Sun Of Sadness
"Ghost" Song By Song

Special

Die einzelnen Songs des SUN OF SADNESS Albums „Ghost“ kommentiert Keyboarder Sebastian in seinen eigenen Worten. Das Album wurde eingespielt von: Martin (Gesang), Mitja (Gitarre), Mike (Gitarre), Sebastian (Keyboards), Michael (Bass) und Gerd (Schlagzeug).

Sun Of Sadness

Gewalt
Fängt mit einem leicht groovenden Schlagzeug-Beat an. Nach kurzer Zeit kommen dann alle anderen Instrumente hinzu und fangen richtig schön an zu braten, nur um kurze Zeit später wieder zu verschwinden, so dass nur noch eine Akustikgitarre und ein verfremdeter Gesang stehen bleiben. Von da an entwickelt und steigert sich das Stück immer weiter, bis es in einem recht melodiösen, beinahe hymnischen, Blackmetal-ähnlichen Part endet.

Das Interessante an diesem Song ist, dass sich kaum Parts wiederholen, sondern die Parts immer weiter aufeinander aufgebaut und logisch weiterentwickelt werden. Eigentlich ist es nicht gerade clever mit so einem uneingängigen Stück eine Platte zu beginnen, aber wir fanden, dass es genau dahin gehört. Wenn wir hätten Geld verdienen wollen, hätten wir ja BWL studieren können, hehe.

„Gewalt“ ist eins der ersten Stücke, das wir für die CD geschrieben haben und das letzte für das der Text geschrieben wurde. Da wir also lange Zeit keinen Namen für das Stück hatten, haben wir ihm irgendwann den Arbeitstitel „Gewalt“ gegeben. Wir fanden, dass das zur Stimmung des Liedes passt. Martin hat dann auch einen Text mit dieser Thematik geschrieben und deswegen haben wir beschlossen, dass das Stück weiter „Gewalt“ heißen soll, obwohl es einen englischen Text hat. „Gewalt“ ist ja auch ein Schlagwort (hehe), dass erst mal aufhorchen lässt.

Falling Down
Mein Lieblingsstück. Fängt mit einer EBM/Industrial-mäßigen Keyboardlinie an. Geht dann weiter in einen recht schweren Part über dem ein ganz nettes Cembalo liegt, um von dort direkt in einen Blackmetal-Part zu gehen. Ab da bricht es dann zusammen und es bleibt nur noch eine Akustikgitarre stehen, die dann weiter in einen sehr doomigen Part führt. Trotz all dieser unterschiedlichen Parts klingt das Stück eigentlich in sich geschlossen und wird dabei die ganze Zeit von einer gleichbleibenden düsteren Atmosphäre durchzogen.

Als ich den Anfang geschrieben habe, wusste ich schon genau, dass er elektronisch klingen sollte. Ich war allerdings immer zu faul einen entsprechenden Sound zu programmieren, weshalb ich den Part auf den Proben immer mit einem Klaviersound gespielt habe. Als ich im Studio dann endlich den Sound programmiert hatte und den anderen das fertige Stück gezeigt habe, haben die schon recht ungläubig und verstört ausgesehen und mich gefragt, ob das denn mein ernst wäre. Herrlich dieser Gesichtsausdruck. Ich glaube, ich mach das ab jetzt immer so, nur um das noch einmal zu sehen. Mittlerweile gefällt es aber allen so viel besser als vorher.

Cold
Ein etwas zerbrechliches Klavierthema im 7/8 Takt stellt den Anfang dieses Stückes dar. Langsam kommen dann die anderen Instrumente hinzu, wobei die Gitarren lange Zeit unverzerrt bleiben, um dann plötzlich in einen stakkatohaften Riff überzugehen, der ganz nett vom Schlagzeug unterstützt wird. In der Mitte kommt irgendwann ein Break und eine recht schöne zweistimmige Gitarrenmelodie tritt auf, die die Stimmung des Stücks plötzlich verändert. Von dort aus kehren wir in langsamen Schritten wieder zu der Urstimmung zurück, um dann in einem sphärischen, simplen, aber dennoch fetten Part zu enden, bei dem der Gesang so klingt, als würden Martins Stimmbänder jeden Moment reißen.

