DevilDriver
Die Roadrunner-Jahre von DevilDriver in der Retrospektive

Special

Nachdem das aktuelle Country-Cover-Album der Groove Metal-Instanzen von DEVILDRIVER zuletzt für relativ durchwachsenes Feedback bei Fans und Kritikern sorgte, legen die Kalifornier um Frontsau Dez Fafara Ende September ihre ersten fünf Scheiben via BMG erneut auf. Anlass genug, sich Frühwerk und Hochphase der „Californian Groove Machine“ in einem retrospektiven Artikel umfassend zu widmen.    

DEVILDRIVER waren nie für jedermann – und Angriffsfläche boten die Kalifornier immer genug: Ein Nu-Metal-Großmaul mit scheußlichen Gesichtstattoos, das sich mit Einsetzen seiner ersten Midlife-Crisis noch einmal ein paar vom Stardom-geblendete Junginstrumentalisten heranholt und plötzlich wieder Metal sein will? Besser ignorieren. Oder völlig opportunistisch COAL CHAMBER zurückfordern, die man als „echter“ Metalhead in den 90ern noch am liebsten zusammen mit den MACHINE HEAD der „Supercharger“-Phase in einem norwegischen Nadelwald verbuddelt hätte.

Nothing’s Wrong? 2003 gingen DEVILDRIVER mit ihrem selbstbetitelten Debüt am Start.

Die Frühphase (2003 – 2007)

Doch konnte man das selbstbetitelte DEVILDRIVER-Debüt 2003 noch als, zugegebenermaßen durchaus hitlastigen, aber ansonsten nur stellenweise traditioneller angehauchten Nu-Metal-Streich abtun, leisteten DEVILDRIVER zwei Jahre später mit „The Fury Of Our Maker’s Hand“ einen durchaus relevanten und auf breiter Front respektierten Beitrag zur New Wave of American Heavy Metal. Die Songs wurden komplexer, schneller, melodischer und härter zugleich. Mike Spreitzer, der Jungzuwachs an der Lead-Gitarre, brachte mehr als nur einen Hauch Schwedendeath in den Sound ein. John Boecklin entwickelte seinen expressiven und dominanten Stil an den Drums weiter, der später in den besten Momenten an Mario Duplantier von GOJIRA erinnern sollte und zum DEVILDRIVER-Trademark wurde.

Die Haare wurden länger, der Metal wurde traditioneller: 2005 legten DEVILDRIVER mit „The Fury Of Our Maker’s Hand“ nach.

Der massive Opening-Track „End Of The Line“ sowie „Grinfucked“, „Hold Back The Day“, „Before The Hangman’s Noose“ und der Titeltrack finden sich bis heute in regelmäßigen Abständen im Live-Set der Band wieder. „The Fury Of Our Maker’s Hand“ war primär ein wichtiger Emanzipationsschritt für das Vermächtnis des Dez Fafara, was die hohe musikalische Qualität des Albums bisweilen  etwas ins Hintertreffen geraten lässt. Zu Unrecht.

Die Hochphase (2007 – 2011)

Weitere zwei Jahre darauf stand mit „The Last Kind Words“ auch schon das nächste Album in den Regalen. Nette Worte suchte man hier immer noch vergeblich, aber zumindest auf musikalischer Seite gingen DEVILDRIVER es noch ein gutes Stück melodischer an als zuletzt. Mit „Clouds Over California“ findet sich einer der absoluten Signature-Hits der Band auf „The Last Kind Word“, aber auch „Not All Who Wander Are Lost“ und „Head On To Heartache (Let Them Rot)“ („This is a love song!” – Dez, live) sind bis zum heutigen Tage unverwüstliche Live-Garanten. „The Last Kind Words“ chartete in den US-Top50 (für den Vorgänger war noch bei Platz 117 Schluss) und erlangte auch in Australien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien respektable Platzierungen. Für DEVILDRIVER ging es weiter bergauf.

