Macbeth (DE) - Wiedergänger

Review

Vor fast 30 Jahren wurde diese Band gegründet, dennoch ist an MACBETH nicht nur dieser Umstand allein respektabel. Vielmehr ist es die Tatsache, dass dieser Formation in ihren Anfangszeiten in der DDR alles andere als Wohlwollen entgegen gebracht wurde, die Protagonisten aber dennoch immerzu an sich geglaubt haben.

Von daher ist das erwähnte Bandjubiliäum auch noch höher einzuschätzen ist als sonst. Durch diese Vorgeschichte ist es auch nachvollziehbar, dass die Thüringer bei einer so langen Geschichte mit “Wiedergänger“ das erst dritte Langeisen am Start haben können und dieses erweist sich zunächst einmal als logischer Nachfolger zum 2009er Album “Gotteskrieger”, haben sich die Herrschaften doch um keinen Millimeter von ihrem harschen, immerzu mächtig harten Heavy Metal entfernt, mit dem sie mitunter durchaus auch den Thrash Metal abdecken.

Dennoch lässt sich selbstredend auch bei einer dermaßen routinierten Truppe immer noch “Entwicklung“ feststellen, so kommen die Riffs nunmehr für mein Dafürhalten noch ein wenig zwingender und messerscharfer, ja stellenweise sogar wirklich bedrohlich daher. Dazu passend, weil ebenso aufwühlend, klingen die Herrschaften auch in Sachen ihrer Texte. Nicht dass es mir plötzlich einfach fallen würde, mich an deutschsprachigen Gesang zu gewöhnen, doch MACBETH verstehen es in ihren Songs ohne Pathos und Floskeln auszukommen und kredenzen wahrlich bewegende Stories, denn nach dem “Genuss“ dieses Album fühlt man sich schlicht und ergreifend emotional geplättet.

Besonders der dreiteilige “Stalingrad“-Epos erweist sich als mehr als nur bedrückend und zwar in jeder Weise. Wer dabei keinen Klos im Hals hat, muss einfach gefühlstot sein. Eine dermaßen intensive, beklemmende Atmosphäre konnten bei mir mit nicht unähnlicher Thematik bisher eher Death Metal-Ikonen wie HAIL OF BULLETS oder GOD DETHRONED erzeugen, wohin gegen mir musikalisch eher “gemäßigtere“ Formationen wie GRAVE DIGGER oder auch ACCEPT (nicht zuletzt auf Grund deren aktueller Scheibe – mit Sicherheit kein Zufall, dass MACBETH das Erfurter Konzert im November als Support bestreiten dürfen) für eher in den Sinn kommen.

In Summe ist “Wiedergänger“ also ein absolut gelungenes, aber auch aufreibendes Album geworden, das auf der einen Seite absolut mächtig daherkommt und verdammt intensiv klingt und von daher einfach “Spaß“ bereit. Auf der anderen Seite aber auch ein Werk, das nachdenklich stimmt und zwar in jeder Weise und das nicht nur, weil ich meine Einstellung zu deutschsprachigem Heavy Metal im Allgemeinen überdenken sollte, da dieser in der Tat tiefschürfend und unter die Haut gehend sein kann.

13.10.2012

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2 Kommentare zu Macbeth (DE) - Wiedergänger

  1. Sikozu Shanu sagt:

    Schöne Rezension. Die Texte sind wirklich schön. Mir fällt es jedenfalls schwer deutschem Gesang zu lauschen. Da muss halt einfach alles perfekt sein. Pathos, Floskeln – ja, einfach schwachsinnige Texte – sowas bemerkt man einfach im Englisch oder einer anderen Sprache als Deutsch nicht (oder nicht sofort)

    Das ist die Hürde ide deutschsprachige Band nehmen müssen. Da kann die Musik nämlich noch so gut sein. Mit dem Text könnte alles zunichte gemacht werden.

    Hier stimmt aber beides Text UND Musik. Einfach fabelhafte Band. Meine einzige deutschsprachige Band die ich immer gern höre.

  2. Sikozu sagt:

    Noch besser als das sehr gute erste Album! Am meisten hat mir das Lied Begraben gefallen.

    10/10

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