Den Klavierpart am Anfang habe ich irgendwann tief in der Nacht im recht betrunkenen Zustand geschrieben (wie so häufig) und dabei gar nicht realisiert, dass es sich hierbei um einen 7/8-Takt handelt. Als ich das Thema dann bei einer Probe vorgestellt habe, hat Gerd dann gemeint: „Cool Sebastian, das ist ja ein 7/8. Das hätte ich bei deinen Taktproblemen nicht von dir erwartet.“ Sehr charmant ….

„Cold“ stellt auch das Stück dar, bei dem das Songwriting am längsten gedauert hat, da wir es gefühlte hundertmal umgeschrieben haben. Im Text begeht Martin das erste mal Selbstmord (das werden aber noch mehr). Diesmal auf Grund der Sinnlosigkeit der Existenz.

Helios
Das erste von vier ruhigen, instrumentalen Zwischenstücken, die die Funktion haben, die Scheibe ein wenig aufzulockern und etwas Ruhe und somit auch eine gewisse Dynamik einzubringen, damit die Platte von vorne bis hinten interessant bleibt. Wie die anderen Zwischenstücke auch, beruht „Helios“ eigentlich nur auf einem kleinen Thema, das in diesem Fall recht orchestral und mit einem Hang zu pathetischen Melodien dargeboten wird und über einen schönen Spannungsbogen verfügt.

Die Idee hierfür habe ich irgendwann nachts im relativ angetrunken Zustand beim Farscape gucken bekommen. Ich habe es dann ein wenig ausgearbeitet und im Studio dem Gerd gezeigt, der sich dann dazu einen simplen Schlagzeug-Part einfallen lassen hat. Mike hat zusätzlich noch eine Akustikgitarre eingespielt. Nachdem die beiden fertig waren, habe ich es noch mal umarrangiert und die orchestralen Elemente hinzugefügt. Als ich das fertige Stück dem Mitja gezeigt habe, hat er mich gefragt warum ich denn die Akustikgitarre programmiert habe. Die hätte doch auch gut der Mike einspielen können, hehe.

Ghost
Fängt mit einem langen, recht traurigen Intro an, nur um dann richtig loszubrettern und sich immer weiter zu steigern. Irgendwann wird dann alles wieder ruhig und die Steigerung beginnt von vorne. Dieses Reinsteigern und wieder ruhiger werden zieht sich durch das gesamte Stück durch, bis es in einem sehr melodiösen Part endet. Insgesamt ist das Stück auch von sehr vielen Melodien durchzogen, wobei mit am besten die Bassmelodien gefallen. „Ghost“ ist, glaube ich, auch das erste Stück, bei dem der Mike für den Großteil des Songwritings verantwortlich war und den Hauptteil der Themen geschrieben, wobei Mitja auch ein paar beigesteuert hat. Im Text findet der 2. Selbstmord statt … diesmal aus Liebe.

And Darkness Dwells
Nach einem kurzen Gitarrenintro geht es in einen recht dichten, eingängigen Part und von da weiter in einen simplen, stampfigen Part, den wir recht lange spielen und dabei immer weiter steigern. Irgendwann wird der ganze Lauf von einer sehr zerbrechlichen Akustikgitarre unterbrochen, die dann zu einem beinahe mächtigen, mit simplen, aber schönen Keyboardmelodien ausgestatteten Thema führt, das so langsam das Ende einleitet. In dem Stück finden sich meiner Meinung nach auch die schönsten Keyboardmelodien wieder. Die haben ein bisschen was von SHOCK THERAPY.

Als wir das Stück geschrieben haben, war es noch viel langsamer, da Mike, der auch die meisten Parts geschrieben hat, es in der Geschwindigkeit haben wollte. Als wir dann für die erste Aufnahmesession ins Studio gingen, war Mike gerade in Urlaub. Da hat dann der Rest von uns beschlossen, das Tempo um ca. 30 beats zu erhöhen, damit das Lied ein wenig mehr Drive bekommt. Mike hat ein wenig irritiert geguckt, als er das Stück das erste mal im Studio gehört hat. Mittlerweile findet er aber auch, dass es die richtige Entscheidung war.

Textlich gibt’s hier den 3. Selbstmord. Diesmal wegen der Verlogenheit, auf-sich-selbst-Bezogenheit und Selbstgerechtigkeit einiger Teile der Gesellschaft.