Pray For Villains“ war 2009 schließlich das Gateway-Album für den Rezensenten selbst und sorgte für noch einmal höhere Chart-Einstiege in noch mehr Ländern. DEVILDRIVER (oder Dez, das weiß man nie genau) gaben sich hier ihrer Southern-Vorliebe erstmals gänzlich hin, was sich musikalisch in stampfenden Cowboy-Hymnen wie „Pure Sincerity“ und „It’s In The Cards“ widerspiegelte – oder aber lyrisch in der Outlaw-Road-Romantik des Albumtitels oder eines Songs wie „Resurrection Blvd.“ Dez Fafara machte sich etwas vom häufig nicht ganz zu Unrecht geäußerten Vorwurf der eindimensionalen Gesangs-Delivery frei und frischte sein charakteristisches Geschrei durch Spoken-Words-Passagen und melodischere Ausbrüche auf.

Mike Spreitzer und Jeff Kendrick lebten ihr Harmonie-Bedürfnis aus und lieferten sich das eine oder andere furiose Gitarren-Duell: Man höre nur das epische „I’ve Been Sober“ oder die Sweep-Picking-Orgie, die die Basis für das besagte „Resurrection Blvd.“ bildet. Zugegeben: Mit dem extrem prominenten Mixing von John Boecklins Drums meinte es Ex-MACHINE HEAD-Drummer und Albumproduzent Logan Mader seinerzeit etwas zu gut. Boecklin selbst bezeichnet das Album in der sehenswerten Band-Dokumentation, die zwei Jahre später der Special-Edition von „Beast“ beilag, als „drummer’s album“ – weil die Drums so sehr in den Vordergrund gerückt worden seien. Nichtsdestotrotz fanden DEVILDRIVER mit „Pray For Villains“ zu einer Sounderweiterung, die den groovenden Double-Bass-Orgien der bisherigen Alben äußerst gut zu Gesicht stand.

Die Schicksalsphase (2013 – dato)

Vor diesem Hintergrund war Album Nummer fünf eine umso radikalere Kehrtwende. „Beast“ sollte in seiner technischen Kälte seinem Namen alle Ehre machen, das verhieß schon die Lead-Single „Dead To Rights“. Viele Internet-Kommentatoren fühlten sich durchaus berechtigt an MESHUGGAHs „Bleed“ erinnert und Album Nummer fünf behielt die aufgezeigte Marschrichtung konsequent bei. „Beast“ hat wenige Hits, aber dafür disharmonische Frickel-Groover wie „Talons Out (Teeth Sharpened)“ und düstere Thrash-Deather wie „Shitlist“ und „You Make Me Sick“. Neben dem fulminanten Opener wurde mit der Zeit vor allem das 16 HORSEPOWER-Cover „Black Soul Choir“ zum Fan-Favoriten.

Nach der Veröffentlichung von „Beast“ verließ Bassspieler und Gründungsmitglied Jon Miller die Band, um seine Alkoholprobleme zu behandeln. Als Dez Fafara die Band 2013 wegen der Wiederaufnahme seiner Aktivitäten mit COAL CHAMBER zwischenzeitlich auf Eis legte, verließen auch Jeff Kendrick und John Boecklin DEVILDRIVER. „Beast“ war das letzte Album, das die Kalifornier vor ihrem Wechsel zu Napalm Records via Roadrunner veröffentlichten und beendete eine Ära.

Mit ihren ersten fünf Alben haben DEVILDRIVER der US-amerikanischen Modern-Metal-Szene zweifellos ihren Stempel aufgedrückt und zwischenzeitlich einen so eigenständigen wie erfolgreichen Stil zwischen Groove, Eingängigkeit, technischer Finesse und Mittelfinger-Attitüde etabliert. Anhand der nun von BMG wiederveröffentlichten und durch Andy Pearce (BLACK SABBATH, MOTÖRHEAD, KREATOR) remasterten Album-Box lässt sich dieser Sachverhalt gut belegen. Wie auch immer es für Fafara + X nun weitergeht – DEVILDRIVERs ursprüngliche Phase hat zu ihren besten Zeiten einen Platz neben den wichtigen Veröffentlichungen von LAMB OF GOD.

Galerie mit 22 Bildern: DevilDriver - Spirit in Black 2018
28.09.2018

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