin Deborah Craft stopft sich die Bong mit einer exquisiten Mischung aus dem Klassiker-Kräutergarten, also URIAH HEEP, DEEP PURPLE und THE DOORS, und atmet ein Dutzend formvollendeter akustischer, bunt oszillierender Kringel aus. In dein Gesicht. Frau Craft kündet hierzu von brennender Seele, der Liebe und von Hexenwerk. JANIS JOPLIN umarmt anerkennend ihre Wolke und die BLUES PILLS wirken angesichts des ganzen enthusiastischen Zirkus‘, den WOLVESPIRIT auf „Blue Eyes“ einmal mehr veranstalten, wie eine Bande reservierter Teenager mit Hang zum Minimalismus.
WOLVESPIRIT zeigen alles in allem zum wiederholten Male, dass es nicht unbedingt schaden muss, für etwas wirklich zu brennen, darin voll aufzugehen – und im Sinne des runden Gesamtpakets alles im Spirit der wahren Kunst durchzuziehen. Zusammengeschnürt wird „Blue Eyes“ von seiner sehr lebendigen Produktion, das bunte Cover verpackt das Präsent angemessen grell. Wer sich von dem Teil nicht abschrecken lässt, ist so hart im Nehmen, dass ihm (oder ihr) schließlich auch die Eigenbezeichnung als „Künstlerkollektiv“ keine Angst einjagt.

„Blue Eyes“ verstört: Peace and Love sind auf einmal toll

Und so weiter und so fort. Zugegebenermaßen: Erträglich ist eine solche Reihung schwülstiger Bilder wie in diesem sog. Review nur bedingt. Aber es hilft ja nichts (s. o.): WOLVESPIRIT machen nichts Neues, aber sie sind so konsequent, versiert und enthusiastisch dabei, dass ihr komplett aus der Zeit gehüpftes Werk einfach nach einer ordentlichen Kelle verbaler Verstrahltheit schreit. Denn: Verstörenderweise wirken beim Genuss ihrer Musik weder Peace noch Love verstörend… Richtig geiles Teil!

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03.02.2017

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