Bury Me
Das 2. Zwischenstück, das diesmal von Mike geschrieben und von ihm in seinem Heimstudio eingespielt und abgemischt wurde. Das Stück fängt recht bedächtlich mit sakralen Sprachsamples und dem Klang von Schaufeln an und verändert sich langsam bis es irgendwann sehr bedrückend klingt und von da auch direkt in House übergeht.

House
Beginnt mit einer äußerst schönen, traurigen Gitarrenmelodie, die über einem leicht groovenden Part liegt. Von da geht’s dann in einen treibenden Part mit einem stakkatohaften Klavier, um von dort in einen etwas jazzig angehauchten und leicht abgedrehten Mittelpart zu gehen.

„House“ ist das erste Stück, das wir für die Platte geschrieben haben. Wir haben das sogar schon fertiggestellt, bevor wir die „Forest“ aufgenommen haben. Zu dem Zeitpunkt wollten wir aus der Platte auch noch eine Konzeptplatte über Angst machen und „House“ sollte das Titelstück werden. Da die Konzept-Vorstellungen der Einzelnen allerdings zu weit auseinander gingen, haben wir die Idee wieder verworfen.

Wegen des Mittelparts hätten wir uns im Studio auch fast geprügelt. Da hat nämlich jeder etwas leicht anderes gespielt und die Instrumente haben sich dadurch so weit auseinander bewegt, dass das alles nicht mehr zusammen gepasst hat. Wir haben das erst im Studio richtig realisiert, nachdem die Hälfte der Instrumente schon eingespielt waren. Dann haben wir uns erstmal sehr lange angebrüllt, bis wir uns dann geeinigt hatten, wer was ändern muss … das war kein schöner Tag.

Suicide dreams
Fängt mit einer recht poppigen Gitarrenmelodie an, von der es dann in einen schweren, leicht doomigen Part geht. Insgesamt werden bei diesem Stück sehr viele Parts immer weiter hintereinander gesetzt. Diese Parts werden hier auch ausnahmsweise mal nicht gesteigert und besitzen alle eine ähnliche Intensität. Die Unterschiede liegen eigentlich nur bei den unterschiedlichen Melodien, die hier vermehrt auftreten und für die nötige Abwechslung sorgen. Das Stück stellt auch unser gemeinschaftlichstes Werk dar, da hierfür ausnahmsweise mal jeder Themen geschrieben hat. Im Text tritt der 4. Selbstmord …. diesmal um von der Realität in eine Traumwelt zu entfliehen.

Destiny
Das 3. Zwischenstück. Die Idee hierfür habe ich ausnahmsweise mal im nüchternen Zustand gehabt … ist aber auch eine recht alte Idee. Mit „Destiny“ wollte ich ein Stück machen, das orchestrale Elemente mit einem leicht dreckigen „Indie-Schlagzeug“ und elektronischen Elementen zu einem harmonischen Ganzen verbindet. Ich finde auch, dass das ganz gut gelungen ist. Mitja sieht das allerdings gar nicht so. Er kann sich das Stück auch nicht anhören, weil er aufgrund der elektronischen Sounds einen Brechreiz bekommt. Alle anderen finden die aber gut und deshalb sind sie drin geblieben. Die orchestralen Elemente klingen ähnlich wie bei „Helios“, wobei die Melodien allerdings nicht ganz so pathetisch sind. Ein paar von den Melodien werden auch in dem nachfolgenden Stück „Resurrection“ wieder aufgegriffen.

Das Ende des Stückes ist übrigens erst nach dem Mastern entstanden. Martin hat es dann nämlich zum ersten mal gehört und ganz zu recht gemeint, dass das damalige Ende beschissen klingen würde. Deswegen habe ich es noch mal rausgeschnitten und ein neues Ende und noch ein paar Samples angefügt. Dieses Ende stellt auch recht häufig das Intro für unsere Konzerte dar.

Resurrection
Ist wohl das Stück, bei dem die einzelnen Themen vom Stil her am weitesten auseinander liegen. Der Anfang und Refrain klingt sehr stark nach Gothic-Metal mit einfachen liegend bleibenden Gitarren und einer simplen Flötenmelodie. Gefolgt wird dieser Refrain von einem ziemlich reinen Indie-Part. In der Mitte werden dann noch ein paar Elektro- und New Metal-Elemente eingebracht. Der Refrain (ich glaube, es ist das einzige Stück auf der Platte, das einen Refrain hat) greift auch Themen von „Destiny“ auf. Wir haben das Stück auch immer weiter umgeschrieben. Das ging eigentlich bis einen Tag vor Beginn der Studioaufnahmen so. Und selbst da haben wir immer noch weiter dran rumgebastelt. Live spielen wir es auch wieder einen Tick anders als im Studio.

Textlich haben wir hier den 5. Selbstmord. Diesmal habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung warum. Ich hab den Text irgendwie nie ganz kapiert. Ich glaube aber, es ist wieder aufgrund von Hass auf die Gesellschaft.

Abschiedsbrief
Mitja hatte eine ziemlich konkrete Vorstellung (man könnte fast schon Vision sagen) bzgl. des Aufbaus dieses Stückes. Diese Vorstellung hat er dann auch ziemlich konsequent durchgesetzt, auch wenn er dabei nicht alle Themen geschrieben hat. Es werden zunächst verschiedene cleane Parts gespielt, wobei bei jedem Durchgang die Intensität der Spielweise etwas zunimmt. Es geht dann weiter in eine atmosphärische, aber dennoch druckvolle 2-stimmige Gitarrenmelodie, die letztendlich zu einem Blackmetal-mäßig gespielten Thema führt. Während dieser ganzen Parts wird immer weiter eine Spannung aufgebaut, die an dieser Stelle aufgelöst wird und zu einem recht melodiösen Part führt, der sehr lange wiederholt wird und auch das Ende dieses Stücks darstellt.

„Abschiedsbrief“ ist auch das Stück bei dem mir der Gesang am Besten gefällt. Kurz vor dem melodiösen Part gibt es z. B. eine Stelle, wo mir meine Stimmbänder schon beim Zuhören weh tun und ich mir sicher bin, dass Martins Stimmbänder jeden Moment hätten reißen können. Die Stimme klingt da echt sehr kaputt. Sehr schön ist auch die Stelle bei der Martin am Ende „… hier in einem kleinen Raum“ brüllt. Wir haben das zuerst aufgenommen als Martin erkältet war. Er hat dann logischerweise das Stück nicht wirklich hinbekommen und gerade das Ende klang nur noch nach einem disharmonsichen Brüllen. Ich fand dieses Brüllen aber so gut, dass ich Martin (als er dann wieder gesund war) davon überzeugen konnte, diese Stelle nochmals genau so einzubrüllen. Hier haben wir auch den einzigen deutschen Text, in dem der 6. und letzte Selbstmord (nochmals aufgrund einer inneren Leere) stattfindet. Wäre Martin eine Katze, dann hätte er jetzt also nur noch 3 Leben.

Distance
Das 4. Zwischenstück und zugleich auch das letzte Stück, das diesmal Mitja geschrieben hat. Es ist auch das einzige Zwischenstück, dass nicht nur auf einem Thema beruht. Im Prinzip besteht „Distance“ aus einer Akustikgitarre, die dezent von ein paar Keyboards begleitet werden. Die recht bedrückende Stimmung und die Intensität werden hier durch das Arrangement der leicht unterschiedlichen Themen, die zusammen einen sehr schönen Spannungsbogen erzeugen, und die leichten Veränderungen der Keyboardsounds erzeugt. Ich halte es auch für das traurigste Stück auf der Platte. Die Idee für dieses Stück hatte Mitja schon ziemlich lange und zuerst wollten wir daraus auch einen richtigen Song machen. Das hat aber irgendwie nicht geklappt, weil wir es als Band einfach nicht geschafft haben, die Stimmung dieses Stückes einzufangen. Deshalb hat Mitja irgendwann beschlossen, daraus ein Zwischenstück zu machen, worüber ich mittlerweile auch sehr froh bin. Eingespielt und abgemischt hat er es dann in Mikes Heimstudio. Das Stück endet übrigens mit einem undefinierbaren, verfremdeten Flüstern/Zischen. Ich finde das ist genau das richtige Ende für eine Platte, die „Ghost“ heißt.

12.12.2006

Geschäftsführender Redakteur (Konzertakkreditierungen, News, Test Audioprodukte)

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